Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246352
242 
Sechstes 
Buch. 
Zweiter 
Abfchnitt. 
Oflfgjäer haben der Zeit widerftanden. Im Uebrigen haben wir uns an feine Oelbilder 
zu halten, in denen er feiner Technik auch am unbehindertften die Zügel 
fchiefsen laffen konnte. Seiner Jugend fcheint fein berühmtes wjüngftes Gerichtv 
Sßeifnardo in S. Bernardo bei Sevilla anzugehören. Berühmt iPc es befonders Wegen der 
beiSevma-wohlverfiandenen Behandlung des Nackten der Verdammten. Je feltener es 
den Spaniern geftattet war, nackte Körper darzuftellen  gerade bei den 
Verdammten der Hölle fcheint es erlaubt gewefen zu fein  defto gröfseres 
Auffehen erregten diefe unbekleideten Gruppen Herreras noch zu Bermudez' 
3211  Zeiten. Sein beftes Bild im Mufeum zu Sevilla, zugleich überhaupt fein gröfstes 
Meifterwerk, ift die 1624 vollendete Darflellung des Triumphes des hl. Hermen- 
gild. Der Wefigothenheilige fchwebt in blauem Stahlpanzer und rothem Mantel 
inmitten der goldfchimmernden Engelglorie, die ihn gen Himmel geleitet, wäh- 
rend unten die heiligen Leander und Ifldor mit dem Vater und dem Sohne 
des Verklärten gruppirt fmd. Diefes grofsartige Gemälde zeigt nicht nur die 
freie, breite Pinfelführung, fondern auch die ebenfo freie, breite Compofitions- 
weife und den eigenartigen, zunachft auf einen entfchiedenen, aber doch nicht 
völlig harmonifch durchgebildeten Helldunkel beruhenden Colorismus des 
 Meifters. Allen feinen Werken in Sevilla nachzugehen, würde uns hier zu weit 
Sßvilla) führen; in den Kirchen diefer Stadt flnd f1e nicht felten; das Mufeum befltzt 
ihrer im ganzen zehn; zu den charakteriftifchen gehören noch die vier grofsen, 
im grzffelläch- 1647 vollendeten Gemälde des erzbifchöflichen Palaftes, Welche das Mannalefen, 
dafelbft- den DurPt der Ifraeliten in der Wüfie, die Hochzeit zu Cana und das Wunder 
mit den Broden und Fifchen darfiellen. Aufserhalb Spaniens fmd fie von der 
1211523: gröfsten Seltenheit;  doch befitzt z. B. die Louvrefammlung zu Paris eines 
feiner Bafiliusbilder (Fig. 479); und befonders intereffant flnd die kürzlich von 
Carl jufti wiederentdeckten drei Bilder HerreraÄs aus dem Leben des hl. 
Bonaventura, welche flch urfprünglich in der Kirche diefes Heiligen zu Sevilla 
b512nfjäßn?f befanden, jetzt aber den Landfitz des Earl of Clarendon fchmücken 1). 
 Der bedeutendfie feiner Schüler, abgefehen von Velazquez, war fein Sohn 
Fifääjäfa Fr. Herren: cl mozo (d. h. der jüngere), welcher 1622 in Sevilla geboren wurde, 
Sein Leben. bei feinem Vater lernte, nach kaum beendigter Lehrzeit aber dem elterlichen 
Hause und der väterlichen Zucht entfloh und in Rom lebte, bis er den Tod 
feines Vaters erfuhr, dann nach Sevilla zurückkehrte, 1660 jedoch, da er die 
auf ihn gefallene Wahl zum zweiten Director der neu in feiner Vaterftadt 
gegründeten Akademie unter Murillo nicht annehmen wollte, nach Madrid zog, 
wo er nach und nach mit einer Reihe einträglicher Hofämter bedacht wurde, als 
Sein Stil. Maler und Baumeifier wirkte und 168 5 ftarb. Er hat {ich etwas von der wuchtigen 
Compofltionsweife und der breiten Pinfelführung feines Vaters bewahrt, aber 
fein Farbenauftrag ift dünner, feine malerifche Technik verblafener, fein Colorit 
Hauer; er gehört alles in allem zu der fpanifchen Malergeneration, Welche {ich 
 auf der Grundlage der Errungenfchaften der fünf oder fechs grofsen Haupt- 
meifter einem Manierismus eigener Art, der mit der feften Zeichnung zugleich 
 die Farbengebung in Duft und Dunft aufzulöfen drohte, hingaben. An Werken 
Haiiferlg feiner Hand fehlt es weder in Sevilla noch in Madrid. Sein Hauptwerk in 
yußi 
Preufs. 
der 
Jahrbuch 
Kunstfnmmlungen 
18331 
x52- 
153.
        

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