Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246894
296 
Sechstes 
Euch. 
Abfchnitt. 
Zweiter 
Mufeum diefer Stadt. Im Mufeum von Sevilla aber fieht man die figurenreiche 
Darftellung eines Franciskaner-Conciliums von feiner Hand. Mehr, als dafs iie 
fich mit einigem Glücke in den Bahnen Murillds bewegen, läfst {ich von allen 
Bildern Meneses Osorids jedoch nicht fagen. Einen etwas felbftändigeren Zug 
vigälljgo zeigt D011 Pedra [Vznirß de Vzllzzwkezzczb (1635-1700), der vornehme Lieblings- 
ifchüler und perfönliche Freund Murillds, der hauptfachlich auf dem realifiifchen 
Stoffgebiete mit feinem Meifter wetteiferte. Bildniffe und Gaffenbuben-Sitten- 
bilder waren fein Fach. Von feinen Bildniffenl) läfst {ich leider keins mehr 
nachweifen. In feinen Volksfiücken der gedachten Art aber, von denen {ich 
einige unter feinem Namen erhalten haben, andere unter Murillds Namen ver- 
Hecken, unterfcheidet er fich von diefem hauptfachlich durch feine herbere 
geiftige Auffaffung. Ihnen fehlt die heitere, felbft die Lumpen vergoldende 
Unfchuld und Liebenswürdigkeit, die uns Murillds Strafsenjungenbilder faft als 
Werke der Idealkunft erfcheinen liefsen. Seine Gaffenbuben beim Spiel ver- 
rathen fchon durch die Art ihrer Leidenfchaftlichkeit, wefs Geiftes Kinder fle 
find. Befonders deutlich tritt uns dies in feinem grofsen Bilde des Madrider 
Mufeums entgegen, deffen Hauptiiguren zwei würfelnde Knaben find, die von 
zwei anderen beftohlen, von noch zweien beobachtet werden, während mehrere 
andere Knaben und Mädchen in lofere Beziehung zu der Hauptgruppe gefetzt 
find. Auch die Petersburger Eremitage und die Pefter Galerie befitzen Bilder 
Villavicencids unter feinem Namen. Ein dritter Schüler Murillos war fein 
Seb. Gomez. Sklave Seöajizkzlz Gomez, ider Mulatte Murilldsa, nicht zu verwechfeln mit einem 
anderen Seb. Gomez, welcher zu Canols Schülern in Granada gehört. Das 
Geburtsjahr des vMulattenk ift unbekannt, fein Todesjahr wird verfchieden 
angegeben. Unter feinem Namen befitzt das Mufeum zu Sevilla ein vConcepciom, 
die Petersburger Eremitage einen hl. Franciscus. Die Zeichnung fcheint feine 
Jiieirsimeii fchwächfte Seite zu fein. Ein vierter lVIeifter diefer Reihe War Yurm 32711012 
G""e"eZ'  (I664-_I672 Mitglied der Akademie), VOH deffen Hand "man im 
Mufeum zu Sevilla vier keineswegs unbedeutende halbrunde Darfiellungen aus 
135301313?- dem Leben des hl. Dominicus fieht; ein fünfter war D011 Francism Antolizzez 
 y Sarabia (1644-1700), ein Meifter, der vorzugsweife kleinere Bilder mit land- 
fchaftlichem Hintergrunde im Stile Murillds malte (eine Geburt Chrifii in der 
Kathedrale zu Sevilla, fechs kleine Darftellungen aus dem Leben der Jungfrau 
im Mufeum zu Sevilla), manchmal übrigens mit feinem Oheim Iose Antolinez 
 (oben S. 276) verwechfelt wird; ein fechfter war Estääzzlz Jllzzrguez (um 1655- 
1720), deffen bekanntefies Bild, die Darftellung des heil. Jofeph mit dem Chrift- 
kinde im Mufeum von Sevilla, ihm einen bedeutenden Rang unter den Nach- 
 folgern Murillds anweift.  
Niräitäger Alle diefe Künftler konnten Murillo noch perfonlich gekannt und feinen 
Irlurillßis: unmittelbaren Unterricht empfangen haben. Wie weit der Schuleinflufs des 
Meifters aber nach feinem Tode noch fortwirkte, zeigen befonders zwei Künfiler, 
die ebendeshalb fchon hier eingereiht werden müffen, wenngleich {ie ihrer 
Lebenszeit nach erft unter die Meifter des folgenden Jahrhunderts gehören. 
Tobar. Der eine von ihnen ift D01; Alw-zso zllzgzzel de T obar (geb. 1678, nach 1729 
Palomino
        

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