Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247251
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Buch. 
Sechstes 
Dritter Abfchnitt. 
 Von Dughets Art, Landfchafts f re sken in Palafifalen zu malen, geben feine 
larjilnfßggffßn Darfiellungen aus den römifchen Gebirgen in einem der unteren Säle des 
Cnlonna, Palazzo Colonna in Rom eine Vorflellung. Sie führen uns unter gleichmäßig 
heiterem Himmel reich gegliederte Bildungen des Erdreichs in grofsen, fein 
abgewogenen Zügen vor Augen. Seine bedeutendfte Leifiung auf dem Gebiete 
131x330 der Freskomalerei aber find feine Landfchaften in der Kirche'San Martino ai 
ai Vßmis Monti in Rom. Mit ihnen gab er einer befonderen Gattung kirchlicher Malerei, 
welche, aufser in den römifchen, nur in den belgifchen Kirchen ftudirt werden kann 
 und auch _in Rom durch den Belgier Paul Bril heimifch gemacht worden war, 
ihre höchfte VollendungQ. Sie ziehen {ich an den Wänden der Seitenfchiffe 
entlang, können in ihrem jetzigen Zuftande arger Befchädigung jedoch nur 
in ihren grofsen, einfachen Linienzügen, in ihrer claffifchen Zufammenfiellung 
von Bergen, Bäumen, Meerbuchten und Flufswindungen, nicht aber in ihrer an 
 manchen Stellen auseinanderfallenden Farbenwirkung als gute Beifpiele des 
Dugheffchen Stiles gelten (Fig. 508). Ihre Staffage ftellt hauptfächlich die 
 Gefchichte des Propheten Elias dar. Charakterifiifch für des Meifters Art, die 
Wirkung des Sturmwindes durch die Bewegung der Bäume zu veranfchaulichen, 
ifi hier nur die Dariiellung der Himmelfahrt des Elias in einer fchönen, gleich- 
mafsig aus Bergen und Bäumen zufammengefetzten Landfchaft. 
Teiäräijliab Von Dughets in Temperafarben auf Leinwand gemalten grofsen Land- 
larägfcgäften fchaftscyklen mufs zunächft die Bilderreihe hervorgehoben werden, welche jetzt 
Colonna, in einem der Galeriefale des Palazzo Colonna aufbewahrt wird. Es find zwölf 
feiner herrlichfien Geftaltungen, die an {ich wenig Farbe zeigen, vielmehr ganz 
auf die Linienwirkung hin componirt fmd, doch, wenn man fich in (ie hinein- 
gelebt hat, auch durch ihren klaren, fchlichten, warmen Ton ftimmungsvoll 
anfprechen. Hier fehen wir köficliche Darfiellungen aus dem Albaner- und 
Sabinergebirge, ftille Landfeen, Wafferflürze in finfiere Schluchten, waldige 
Flufsthäler, Ausfichten von romantifchen Bergvordergründen auf die weite 
 Ebene, meifi Alles unter ruhigem, klarem Himmel; doch zeigt z. B. die Land- 
fchaft mit dem Felfenthore auf der Berghöhe zur Linken jene vom Sturme 
geneigten Baumwipfel und zeigt die grofsartige Gewitterlandfchaft mit dem 
brennenden Dorf im Hintergrunde jene ganze atmofphärifche Stimmung, durch 
welche Dughet fich berühmtimachte. Andere Reihen grofsartiger Tempera- 
igoggl- landfchaften des Meiflers fleht man im Palazzo Doria in Rom: einige bedeutende 
 Bilder mit biblifcher und mythologifcher Staffage im erftenSaale der öffentlichen 
Galerie diefes Palaftes, eine noch bedeutendere Folge aber in der dem Publicum 
nicht geöffneten ßAntecameraß hier an zwanzig zum Theil riefengrofse, zum 
Theil kleinere Bilder, manche mit Staffage von fremder Hand ausgeflattet, 
viele von Dughets feinfter Eigenart befeelt.  
fairädgiriä Einen grofsen Cyklus in Oel gemalter decorativer Landfchaften Dughets 
im. DorizubClltZt derfelbe Palazzo Doria in einem anderen feiner in der Regel unzu- 
gänglichen Räume. nämlich im Thronfaalei): es lind 2 5 Riefenbilder, unter 
I) Stichwerk von Pietro Parboni, I2 131., Roma 1830. 
2) Die grofsen Lnndfchaften in den unzugänglichen Räumen des Palazzo Doria Pamfili fcheinen von 
einigen Seiten für Werke N. Pazfßns angefehen zu werden (z, B. Mme. Mark Pattifon, Claude Lorrain, 
Paris 1884, p. I2 und p 136), Ich halte fowohl den Cyklus der Antecamera als denjenigen des
        

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