Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247170
324 
Buch. 
Sechstes 
Dritter Abfchnilt. 
fehen erregte der Meifter durch die Dariiellung des Abendmahles in diefer 
Gemäldereihe. Er verlegte die Scene nämlich in ein antikes Triclinium und 
s {iellte die Jünger nach Art der alten Römer auf den Speifelagern in liegender 
Stellung dar. Uebrigens macht diefer Gemäldecykltxs keinen fo frifchen Ein- 
druck, wie der fchon befprochene im Belvoir Castle. Die Farben find bedeutend 
nachgedunkelt und die Compofitionen, wenngleich noch durchdachter, als die 
früheren, haben durch die Abficht des Meifiers, liCll felbft zu übertreffen, nicht 
in allen Stücken gewonnen. 
In den Jahren 1647 und 1648 malte Pouffin auch zweimal xDie Findung 
Moüsr. In diefem letzteren Jahre entftanden ferner die hübfche, idyllilche Dar- 
{tellung Rebeccas am Brunnen und die aufserordentlich reichef Athen in's 
Sabinergebirge verlegende Landfchaft mit Diogenes (Fig. 504), welcher {einen 
Becher wegwirlt, als er einen Landmann aus der hohlen Hand trinken fieht. 
im 140mm, Diefe vier Bilder gehören dem Louvre. Auch die impofante römifche Abend- 
üiöällilgiifh landfchaft mit dem grofsen Wege in der Mitte l), welche {ich jetzt im Dulwich 
College befindet, {tammt aus dem Jahre 1648. Das Jahr 1649 fah das wUrtheil 
Salomonisa des Louvre, die grofse, klare, warme Landfchaft mit dem Kyklopen 
l" Sgiäcrs" Polyphem in der Petersburger Eremitage und das Prachtbild des Mofes, welcher 
mit {einem Stabe dem Felfen das Waffer entlockt, in derfelben Sammlung, 
im Louvre, entftehen. Dem Jahre 1650 gehört des Meilters Selbftbildnifs im Louvre, 
gehören die ßVerkündigunge und wDie Blinden von Jerichoe in derfelben 
Sammlung an, dem Jahre 1651 eine heilige Familie des Louvre und eine 
inDarmßadr, Gewitterlandfchaft, welche wohl identifch ift mit dem Bilde der DarmPcädter 
Galerie, dem Jahre 1 52, wie es fcheint, die berühmte vSchreckenslandfchaftx 
(rLe Paysage de la peura), deren Staffage einen von einer grofsen Schlange 
umPcrickten Jüngling, einen Hüchtenden älteren Mann und eine vor Schrecken 
in die Knieen gefunkene Frau zeigt, leider aber nur durch einen Stich Baudets 9) 
bekannt ift, dem Jahre 1653 die ruhig fymmetrifch componirte Darftellung der 
im Louv-e, Ehebrecherin vor Chriftus im Louvre und das Bild des Heilands als Gärtner 
in Madrid, mit der vor ihm knieenden Maria Magdalena im Madrider Mufeum, dem Jahre 
in Dresden, 1654 eine vAusfetzting Moüsa, die jedoch nicht mit dem grofsen Bilde der Dresdner 
Galerie identifch ift"), dem Jahre 1655 die Daritellung der Heilung der Krüppel 
in England. und Lahmen, von denen John Smith 4) ein Eremplar bei Mr. Wilkins in England 
in Wien. fah, während eine etwas veränderte Wiederholung {ich in der Galerie Liechten- 
{tein zu Wien befindet. 
Aufser diefen Bildern, deren Entfiehungsjahre beglaubigt und deren gegen- 
wärtige Aufbewahrungsorte gröfstentheils bekannt {ind, erwähnen einerfeits die 
Quellen noch mancher F igurenbilder Pouffins aus diefer Zeit, deren Exiftenz 
{ich nicht mehr nachweifen läfst, und kennen wir andererfeits noch eine fehr 
beträchtliche Anzahl von erhaltenen Bildern des MeiPters, deren Entftehtingszeit 
{ich nicht genau nachrechnen läfst, wenngleich {ie fpätefiens diefer Zeit feines 
I) Filibien a. a. O. p. 356. 
2) 11111174271 a. a. O. p. No. 442. 
3) Vgl. die Stiche von Audran u. a.  Auch Smitlz, Catalogue, p. 7, N0, 
Ueber andere, anders componirte Darflellungen diefes Gegenffandes Audrefm a. 
4)  Smilh: Catalogue, etc. p. 79-81. 
11 und p. 
a. O. N0.
        

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