Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246833
290 
Buch, 
Sechstes 
Abfchnitt. 
Zweiter 
und fchaut mit einem Blicke ruhigen Schmerzes und inniger Liebe in deffen 
dunkle, entzückt zu ihm auffchauende Augen (Fig. 496). Solche Stoffe in einer 
Weife zu bewältigen, dafs auch den nüchternen Betrachter heilige Wonnefchauer 
durchriefeln, konnte nur dem tiefen geiftigen Ernft und der hohen technifchen 
hhdliälix, Meifterfchaft Murillds gelingen. Auch die herrliche Darftellung des hl. Felix, 
Welcher der ihm erfcl1einenden-Muttergottes das Chrifikind zurückreicht, das er 
in feinen Armen gehalten, gehört jener viüonären Welt an, wogegen das letzte 
deäglslfglgo" diefer Bilder, welches den hl. Thomas von Villanueva darfiellt, wie er Almofen 
Vma"""a- an Bettler und Krüppel vertheilt, uns zur Erde zurückruft und in feiner irdifch 
realiitifcheren Modellirung und coloriftifch-fefieren Behandlung zu den vor- 
züglichften Bildern des Meifiers gehört. 
Bgcfgfefffs Ungefähr aus derfelben Zeit müffen auch die Darftellungen ftammen, die 
kagäfßlfägn Murillo nach den erwähnten elf Jugendbildern des kleinen Kreuzganges noch 
für das Franciskanerkloüer zu Sevilla gefchaffen hat. Von diefen intereffirt 
gzcägtgi: uns befonders die gewaltige, mächtig und breit durchgeführte xConcepciont 
iesnMälgggs. des Mufeums von Sevilla, deren Trägerin ftatt auf dem Halbmonde auf dem 
Erdballe, oder, wie andere wollen, auf dem Vollmonde fleht und, Pcatt verklärt 
gen Himmel zu fchauen, mit zufammengelegt emporgehobenen Händen und ge- 
fenktem Haupte triumphirend und gnadenvoll zur Erde hinabblickt. 
Diffjfäilier Im Jahre 1678 malte Murillo zunächft einige Bilder für das Hofpital der 
glitäzigiif ßVenerables Sacerdotese. Zu diefen gehörten die berühmte vConcepciom des 
Disiofrllßgizv- Louvre zu Paris, die Darftellung der auf Wolken thronenden Muttergottes 
Louvre- und des vor ihr ftehenden Chriftkindes, welches Brod an Priefter austheilt, in 
defillglfäer der Peiter Galerie, und das ausgezeichnete Bildnifs des Don Juftino Neve y 
glalgziäggläf Yevenes mit feinem kleinen Hunde beim Marquis of Lansdowne zu Bowood, 
eins der wenigen Werke, welche uns auch von Murillds Meifterfchaft auf dem 
{Gebiete der Porträtmalerei eine deutliche Voritellung geben. 
Elläfaigiäls Demfelben Jahre aber gehören auch einige Gemälde des Meiiiers im 
1121 Auguitinerklofter an: der knieende hl. Auguftinus, welcher dem Chrifikinde ein 
Sßvilla, flammendes Herz darreicht, und der fchreibende Heilige, dem die Dreieinigkeit 
erfcheint, beide im Mufeum zu Sevilla, während die beiden aus demfelben 
AgähäftfihKlofter fiammenden Gemälde des hl, Thomas von Villanueva beim Lord 
Nläiithlgjggk Ashburton und beim Earl of Northbrook in London, deren Entftehung in diefem 
in Lßndßn- Jahre nicht beglaubigt iPc, ein Jahr früher und fpäter entftanden fein werden. 
B1: äiägui" Murillds letztes Bild endlich, die Vermählung der hl. Katharina in. der 
Zilleräfißilzie Kapuzinerkirche zu Cadiz (fieheroben S. 282), wurde nach dem Tode des Meifiers 
 von feinem Schüler Meneses Osorio vollendet. Der ganze Retablo follte aus 
fünf Bildern befiehen; und die vier übrigen find ganz von Meneses ausgeführt; 
das Hauptbild aber rührt, bis auf einen Theil der Engelglorie, von Murillo 
felbft her l). Es iit eine der reichfien und fchönfien "Compofitionen des Meifters. 
Erwachfene Engel flnd unten in der mächtigen Säulenhalle Zeugen der heiligen 
Handlung; aus der Glorie aber fchweben zwei Engelknäblein herab, von denen 
der eine einen Palmenzweig, der andere einen Kranz über dem Haupte der hl. 
Katharina hält.  
Viage 
P0122, 
xvn, 
339-
        

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