Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246435
250 
Buch. 
Sechstes 
Zweiter Abfchnitt. 
welche an den Stil Murillds erinnert, auf deffen Nachahmung Antonio f1ch in 
feiner fpäteren Zeit ohne befonderes Glück verlegt hatte. 
Neben Zurbaran ein wirklich bedeutender Meifter der Schule von Sevilla 
Alßnfocano- aber war Alozzso C0120 ; ja, als Architekt, Bildhauer und Maler fpielt diefer Meifter 
überhaupt eine hervorragende Rolle in der fpanifchen Kunftgefchichte. Was er 
Sfßegiiräßglzäiiil- als Architekt geleiftet, tritt hauptfachlich in den grofsen Altären zu Tage, 
die er ausgeführt. Als Bildhauer war er ein Schüler des Martinez Montaües; 
und feine in der Regel aus Holz gefchnitzten und reich al eftofado bemalten 
Statuen und Statuetten, die man befonders in Sevilla und Granada kennen 
lernt, gehören zu den charakteriftifchften, formenreinften und farbenfchönften 
Werken diefer Art. Am meiften intereffirt auch er uns gleichwohl als Maler. 
Sein Stil. Was ihm als folchem an packender Individualität fehlt, erfetzt er durch ruhige, 
anfprechende Harmonie. Seine plaftifchen Studien kamen feinem Verftändnifs 
der Formen zur Hülfe, fein architektonifches Gefühl fpiegelt flch in dem Gleich- 
gewicht feiner Compofxtionen wieder. Seine grofse Correctheit der Zeichnung und 
der Modellirung weifs er mit breiter, weicher, Hüffiger Pinfelführung zu vereinigen; 
die Naturfhidien, die er am Modell gemacht, verfteht er durch ein gewiffes ideales 
Schönheitsgefühl gemildert zu verwerthen; das fpanifche Helldunkel liebt er 
um eine volle, fatte, aber ruhige und gedämpfte Farbenharmonie fpielen zu laffen. 
Die Spanier Hellen ihn gerade deshalb fo hoch, weil einige fpanifche Härten 
und Seltfamkeiten in ihm gemildert und abgefchliffen erfcheinen; uns wird er 
weniger feffeln, als Roelas,.Zurbaran, Murillo und Velazquez, weil er die nationalen 
Eigenthtimlichkeiten der fpanifchen Kunft, fo Wenig er diefelben in irgend 
einem feiner Werke verleugnet, doch nicht fo geiftvoll und lebendig in flch 
 zufammenfafst, wie diefe. 
Sei" Lebe"- Alonfo Cano war Andalufier, aber kein Sevillaner von Geburt. Er war 
1601 in Granada geboren. Als flch feine Begabung für die Kunft herausftellte, 
zogen feine Eltern mit ihm nach Sevilla. In der Malerei war erft Pacheco 
 (oben S. 56), dann Juan del Caftillo (oben S. 53) fein Lehrer, und dafs er über 
die Technik diefer Meifter hinaus bei aller Strenge feiner Auffaffung in die 
gröfsere Weichheit, Freiheit und Breite des neuen Jahrhunderts hinüberfteuerte, 
verdankte er, aufser dem allmächtigen Zuge der Zeit und der echt küniilerifchen 
Anlage feines Geiftes, wohl dem Beifpiel feines fünfundzwanzig Jahre älteren 
Schulgenoffen Herrera. Cano hatte flch bereits eine herrfchende Stellung im 
Kunftleben Sevilla's erobert, als ein Duell ihn 1637 zwang, die Stadt feiner Wahl 
zu verlaffen. Er wandte {ich nach Madrid, wo er glänzend aufgenommen, bald 
zum Hofmaler ernannt und zum Zeichenlehrer des jungen Prinzen Baltafar be- 
rufen "wurde. Fünfzehn Jahre, reich an Ehre und an Arbeit, aber auch reich 
an Enttäufchungen, an Streitigkeiten und an Unannehmlichkeiten (iPc er nach 
Palomino  doch fogar wegen des Verdachtes, feine eigene Gattin ermordet 
zu haben, vor Gericht geitellt und gefoltert 2), aber, weil er den Folterqualen 
Stand hielt, freigefprochen worden!) verlebte er in der Refldenzftadt. Nur 
vergl. man 
angeführten 
I) A. a. O. I1, p. 390-391. 
2) Von Cean Bermudßu, a. a. O. I p 211 wird der Prozefs bezweifelt. Dagegen 
den bei Slirling a. a. O. II p. 787 und bei C11. Blau: (Histoire des peintres, Cano p. 5) 
alten Chroniften, der das Ereignifs zum Jahre 1644 berichtet
        

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