Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246537
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Sechstes 
Buch. 
Abfchxmitt. 
Zweiter 
Dingen in der richtiglien und zartefien Wiedergabe der den darzufiellenden 
Gegenftand umgebenden Luft mit diefem fuchte und dadurch, da es fich in der 
Regel nur mehr um die Daritellung kühlen Tageslichtes handelte, gerade diefes 
in feiner klaren, grauen Stimmung feiizuhalten beftrebt war. Aber der Uebergänge 
von jener erften zu diefer letzten Malweife giebt es fo viele, dafs man fo gut, 
wie drei, auch fechs oder gar ein Dutzend Stilperioden des Meifters aufitellen 
könnte und doch immer noch auf Ausnahmen gefafst fein müfste. Es genügt 
daher, dafs wir uns die Entwickelung feiner Malweife im allgemeinen vergegen- 
wärtigt haben, um uns der Betrachtung feiner Hauptwerke mit hiltorifchem 
Verfiändniffe zu widmen. 
 Von jenen früheften Modelllhidien der Sevillaner Zeit des Meifiers hat fich 
Frühzeit nur wenig erhalten; doch gehört ohne Zweifel der prächtige, wenn auch noch 
etwas fchwer behandelte lachende Bauernburfche mit der Blume in der Hand 
 in der kaiferl. Galerie zu Wien in die Reihe diefer Verfuche. Ein eigenthüm- 
Wien. liches Genrebild aus Velazquez' Frühzeit ift dann der berühmte wWaffermannr 
20115512; (E1 Aguador) im Apsley House zu London. Es ifi ein lebensgrofses Knieftück. 
London, Der ernfie fchwarzbärtige, mit einem etwas zerlumpten Mantel bekleidete Waffer- 
Verkäufer ficht ganz im Profil gefehen, nach links gewandt, an feinem Tifche bei 
feinen Krügen. Zwei Knaben flfld feine Kunden. Der eine hat den Becher an 
den Mund gefetzt und {iürzt ihn haftig hinab; der andere hält das Glas noch in 
der Hand. Es ift ein charaktervolles Augenblicksbild: noch feft, ja etwas zu feft 
 in der Technik, noch bräunlich und dunkelfchattig im Ton; aber doch von einer 
unmittelbaren NVahrheit, die uns packt und fefthält. Noch mehr als diefes Ge11re- 
bild erinnern zwei frühe religiöfe Daritellungen des Meifters an Ribera: die 
grofse Anbetung der Könige von 1619, alfo im zwanzigften Jahre des Künftlers 
  gemalt, im Pradomufeum zu Madrid, und die grofse Anbetung der Hirten, welche 
Wiqirjgglrerie ungefähr derfelbenZeit angehören mufs, in der Nationalgalerie zu London. 
izii Londvn- Jedenfalls fiammen alle diefe Werke aus der Sevillaner Frühzeit des Künfilersn 
Welääijmai Von den erften Werken, die Velazquez 1622 und 1623 in Madrid gemalt 
Äläiäifer hat, hat fich nur das noch etwas hart und fchwerfallig, aber in feiner forg- 
inlßäläräigäer faltigen Durchführung doch vortrefflich rnodellirte Brufibild des Dichters Göngora 
Milfeum. im Madrider Mufeum erhalten. Nicht viel fpäter dürfte aber auch das Brufibild 
der Gattin des Meifters in derfelben Sammlung gemalt fein, während die beiden 
Kinderbilder, welche ebendort früher als die Porträts feiner Töchter "galten, 
ihrer leichteren Behandlung wegen fchon einige Jahre fpäter entftanden fein 
werden. Den zwanziger Jahren des Künftlers und des Jahrhunderts gehören 
aber auch einige Fürftenbilder des Madrider Mufeums an: z. B. das lebensvolle 
 Bruftbild des jungen Königs Philipps IV. welches, nach Madrazo, vielleicht die 
Studie für das 162 3 entfiandene, untergegangene ei-{le Rßiterbild ifi, das. 
Velazquez gefchaffen; das bei aller Frifche der Auffaffung und Durchführung 
doch in der Anordnung und Perfpective noch etwas unfreie Bild, welches eben- 
falls den jungen König, aber in ganzer Figur an einem Tifche ftehend darftellt, 
auf den er die linke Hand fiützt, während er in der gefenkten Rechten ein 
Papier hält; und das ähnlich aufgefafste Bild des Infanten Don Carlos, einesr 
Bruders des Königs, der etwa 20 Jahre alt zu fein fcheint und mit dem Hut 
in der linken, einem Handfchuh in der rechten Hand nachlaffig dafteht. Man
        

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