Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246578
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Buch. 
Sechstes 
Zweiter 
Abfchnitt. 
find zu dem Helldunkelduft, der nach hinten {ich in finftre Nacht verliert, aber 
den mittleren Haupttheil des Bildes in ein überaus wahres Nebellicht hüllt, in 
genialfler Weife in Beziehung gefetzt. Man weifs nicht, was man mehr be- 
wundern foll, die überaus köllliche Behandlung der nackten Fleifchtheile diefer 
Gelialten, die unerhört wahre Darllellung der Luft- und Lichtperfpective des 
gefchloffenenRaumes oder die packende Lebendigkeit, mit welcher die darge- 
flellte Handlung zur Anfchauung kommt. Wenn wir das Bild lange anfehen, 
meinen wir Apollon reden zu hören. Gerade diefem Bilde gegenüber nun hat 
man die realiflzifche Auffaffung der mythologifchen Geftalten unbegreiflich, man 
hat Vulcan und feine Gefellen ßvulgärr, Apollon unbedeutend und derb ge- 
 funden. Indeffen haben f1ch felbfl die alten Griechen den Schmiedegott 
und feine Gefellen keineswegs in idealer Schönheit vorgeltellt; und wenn diefer 
Apoll des Velazquez auch vielleicht dem conventionell gewordenen Typus des 
Apollon des Belvedere zum Trotze gemalt ift, fo bleibt der Beweis, dafs er 
häfslich fei, doch noch zu führen. Jedenfalls ift es Velazquez vollkommenfter 
Ernft mit diefem einzigen Bilde gewefen; und mit wuchtigem Ernft ergreift es 
noch heute den Befchauer, der ihm unbefangen und rohne Vorurtheil gegen- 
aaäelliigllgjfs übertritt.  In Rom mag Velazquez damals auch das treffliche Bildnifs eines 
031155331" jungen Mannes gemalt haben, welches fich jetzt in der Gallerie des Capitols 
die skiiw. befindet; und jedenfalls lind in Rom jene beiden ausgezeichneten landfchaftlichen 
aiieläiäilfiiäa Studien aus dem Garten der Villa Medici, die der Künfiler dort eine Zeit lang 
 bewohnte, entflanden, welche in ihrer fchlichten Naturwahrheit und überzeugenden 
Luft- und Linearperfpective epochemachend in der Gefchichte der Landfchafts- 
malerei hätten fein müffen, wenn diefer Kunftzweig überhaupt im höherem 
Grade das Intereffe der Spanier zu erregen vermocht hätte. Sie befinden {ich 
im Madrider Mufeum. 
aal; Nach Madrid zurückgekehrt, begann Velazquez nun, immer freier, immer 
Fzläiriäfsr leichter, immer heller in der Behandlung werdend, jene lange Reihe von F ürflen- 
 Meifters- bildniffen zu malen, die ihres Gleichen in der ganzen Welt fuchen und zu den 
Fürgenäild- Igröfsten Schätzen des Madrider Mufeums gehören. Nach einander malte er den 
iiaiiridii Bruder des Königs, den Cardinal-Infanten Ferdinand von Oelterreich, im Jagd- 
Mufeums coftüm mit hohen Stiefeln und kleiner Kappe, ausgezeichnet durch feine elegante 
Haltung und feinen intelligenten Blick (um 1632), aden König Philipp IV., eben- 
falls im Jagdanzug, fiehend, in ganzer Figur, die Flinte in der gefenkten Rechten, 
den grofsen Hund links zu feinen Füfsen (um 1634), den kleinen fechs- bis 
fiebenjährigen Prinzen Don Baltafar Carlos hoch zu Rofs, in die Landfchaft 
hineinfprengend, Kinderfeligkeit, Prinzenhoheit und frifche Reiterluft zugleich im 
 jungen Antlitz (um 163 5), denfelben kleinen Prinzen im Jagdcoftüm neben dem 
Hunde, der faPc fo grofs ifl, wie er felbft (um 1635), dann den eigentlichen Be- 
herrfcher feines Herrfchers, den Herzog von Olivares (Fig. 487), einige Jahre vor 
feinem Sturze, auf prächtigem Roffe in der Feldherrntracht, halb vom Rücken 
gefehen, bildeinwärts fprengend (um 1640, ein Hauptbild des Meilters), und den 
Prinzen Don Baltafar Carlos als vierzehnjährigen Jüngling noch einmal, nach- 
läffig im Zimmer ftehend, die linke Hand auf eine Stuhllehne gePcützt, Hut und 
Handfchuhe in der Rechten (um 1643), ferner den König und die Königin 
Ifabella noch einmal zu Pferde, beide im Profil, ihn nach rechts, lie nach links
        

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