Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1244150
Fünftes 
Buch. 
Erüer 
Abfchnitt. 
Meifter das mächtige Breitbild der Akademie, welches die Rettung eines zum 
Tode verurtheilten und bereits gemarterten Sklaven durch den allerdings etwas 
verfchroben kopfüber vom Himmel herabftürzenden heiligen Marcus darftellt. 
Eilägfbeiääer Von feinen übrigen Einzelbildern fei zunächft noch der prächtigen Darftellungexi 
ist  der Hochzeit zu Cana in der Sakriitei der Kirche S. Maria della Salute, des 
in Drßsdeni- Philofophen Diogenes in der ßNeuen Bibliothekx und der Einfchiffung der Leiche 
des heiligen Marcus im Hauptfaal der wAlten Bibliothekß zu Venedig gedacht, 
Doch fleht man Hiftorienbilder feiner Hand in faft allen grofsen Galerien Europas, 
die meiften und bePcen in der Akademie zu Venedig, im Madrider Mufeum und 
in der Dresdener Galerie: theils religiöfe Daritellungen von hohem Schwunge, 
theils mythologifche Scenen von beftrickendem Reize, theils Bildniffe von grofser 
Energie der momentanen Auffaffung und mächtiger Breite der Durchführung. 
ßildniffß- Als Bildnifsmaler lernt man Tintoretto am befren in den beiden grofsen floren- 
tinifchen Sammlungen, in der Akademie und im Dogenpalafte zu Venedig, in 
der Wiener, der Berliner und der Dresdener Galerie kennen. 
frigsoßglcogaf: Seit 1560 arbeitete er dann zunächft hauptfächlich an dem Bilderfchmucke 
Venßdig- der Scuola di San Rocco, einer großartigen Wohlthätigkeits-Genolfexilbhaft, 
deren Verfammluilgshaus noch heute im Wefentlichen fo erhalten ift, wie es aus 
dem Ausbau vom Jahre I5 50 hervorging. Tintoretto fchmückte die inneren 
Räume diefes Gebäudes und der angrenzenden Kirche nach und nach mit 
56 coloffalen, theils in die Decken, theils in die Wände eingefpannten Gemälden 
aus der biblifchen Gefchichte und der Heiligenlegende. Sein packendftes Gemälde 
der Scuola ift die Kreuzigung in der Sala dell" Albergo (Fig. 430). In der grofsen 
Halle gehören die Darftellung des bethlehemitifchen Kindermordes wegen ihrer 
dramatifchen Lebendigkeit, das Gemälde der Magdalena in der Wüfte wegen feines 
landfchaftlichen Stimmungscharakters, das Deckenbild des Schlangenwunders in 
der Wüfte wegen feiner erftaunlichen Beherrfchting der lVfaffen zu den inter- 
effanteften Leiftungen des Meifters; zu den gediegenften und am gleichmäfsigften 
durchgearbeiteten aber mufs die Begegnung der Frauen im Treppenhaufe 
gezählt werden. Alles in allem hat wohl kaum je ein und derfelbe Meifter in 
einem und demfelben Raume fo grofse Flächen mit Geftalten und Farben be- 
deckt, wie Tintoretto hier; und nebenher gingen gleichwohl bald feine Arbeiten 
für die Libreria und für den Dogenpalaft. 
ängßääg Im Dogenpalafte hatte Tintoretto allerdings viele Nebenbuhler; aber der 
palalfe. decorative Gefammtcharakter der Räume wird durch feine Bilder mehr als die- 
jenigen irgend eines anderen Meifters, höchftens Veronefe ausgenommen, be- 
Pcimmt. Im Vorfaal z. B. und im Saal mit den vier Thüren hat er die grofsen 
allegorifchen Deckenbilder gemalt, in der Sala dell' Anticollegio die vier mytho- 
logifchen Wandbilder, die zu den reichften Werken feiner Palette gehören, in der 
 Sala del Collegio die vier Votivbilder der Dogen, welche durch Heilige den himm- 
lifchen Heerfchaaren empfohlen werden (Fig. 431), im Senatsfaal einige ähnliche 
Wandfelder und das prächtige, wenngleich durch tolle Verkürzungen auffallende 
Deckenbild der Venezia als Meereskönigin. Sein gröfstes Bild im Dogenpalaüe 
aber, zugleich eins {einer letzten Gemälde, ein Werk, mit dem er noch einmal 
feine geblendeten Zeitgenoffen zur fiaunenden Begeifterung hinrifs, iFt feine 
Pagiiies. coloffale Darftellung des Paradiefes im Saal des Grofsen Rathes. Es ift ein
        

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