Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246289
Die italien. 
Malerei des 1 7. 
Iahrh. 
F. Die übrigen Schulen Oberitaliens. 
Die Malerei in Rom. 
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Täufersa im Pal. Colonna, die alles in allem vielleicht fein bedeutendfles lrVerk gflollilä, 
ift, fo ßder verlorene Sohne, ßAClälm und Eva an Abels Leichea und eine 
zweite, andere Darfiellung der Predigt Johannes des Täufers im Pal. Corfini. äräjlj 
Die Gemäldefanmmlung diefes Palaftes ift wohl überhaupt am reichften an 
Werken feiner Hand, auch an ländlichen Scenen, wie fie übrigens im Pal. 21,531; 
Doria und im Pal. Spada ebenfalls zu finden flnd. vDer flerbende Efelr in "Zfää-Ejjia 
letzterem gehört zu feinen oft genannten Bildern. Nördlich der Alpen befitzt 
die Berliner Galerie in ihrer Daritellung des Einzuges eines Papftes in Rom i" Berlin- 
ein Hauptwerk feiner Hand; andere Bilder Cerquozzfs befinden fich in der 
Münchener Pinakothek und in der Dresdner Galerie; und eine charakterifiifche   
Volksfcene des Meifters befitzt auch das Madrider Mufeum. Alle diefe Werke i" llladrid- 
find in einem Stile gemalt, der fich ziemlich gleich bleibt: klar und lebendig 
in der Auffafiung der Figurenfcenen, beflimmt und fchlicht in der Pinfelführung, 
hauptfachlich aber durch eine befondere farbige Haltung bedingt. Der Meilter Sein Stil- 
liebt es, von einer klaren, feften, hellblauen, manchmal grau umwölkten, oft 
aber intenflv abendgelben Luft ausgehend, deren Strahlen fich in den Licht- 
{teilen der Darflellung fammeln, die Schattenpartien in dunklen, braunen, 
manchmal fogar violett fchimmernden Tönen zufammenzufaffen; und er erzielt 
auf diefe Weife eine hübfch decorative, wenn auch nicht immer völlig natur- 
wahre Wirkung, die freilich durch Nachdunkelung oft ftark beeinträchtigt wird. 
Als fein Schüler auf dem Gebiete der Schlachtenmalerei gilt Facgucs Caurlois, 
ein in feiner Art bedeutender Meifter, den wir unter den in Rom anfäffigen 
Franzofen kennen lernen werden. 
In Gemeinfchaft mit Cerquozzi arbeitete in Rom auch einer der bedeu- Clggäagga 
tendften Profpectenmaler der Zeit, Vivizzlzo Coziagora, der nach Lanzi  mit g  
Unrecht il Viviani genannt und oft mit dem S. 2 31 erwähnten Profpectenmaler 
von Brescia, Ottavio Viviani, verwechfelt wird. Diefer letztere fcheint fein Fach 
mehr in feiner eigentlichen Bedeutung als Ausfchmückung grofser Binnenräume 
mit mächtigen Säulenperfpectiven al fresco ausgeübt zu haben, wogegen Vivi- 
ano Codagora der Staffeleimaler war, welcher römifche Prachtbauten oder 
Säulenruinen zu phantafievollen Gruppen mit landfchaftlichem Fernblicke zu- 
fammenftellte und mit reicher Figurenftaffage von fremder Hand ausflatten liefs. 
Ueber feine Herkunft und fein Leben ift wenig bekannt. Nur wiffen wir, dafs 
er abweChfellld in Rom und in Neapel thätig War 2) und hören, dafs ihm in 
ROH" außer CerquQZZi, auch der Niederländer Jan Miel, in Neapel aber Mico 
SPadam (Oben S- '92) die Figuren in feine decorativen Prachtbilder fetzte. 
gviälälerilleläüääiidön in der Dresdner Galerie den Namen Ott. Viviani tragenden 
leuchtender unävenlgflens das gröfsere, welches zugleich das beffere, warmer, 
   Cnergifcher gemalte ift, dem Viviano Codagora zuzufchreiben 
{am Elmge Hällptflücke feiner Hand befitzt das Madrider Mufeum. Jedenfalls 
gehört er. zu den Wenigen der an {ich aufserordentlich zahlreichen italienifchen 
ääilglerihjälfeseilflaches der_Architektur- und Profpecten-Malerei, deren Bedeu- 
611 Platz m der allgemeinen Gefchichte der Malerei fichert. 
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