Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246796
286 
Buch. 
Sechstes 
Abfchnitt. 
Zweiter 
215213523 betenden Priefiern zu ihren Füfsen, {ich im Louvre zu Paris befindet, die dritte 
und vierte aber, welche flch auf die Gründung der Kirche S. Maria Maggiore 
31135335515 in Rom beziehen, zu den Hauptwerken der Akademie S. Fernando zu Madrid 
z" Madrid gehören. Die eine diefer letzteren zeigt uns den römifchen Senator und feine 
Gattin, wie f1e fchlafend in ihrem Wohngemache ruhen und die hl. Jungfrau, 
welche ihnen im Traume die Stelle anweifi, wo die Kirche gegründet werden foll; 
die andere aber (Fig. 494) zeigt uns links den Papft neben zwei Cardinälen auf 
dem Throne, vor ihm den römifchen Senator und feine Gattin, welche ihm ihren 
Traum erzählen, knieend zu feinen Füfsen; rechts aber eine Weite landfchaftliche 
Perfpective, in der {ich eine feierliche Proceffion nach der neuentftehenden 
 heiligen Stätte hinbewegt. Befonders diefes Bild zeigt'uns Murillo von feiner 
geiftvollften und beften Seite. Die Compofition ift ganz ideal gedacht und dem 
Raume vortrefflich angepafst, die einzelnen Geftalten {ind von wunderbarer 
Frifche in der realiftifchen Auffaffung und in der weichen und doch energifchen 
Technik der Modellirung; die zugleich fatten und duftigen Farbenaccorde aber, 
welche die ganze Darftellung beherrfchen, gehören zu der erquickendften und 
wohlthuendften Farbenmufik, welche die "Kunftgefchichte kennt. Um 1668 
131255131" entfiand die prachtvolle wConcepciom im Kapitelfaal der Kathedrale zu Sevilla, 
 um 1670 die köftliche heilige Familie mit der hl. Elifabeth und dem kleinen 
drale- Johannes im Louvre zu Paris. 
Das Jahrzehnt zwifchen 1670 und 1680 aber erfcheint als die eigentliche 
läyfihlfsnäig" Glanzzeit des Schaffens Murillds. In den Jahren 1670 bis 1674 malte er 
 532313; {einen berühmten Bildercyklus in der Kirche des Caridadhofpitals zu Sevilla 1). 
z" Sevma: Oben an den Langwänden malte er fechs grofse Breitbilder, von denen die 
beiden gröfsten eben nur durch ihre Riefengröfse dem Raubgelüfte des 
Marfchalls Soult widerftanden und noch an ihrer urfprünglichen Stelle zu 
mlgliljuzlgeägr fehen find. Das eine von ihnen ift unter dem Namen La Sed, öder Durfte, 
läflfgegeäjf bekannt und ftellt Mofes dar, wie er den durftenden Kindern Israels in der 
diflfzfglß; WüPre zu trinken verfchafft; das andere fiellt das Wunder der Vermehrung 
der Brode und der Fifche dar; beide find befonders durch die coloriftifche 
Beherrfchung der Volksmaffen und die fittenbildlich-lebendigen Einzelmotive 
däzisgiäflfs ausgezeichnet. Die übrigen, etwas kleineren vier Bilder wurden vom Marfchall 
Soult entführt und befinden fich jetzt an verfchiedenen Orten: ßdie Rückkehr 
ilgäjtaifgfxd des verlorenen Sohnesn und ßAbraham mit den drei Engelna im Stafford 
220813211 House zu London, wChriftus am Teiche Bethesdar bei Mr. Tomline zu Orwell 
in Säaglrgery Park in Suffolk, vPetrus im Gefängnifsa in der Eremitage zu St. Petersburg. 
burg. An den unteren Wandtheilen aber malte Murillo zwei grofse Hochbilder, von 
denen das eine, welches San Juan de _Dios, wie er bei feinem Krankenträger- 
11:32 gilelirf amt zufammenbricht, von einem Engel unterftützt zeigt, (ich noch an feinem 
unfprünglichen Platze befindet, während das andere, welches die hl. Elifabeth, 
im Begriffe arme Kranke zu pflegen, zu wafchen und zu tröften darftellt, jetzt 
 lSjlflaglä-D zu den Hauptbildern der Akademie San Fernando zu Madrid gehört. Die Scene 
z" Madrid, diefes köftlichen Gemäldes (Fig. 495) ift in eine reiche Halle verlegt. Das Silber- 
becken, über dem die vornehme, jugendfchöne Heilige einem armen kleinen 
Curtis a.
        

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