Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246333
240 
Sechstes 
Buch. 
Zweiter Abfchnitt. 
313212; gemalt worden. Auch die Bildnifsmaler aber fanden den Uebergang zur Genre- 
 malerei, indem He hier, wie in Holland, von Zeit zu Zeit das Bedürfnifs fühlten, 
anftatt der vornehmen Herrfchaften, welche ihnen jede Sitzung bezahlten, 
umgekehrt einmal Männer, Frauen und Kinder aus dem Volke zu malen, denen 
fie die Sitzung bezahlten. Wo das Porträtfiück aufhört und das Genrebild 
anfängt, ift bei diefem Verhältnifs nicht immer leicht zu fagen. Der Zufammen- 
hang der fpanifchen Genre- mit der Bildnifsmalerei verräth Hch aber auch darin, 
dafs jene nur felten beftimmte, ausgeprägte Handlungen darftellt und noch 
feltener unter die Lebensgröfse herabHnkt. Es Hnd in der Regel mehr Studien 
nach Volkstypen, als Genrebilder, die mit dem Bewufstfein der befonderen 
Gefetze diefer Gattung gemalt wären. Studien diefer Art aber erhielten den 
fpanifchen Malern jenen frifchen und lebendigen Naturalismus, der He auszeichnete. 
 Auch den Uebergang zum Gefchichtsbild fanden He vom Porträt aus. Die 
wenigen grofsen gefchichtlichen Darftellungen, welche wir zu verzeichnen haben 
werden, fcheinen fafi nur wegen der in die Handlung veri-lochtenen Perfönlich- 
keiten zufammexlgefügt zu fein. Auch He machen in der Regel beim eriten 
Anblick mehr den Eindruck gröfserer Bildnifsgruppen, als hiftorifcher Compo- 
Htionen; der realiüifche Sinn der Spanier behält eben auch hier, wie überall, 
wo die Religion nicht in's Spiel kommt, die Oberhand; und die Religion genügt 
der fpanifchen Kunft, um allen feelifchen Empfindungen, allen Regungen des 
Herzens, des Gemüthes und der poetifchen PhantaHe ihr Stoffgebiet anzuweifen. 
Beliägihel" Gerade die Begrenztheit ihres Stoffgebietes aber liefs die fpanifche Malerei 
 ihre beiden Hauptfächer nur um fo intenHver, energifcher, ihrem Wefen ange- 
11:31h C1733: meffener durchbilden; und da ihre gröfsten Vertreter zugleich zu den gewaltigfteil 
Technikern im Sinne einer den natürlichen Gefetzen der Flächendaritellung mit 
Pinfeln und Oelfarben am meiften entfprechenden und daher fchlechthin male 
rifchen Behandlung gehörten, fo kann es uns nicht wundern, dafs uns fowohl 
innerhalb der religiöfen fpanifchen Malerei des 17. Jahrhunderts, als auch inner- 
 halb der Bildnifsmalerei mit ihren Ausläufern in's Genre und in die HiHorie 
Meifter und Werke entgegentreten, die in ihrer ausgeprägten Eigenart überall 
Liebhaber Hnden und finden werden, welche He allen anderen vorziehen. 
Die 
Schule 
VOII 
Sevilla 
bis 
auf 
Murillo. 
Bedeutung 
der Schule 
von Sevilla. 
Die Malerei der fchönen, füdlich blühenden Stadt am Guadalquivir be- 
herrfchte im I7. Jahrhundert die ganze fpanifche Kunft. Aus der Schule von 
Sevilla, in welcher fchon im vorigen Zeitraume ein Meifter wie Roelas (oben 
S. 53-56), den Uebergang in den freien Stil der Neuzeit mit grofser Ent- 
fchiedenheit in ÜCh felber durchmachte, ein Meifier wie Pachecol) aber die 
Theorie der fpanifchen Malerei zufammenfafste, gingen jetzt die immerhin doch 
nur wenigen Maler der Halbinfel hervor, Welche die Nachwelt in einem Athem- 
Zuge mit den gröfsten Künfilern der Erde nennt. Ihr gehörten Zurbaran und 
Cano, ihr gehörten Velazquez und Murillo an. Velazquez trug die fevillanifche 
Malerei nach Madrid und wurde in der Folge der mafsgebende Meifier in der 
Oben 
Vgl. 
jedoch 
Anmerkung 
auf S. 
239-
        

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