Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247074
314 
Sechstes 
Buch. 
Abfchnitt. 
Dritter 
Stich vervielfältigten l), trugen f1e feinen Ruhm in alle Länder. Nur in ihren 
Stichen haben {ich manche Werke Vouets erhalten. Von allen Seiten geehrt, 
Sein Ende, gefeiert, in Anfpruch genommen, erreichte er fein 69. Lebensjahr; 1659 wurde 
er feinem thätigen Leben entriffen. 
Vouets Stil. Simon Vouets unfelbfiändig eklektifcher Stil, der mit den Jahren immer 
oberflächlicher und verblafener, immer feelenlofer im geiftigen Ausdrucke, immer 
kälter in der Farbe wurde, würde an {ich den mächtigen Einflufs, den der 
MeiPcer gewann, kaum erklären i); man mufs den Zuftand der damaligen fran- 
zöfifchen Malerei in Betracht ziehen, um feine Erfolge begreiflich zu finden; 
die Schule von Fontainebleau (Bd. II, S. 784 ff; Bd. III, S. 103) war ausge- 
fiorben; gerade der franzöfifchen Grofsmalerei fehlte jeder Impuls; aber die 
neue Aera der franzöfxfchen Cultur verlangte gebieterifch nach grofsen Ge- 
mälden und grofsen Künfilern. Vouet malte die grofsen Gemälde und bildete 
eine Reihe von Künfilern, die gröfsere, felbftändigere und lebensvollere Meifter 
Beäfslflng wurden als er. Darin liegt feine Bedeutung 3). Seine Schüler haben am meiften 
zu feinem Ruhme beigetragen: die Kupferftecher durch Verewigung feiner 
Werke, die Maler durch ihre eigenen Gemälde. 
Mufsten wir gerade aus diefem Grunde länger bei der Schilderung der 
Entwickelung und der Wirkfamkeit Vouets verweilen, als feine eigenen Leifiungen, 
die überdies zum grofsen Theile wieder untergegangen find, es gerechtfertigt 
erhsaßlitgzen erfcheinen laffen, fo können wir uns bei der Befprechung feiner erhaltenen Ge- 
Gemälde: mälde kurz faffen. 
in Loreto, In Italien gilt nur noch das Abendmahl im Dome des heiligen Haufes zu Loreto 
igiljggifr als ein Meifterwerk Vouets 4). In Paris befitzt z. B. die Kirche S. Eustache noch 
iein Altarblatt des Meifters, welches das Martyrium diefes Heiligen darftellt, 
die Kirche S. Merry eine Darfiellung der Befreiung der Gefangenen durch 
den Heiligen. Die meifien Bilder, welche er für Parifer Kirchen gemalt hatte, 
find ihnen in der Revolutionszeit genommen worden. Man findet f1e in den 
 franzöfifchen Provinzialmufeen, z. B. in denjenigen zu Rouen, zu Grenoble, zu 
mufeen. Nantes wieder, man findet eins von ihnen, welches den hl. Carlo Borromeo 
in Brüffel, darfiellt, im Brüffeler Mufeum, eins von ihnen, die Darftellung Chrifti im Tempel, 
iTuI-lgie-llggß die zu des Meifters reinften Schöpfungen gehört, im Louvre zu Paris. Diefe 
i Sammlung ift die reichfie an Werken Vouets; fie befitzt im Ganzen fieben Ge- 
mälde feiner Hand; unter ihnen z. B. noch ein Bildnifs Ludwigs XIIL, eine 
greiiirer Allegorie auf den Reichthum und eine Grablegung Chrifti. Die Dresdner 
Galerie, Galerie befitzt unter Vouets Namen eine vortreffliche Darfiellung der Apotheofe 
des hl. Ludwig, deren fefiere, plaftifchere Modellirung und tiefere Färbung auf 
I) Tortebat {fach I3 (Robert DumesmY, Peintregraveur frangais, ÜI, Paris X838, p. 216 (T. no. 
1-13), Dorigny nicht weniger als 85 Blätter nach Vouet (R. D. a. a. O. IV, 1839, p. 268 H". no. 
53-135)- 
2) De Piles fagfe fchon 1715 von diefem Stil Vouets: (a. a. O. p. 457) wcette maniere expä- 
ditive näätoit pas tant celle de Vouet, que celle de son interäm  
3)  anderer Anflcht als de Piles, hatte daher in gewiffem Sinne auch recht, 
wenn er (a. a. O. p. 240) fchrieb: nOn peut dire que 1a peinmre en France lui doit ce que le 
thäatre doit ä Corneille." 
4) Vgl. jllanfetle a. a. O. V01. VI, p. 96. Das Bild, auf dem Altar durch eine Mofaikcopie 
erfetzt, befindet fxch jetzt im Apoß. Palafle zu Loreto.
        

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