Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1244052
Buch. 
Fünftes 
Erfter 
Abfchnitt. 
Waren hier doch die Werke Raphaels und Michelangelds zu fuchen, welche 
als die nachahmenswertheften Vorbilder der Zeit galten und öffnete fich hier 
doch nach wie vor unter dem Mäcenate der Kirche felbft mittelmäfsigen Künftlern 
ein weites Feld der Thätigkeit! FaPr alle bisher befprochenen Meifler haben 
in Rom gearbeitet. Indeffen kann auch für diefe Zeit eine gewiffe Gruppe von 
Künitlern doch beanfpruchen, als römifche Schule in engerem Sinne zu gelten. 
Die Zuccari. Tonangebend waren vor allen die beiden Brüder Taddeo und Federzgro 
Zzzccaro, die man daher auch die römifchen Vafari genannt hat. Beide waren 
glfcflcijg in dem kleinen Urbinatifchen Orte S. Angelo in Vado geboren, Taddeo 1), der 
ältere, im Jahre 1529. Schon vierzehnjährig nach Rom gekommen, hatte diefer 
hier anfangs in den Werkftätten ziemlich obfcurer Meifter mit bitterer Noth zu 
kämpfen; doch fchrieb er muthig die Nachahmung Raphaels auf fein Banner 
und zeichnete nach deffen Werken, fo viel feine Zeit ihm erlaubte, bis er fich, 
äeiue neunzehnjährig, 1548 durch die Ausführung der (nicht erhaltenen) Faffaden- 
i mixen malereien am Palazzo Mattei zu plötzlichem Anfehen emporfchwang. Die zahl- 
reichen Aufträge, die er nun erhielt, machten ihn zum Schnellmaler; und die 
Schnellmalerei machte auch ihn rafch zu einem argen Manieriften. Sein reiches 
Können ift ganz äufserlich; er wiederholt feine eigenen Motive auf den 
verfchiedenften Bildern, und Weder erzielt fein äufserlicher Schwung bei feiner 
harten, trockenen Farbengebung einen wirklich decorativen Eindruck, noch 
entfchädigt das porträthafte Leben, das manchmal in feinen Köpfen pulfirt, für 
die Abwefenheit jeder auch nur der äufserenSituation angemeffenen Empfindung. 
Fresäiei: m Sein Hauptwerk lind feine nach Annibale Cards Angabe gemalten Fresken aus 
Caprarola. der Gefchichte der farnefifchen Familie in dem von Vignola erbauten Schloffe 
Caprarola zwifchen Rom und Viterbo i), denen die Darftellungen-aus der Lebens- 
gefchichte Paul's III. im Palazzo Farnefe zu Rom flch anreihen. Er ftarb I566 
und wurde im Pantheon neben Raphael beigefetzt. 
2311i??? Sein Bruder Federzlgo Zuccaro (geb. ca. 1542, gePc. 1609 zu Ancona), den 
die Eltern I 550 als kleinen Knaben zu Taddeo nach Rom brachten, wandelte 
ganz in deffen Fulstapfen, half ihm bei vielen feiner Arbeiten, vollendete nach 
feinem Tode eine Reihe feiner Werke (z. B. die von jenem in der Sala regia 
des Vaticans begonnenen Fresken) und wurde noch oberflächlicher, leerer und 
haltlofer, als er. Uebrigens durchpilgerte er nicht nur ganz Italien, fondern 
geiueReifem ganz Weft-Europa und hinterliefs Werke in Florenz und Venedig, aber auch 
Fri:i;feen_ in London, Paris und Madrid (Escorial). Zu feinen beften Fresken gehören die 
 x hiftorifchen in der Sala regia des Vaticans, zu feinen fchlechteiten die fymbo- 
 lifchen in der Domkuppel zu Florenz. Wie ausgezeichnet er als Porträtift war, 
zeigen fein Bildnifs der Maria Stuart beim Duke of Devonshire zu Chatsworth 
und dasjenige des Herzogs Guidobaldo in Palazzo Pitti zu Florenz; wie über- 
laden er aber auch in diefem Fache fein konnte, beweift fein Porträt der Königin 
 Elifabeth zu Hampton Court. Auch als Schriftfteller Wollte er mit Vafari 
sciäiiiiitt. wetteifern und fchrieb: wIjIdea de" scultori, pittori e architettir 3); aber gerade 
Vafari (Ed. Milanefl) VII, p. 73 IT. Hier auch die Gloffen 
Stichwerk von G. G. de Prennert: Illufizri Fatti Farnefxani 
Gedruckt Turin 1697 und in Bottari's nLCÜCIC PiCtOIiChCa 
Federigo Zuccards zu Vafarfs Text. 
etc. Rom 1748. 
Rom 1754-1773. Vol. VII.
        

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