Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247233
330 
Sechstes 
Buch. 
Abfchnitt. 
Dritter 
gleiche Bilder diefer Art mit feinen fchon befprochenen vier letzten Land- 
fchaften im Louvre, um einzufehen, dafs Nic. Pouffin in feiner befien Zeit 
gerade in der malerifchen Technik feiner Landfchaften noch fortwährend Fülrlung 
mit der Natur fuchte und fich felbft keine Schablone fchuf, während erfi in 
feinen fpäten Bildern diefer Art die Luftperfpective trüber wird und die Be- 
 handlung des Baumlaubs in jene conventionelle Manier übergeht, die den 
vBaumfchlaga feines Schülers Gaspard Dughet fchon von weitem erkennen 
läfst. Neben Claude Lorrain, der feine eigenen Wege ging, hat Nikolaus 
Pouffin, indem er die decorative landfchaftliche Auffaffung feiner Vorgänger 
in Rom durch feinen klaren künfilerifchen Verftand hindurchgehen und läutern 
liefs, jedenfalls am meiften von allen Künfilern des flebzehnten Jahrhunderts 
dazu beigetragen, auch der Landfchaftsmalerei einen folgerichtigen Idealfiil 
zu fchaffen, der feinem Urfprung und feiner Wirkung nach geiftiger Natur ifi. 
Pgggfgfs Jene wier Jahrzeitem des Louvre find übrigens nicht nur claffifche Zeugen 
des letzten Landfchaftsftiles Pouffms. Sie zeigen in betrübender Weife auch 
fchon die Schwäche der Hand des bei ihrer Vollendung (1664) flebzigjährigen 
Meifiers. Im folgenden Jahre vermochte er in der That kaum noch den Pinfel 
zu führen. Er fiarb am I9. Nov. 1665.  
Schüler 
und 
Genoffen 
Pouffins, 
fowie 
verwandte 
Meifier. 
rgäftlgäräligr Eine eigentliche Schule hat Nic. Pouffin auf dem Gebiete der Figurenmalerei 
dgroffälägle nicht gebildet. Wir müffen feinen unmittelbaren Einfiufs daher zunächü auf 
 demjenigen der Landfchaftsmalerei verfolgen. Auf diefem erwuchs ihm in 
3133;? feinem Schwager Gafpard Duglzet, der von feinen Zeitgenoffen und der Nach- 
welt wegen feiner nahen Beziehungen zu dem Altmeifter der römifchefran- 
zöflfchen Kunft in der Regel Gafpzln! Poufjin (auch L2 Guafpre fchlechthin) 
genannt wurde, ein gefchickter Schüler und Nachahmer, welcher feinen Stil 
routinirt weiterbildete und auf verfchiedene Generationen fortpHanzte. Gafjmrd 
Sei" Leben- Duglzetl), deffen Schwefter die Gattin Nic. Pouffins wurde, war von franzöfifchen 
Eltern 1613 in Rom geboren. Nic. Pouffm erkannte feine Begabung für die 
Kunft, befonders für die Landfchaftsmalerei, und bildete ihn, ohne ihn des 
Figurenzeichnens ganz zu entwöhnen, hauptlächlich in diefem Fache aus. Schon 
vor der Vollendung feines zwanzigiten Lebensjahres?) gründete Gafpard eine 
eigene Werkfiatt. Von allen Seiten flrömten ihm Aufträge zu; und wenn ihn 
wiederholte Reifen auch nach Umbrien, Toscana und Neapel führten, fo blieb 
Sein sm. Rom doch der Hauptfitz feiner Thätigkeit, fpiegelte die Umgebung der ewigen 
Stadt {ich in allen feinen Studien, in allen feinen Gemälden wieder. Aufser 
feinem hochgelegenen Haufe in Rom hatte er fich noch in Frascati am 
Albanergebirge und in Tivoli am Sabinergebirge Wohnungen gemiethet; 
und die Motive des Albanergebirges mit feinen fchönen Seen, feinen hohen 
I) Hauptquellen: F. Baidinurci, a. a. O. VI (1728) p. 473_475.  
(Roma 1730) I, p. 57-63. 
2) Baldinzzrci, a. a. O. p, 474 fagt: upervenuto al diciottesimo anno 
a a. O. p. 58, hingegen: _un0n avea fmito i venti annLn 
L. Pafcoli, 
di fua etäm 
a, a. O. 
Pafcoli,
        

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