Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1244136
Fünftes 
Abfchnitt. 
Erßzer 
Kunßaus- 
ßellungen  
IITintoretto. 
Sein Stil. 
Venedigs dienen, leitete der Camaldulenfermönch Girolamo Bardi. Das Ganze 
ift ein überaus glänzendes Denkmal des venezianifchen Reichthums und der 
künftlerifchen Eigenart Venedigs; und doch ift es nur ein kleiner Bruchtheil 
deffen, was damals hier gefchaffen wurde. Die reiche Production entfaltete 
zugleich ein reges, felbltbewufstes receptives Kunftleben. Zwifchen Publicum 
und Künftlern beftand damals bereits ein folcher Wechfelverkehr, dafs in der 
Merceria am Rialto eine Art permanenter Kunftausftellung ftattfand, durch welche 
die jungen Künfiler fich bekannt zu machen fuchten. 
Eine der Spitzen der Schule in diefer Zeit ift zunächft Yrzcopa Kolzujißl) der 
von feinem Vater, einem Färber (tintore) von Beruf, feinen bekannten Beinamen 
w]  empfing. Im Jahre 15181) zu Venedig geboren und zunächft in 
Tizians Atelier gebildet, gehört er mit feinen früheren Werken nicht nur ihrer 
Zeit, fondern auch ihrem Stile nach noch der goldnen erften Hälfte des jahr- 
hunderts an; fein rafilofer Feuergeift aber und feine Sucht, Neues zu fchaffen 
und Auffehen zu erregen, liefsen gerade ihn bald mit vollem Bewufstfein eine 
Verfchmelzung der florentinifchen mit der venezianifchen Kunftweife erftreben. 
iNun fehmüelite er feine Werkltatt mit den oft citirten Worten: all disegno di 
Michelangelo ed il colorito di Tizianor (Die Zeichnung Mfs und die Färbung 
TÄs), gab {ich fleifsig dem Studium der Anatomie und des Modells hin und 
eignete flch Wirklich ein tüchtiges Formenverftändnifs an. Doch befafs er Selb- 
ftändigkeit genug, um aus den verfchiedenen Elementen, die auf ihn eingewirkt 
hatten, etwas eigenes, neues zu bilden; und diefes neue, eigene, frifch bewegt 
in den Formen, dramatifch-lebendig in der Auffaffung, grofsartig-einheitlich in 
der Vertheilung von Licht und Schatten, tief und warm in der Farbe, war 
herrlich und packend, fo lange oder fo bald er es für der Mühe werth hielt, 
fich die nothwendigfie Mufse zur Ausführung zu laffen. Leider aber war das 
nur felten der Fall. In der Regel arbeitete er, von einem fafi: fanatifchen 
Drange getrieben, möglichft viele und möglichfl: grofse Flächen mit feinen 
Malereien Zu bedecken, mit überzeugungslofer Haft. Wenn irgend ein Maler als 
gejfljfeicher Improvifator zu bezeichnen ift, fo ift er es; und geiftvoll ift er faft 
immer; und ganz neue Auffaffungen der überlieferten Stoffe überrafchen uns 
auch in feinen fiüchtigften Darftellungen; aber freilich darf man an die Mehrzahl 
feiner Werke keinen äbfolut gültigen Mafsftab anlegen; freilich mufs man faft 
bei allen manche Gefpreiztheiten und Unmöglichkeiten der Zeichnung in den 
Kauf nehmen; und freilich hat die durchgewachfene dunkele Grundirung viele 
feiner Bilder im Laufe der Jahrhunderte jedes Farbenreizes beraubt; ja auch 
wo feine Färbung nicht viel von ihren urfprünglichen Tönen eingebüfst zu haben 
fcheint, ifi fle oft eintönig genug, da er im Sinne der letzten Arbeiten Tizian's 
die Farbe manchmal abfichtlich in Ton und dann oft in einen keineswegs 
angenehmen, fchWer-bräunlichen T011 Eluflöfie. Wie er uns in feinen erhaltenen 
I) Aeltere Quellen: Vafari (Ed. hlilanefi) VI, p. 587-594.  lßidplji, L5 nmraviglie etc, (ed, 1337) 
II, p. 171-258.  (Zanelti) Della pittura veneziana (X771) p. 127-162.  Neuere Literatur: 
Galanti wIl Tintorettou in den Am della R. Accademia di Belle arti in Venezia 1876.  Auf felb- 
Pciindigerx Forfchungen beruht auch H. fyzznizjklzeks Arbeit über Tintoretto in nKunft und Künßlerß. 
z) Selbfl Milanefi läfst es in [einer Vafari-Ailsgabe noch bei RidolfYs Angabe 1512 bewenden. 
Dagegen aber Janitfchek a. a.  S. 32. Anm. I.
        

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