Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246254
233 
Buch. 
Sechstes 
Abfchnitt. 
Erfier 
Landfchafter und Genrenialer aller Länder einen vorübergehenden Aufenthalt 
in Rom nahmen, wo Viele Nationen ihre eigenen kunltgenoffenfchaftlichen Ver- 
einigungen hatten, fondern wir werden uns auch überzeugen, dafs eine Reihe 
grofser atisländifcher Meifier, wie A. Elsheimer, Nic. Pouffin und Claude Lorrain, 
um nur diefe zu nennen, den Schwerpunkt ihrer Thätigkeit nach Rom verlegt 
hatten und hier fogar fcliulbildend weiter wirkten.  
mfireerjlgfle Aber klar genug mufs uns die Bedeutung des römifchen Kunftlebens 
 für die Gefchichte der Malerei des 17. Jahrhunderts fchon jetzt geworden 
fein. Sahen wir doch, dafs die Hauptgrüiider der neuen Richtungen diefer 
neuen Aera, dafs einerfeits Annibale und Agoftino Carracci nebft allen ihren 
Schülern und Anhängern, wie Domenichino, Guido Reni, Albano, Guercino, 
Lanfranco u. f. w., und dafs andererfeits Michelangelo da Caravaggio mit feinem 
Gefolge, wenn nicht alle ihre Hauptfchöpfungen, fo doch den gröfsten Theil 
derfelben in Rom hinterlaffen haben! Sahen wir fich ihnen doch Toscaner, wie 
Pietro da Cortona, Florentiner wie Cigoli, Veronefen wie Al. Turchi, Neapo- 
litaner wie Salvator Rofa anfchliefsenl Sahen wir doch, dafs überhaupt die 
Mehrzahl aller in diefem Abfchnitt genannten Meifter eine Zeitlang in Rom 
Spärlichkeir gearbeitet haben! GeboreneRömer aber waren nur die allerwenigften von ihnen, 
der m Rom       
gäläräüin und von diefen wenigen haben wir die bedeutendflen, wie Andrea Sacchi, der 
 mit feinen Schülern, mit Carlo Maratta u. f. w., ebendeshalb manchmal als Ver- 
Diääfigfhe treter einer eigentlichen römifchen Schule des I 7. Jahrhunderts genannt wird, wie 
Ciro Ferri, der als Cortonift {ich den Toscanern einfügt, und wie Ang. Carofelli, 
den Schüler Caravaggids, bereits in anderem Zufammenhange kennen gelernt, 
Während wir andere, wie Gasp. Dughet als Franzofen von Abftammung und 
Schüler des Franzofen Nic. Pouffin und wie Crescenzio Onofri, der denfelben 
Meifter zum Lehrer hatte, unmöglich vor diefeni felbft, den wir unter den 
Franzofen kennen lernen werden, befprecheii können. Unter diefen Umftänden 
haben wir in der That an diefer Stelle nur noch eine kleine, wenig ergiebige 
 Nachlefe zu halten; und da es keinen Zweck haben würde, nachträglich auf 
die römifchen Schüler der Bolognefen, wie auf die beiden in Rom geborenen 
G-Aßfafifg: Schüler Domenichinds Gzkw. Angela Carzzävzi (1617-1666) und Gzkzuzbctt. Paffcrz 
Pafferi- (1610-1679), von denen uns der letztere immerhin als bekannter, oft von 
uns erwähnter Verfaffer der freilich erft hundert Jahre nach ihrer Niederfchrift 
Giacßrandi. gedruckten KünPclerleben intereflirH), wie auf Girzrinlu Brand! (1623-1691), 
den kräftigen, flotten, manchmal aber auch nachläffigen Schüler Lanfrancds, 
Fr. Lauri. oder wie auf Marattas Mitfchüler bei Sacchi, auf Frazzccsco Lauri (1610 bis 
  und Filzffro Lauri (1623-1694), oder auf Maratta's eigene Schüler, 
Beäitibni wie Mrolo Bcnßttmzz" (1637-1682) von Montefeltre, der in der Dresdner 
GiuLChiai-i. Galerie vertreten ift, und wie den Römer Gizzfeppe Clzzkzrz"  
deffen, zugleich von Pouffin beeinflufstes Hauptwerk die 1714 gemalte grofse 
helle vAnbetung der Königea in der Dresdner Galerie ift, näher einzugehen, 
I) Oben S. 126, Anm. 2. 
2) So nach Puscoli, Vite etc. p, 209-217, Da diefes Werk, welches 1730 erfchien, beftimmt 
angiebt, Chiari fei am 8. Sept, 1727 gefiorben, [o ift Lzzzzzz": Berichtigung, der Meifter fei 1733, 68 
Jahre alt geftorben, (a. a. O. VI, p. 40) nicht wahrfcheinlich. Lanzi fcheint ihn mit Tom. Chiari, für 
den er genau diefelben Daten giebt, verwechfelt zu haben.
        

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