Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246231
230 
Sechstes 
Buch, 
Erfler Abfchnitt. 
in der Dresdner Galerie zur Genüge beweifen, zwar nicht zu den feinfien, 
aber doch zu den frifcheften Venezianern des 17. Jahrhunderts gehört, 
Cagglääige. während fein Landsmann Giulio Crzrpiouc (1611-1674), welcher phantaflifche 
mythologifche Wundergefchichten zu flgurenreichen kleineren Darftellungen zu 
verarbeiten liebt, zwar anfchaulich und lebendig zu erzählen weifs, leider aber 
in den Formen, in den Bewegungsmotiven und vor Allem in der Farbengebung, 
befonders in der Fleifchmodellirung mit grünlichen und röthlichen Tönen, bei 
aller Sorgfalt feiner Pinfelführung doch zu den manierirtefien der Manierifien 
gehört. Auch ihn kann man in Dresden vortrefflich kennen lernen. Den 
Uebergang in's achtzehnte Jahrhundert bilden dann fchon lVIeifier wie Alzrirßa 
 Cßlzßf von Venedig (1637-1706), der ausladende Formen und fiarke Be- 
wegungen mit einem eigenartigen, nicht unfympathifchen, Wenngleich mehr 
helldunklen, als fchönfarbigen Colorit zu verbinden und in fehr vernelnnlichem 
Begäz-CL Ton zu erzählen verfland; wie Antonio Bclucci, aus dem Trevifanifchen, (1654 
bis 1726) l), der f1ch ebenfalls einen eigenen, formenreinen und farbenweichen, 
duftigfüfsen, fafl wollüftigen und doch nicht undecorativen Stil, wie er dem 
I8. Jahrhundert zufagte, bildete und theils in Venedig, theils in England, theils 
in Deutfchland thätig war, wo er eine Zeitlang im Dienfie des Kaifers Jo- 
fephs I. in Wien ftand, eine Zeitlang am Hofe des Kurfürflen Johann Wilhelm 
von der Pfalz in Düffeldorf arbeitete und zu den gefchätztefien Nfeiftern feiner 
FnTrevifani. Zeit gehörte; wie fein Landsmann FIYlIZCtZYFO Trewfmzi (1656-1746)?) ein viel- 
feitiger Eklektiker, der, wie fchon feine Bilder in der Dresdner Galerie zeigen, 
abfichtlich im Stile verfchiedener MeiPrer des I7. Jahrhunderts zu malen fuchte, 
Seb. Ricci. übrigens nur vorübergehend in Venedig war und in Rom ftarb; wie Seb. Ricci 
von Belluno (166o_1734), der aufser in Venedig auch in Mailand bei dem 
Genuefen Aleff. Magnasco (oben S.22 5) lernte, diefem die flotte, kühne Breite 
der Pinfelführung und die gefchickte Berechnung einer auffallenden Gefammt- 
Wirkung abfah, übrigens, wie z. B. feine grofse Himmelfahrt Chrifii in der 
 Dresdner Galerie von 1702 zeigt, ein arger Manierift in der Formengebung 
und den Bewegungsmotiven war und flCh trotzdem einen gewiffen venezia- 
nifchen Grundton, felbft im Colorit, zu retten wufste. 
Als Schüler diefes Meifters mögen der Decorationsmaler Gajjßara Diziani 
Gafp.Diziani, von Bologna, welcher 1767 in Venedig flarb, aber auch in Dresden Theater- 
decorationen gemalt hatte und in der Dresdner Galerie mit einern breit hin- 
gefirichenen Caricaturbilde vertreten ift, und der Landfchaftsmaler und Radirer 
Marco Riccl. Mama Rzrcz" von Bellunoß) (1679-1729), SebaPriands Neffe, deffen breiten, fahrigen 
etwas fchweren und rohen, aber ftets effectvollen und decorativ anfprechenden 
Stil man am beflen in feinen zehn grofsen Landfchaften der Dresdner Galerie 
kennen lernen kann, fchon hier genannt fein, Zumal da ihre Art, befonders 
diejenige Marcds, durch Seb. Ricci auf Aleff. Magnasco zurückgeht und 
daher, wie die von Salv. Rofa beeinflufste Manier diefes Meifferg, {ich ganz 
innerhalb der italienifchen Eigenart bewegt. 
Giulio 
Carpione. 
1 2I-I 22. 
feiner Hand 
I) (Federiri) Memorie trevigiane, II, p. 
2) (Federin) a. a. O. II, p. 127-128. 
3) Zwanzig flotte Landfchaftsradirungen 
Marci Ricci etc. experimenta etc. in Venedig. 
erfchienen 
X730 
Titel  
dem 
unter 
Varia
        

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