Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1244043
Die italienifchen Meifter. 
Venezianer. 
der 
Ausnahme 
Die Italiener mit 
In Urbino, der Geburtsftadt Raphaels, erblickte einige Jahre nach deffen Urbßljterh 
Tode ein Künftler das Licht der Welt, den feine Zeitgenoffen den. gröfsten  
Meiftern gleichftellten: Feaferzgo Baroccio, 1) genannt Fiori da Urömo, geb. 
1528, geft. 1602 in feiner Vaterftadt. Durch verfchiedene Lehrer gebildet, 
von denen der römifch gewordene Venezianer Battista Franco den gröfsten Ruf 
hat, entwickelte er feinen Stil vornehmlich durch Copiren der Werke Tizians, 
Raphaels und Correggids. Der Manier des letzteren wandte er flch fchliefslich  
in folchem Mafse zu, dafs er als der mittelitalienifche Correggio gepriefen Wurde- 
Noch Lanzi 1) wollte ihn nicht zu den Manieriften, fondern zu den Reformatoren 
der Kunft gezählt wiffen; und in der That zeichnen feine Gemälde fich vor 
vielen anderen jener Tage durch die Natürlichkeit ihrer auf gründlichen Modell- 
ftudien beruhenden Formen, durch die harmonifche Abrundung ihrer Linien- 
und Farben-Compofition und durch die Lebendigkeit ihrer Darftellung geiftiger, 
felbft ekflatifcher Effecte aus. Correggesk wirkt er durch manche Eigenthüm- 
lichkeit feiner Formenfprache, z. B. durch die gefchickte Handhabung der Ver- 
kurzungen, mehr aber noch durch fein Helldunkel, welches oft durch den vifionären 
Gegenftand, den er darftellt, bedingt ift. Den Manieriflen gehört er aber 
doch nicht nur feiner Lebenszeit nach, fondern auch wegen feiner Nach- 
empfindung einer ihm urfprünglich fremden Manier an, die feinen Typen und 
Geftalten etwas gleichförmiges, feinem Kolorit etwas decorativ gemachtes, feinem 
Ausdruck, fo verzückt feine Heiligen oft dreinfchaun, etwas äufserliches verleiht. Hii2ipi:n_ 
Realifiifche Motive gelingen ihm oft noch am beften, fo z. B. die Kinderfcenen bilder- 
auf dem grofsen Bilde der Madonna als Fürfprecherin der Hilflofen in den 
Ufiizien zu Florenz. Diefes Bild gehört überhaupt zu feinen beften Werken. 
Ihm reihen die Kreuzigung im Dom von Genua, die Abnahme vom Kreuze im 
Dom zu Perugia, die Grablegung in S. Croce zu Sinigaglia, das von ihm felbft 
meifterhaft radirte, fehr effectvolle Bild der Franziskanerkirche feiner Vater- 
ftadt, welches eine Viflon des heiligen Franz darftellt (Fig.'429), fowie die 
Stigmatifn-tmg diefes Heiligen in der Kapuzinerkirche zu Urbino fich an. Sein ein- 
Ziges mythologifch-hiftorifches Gemälde befindet flch in der Galerie Borghefe 
Zu Rom und ftellt die Zerflörung Troja's dar. Selten, aber vortrefflich find 
feine Bildniffe: charakteriftifch ift dasjenige des Herzogs Francesco Maria II. Seilffräild" 
VOR Urbino, jetzt in den Uffizien zu Florenz. Uebrigens find feine Bilder in den 
meiflen nordifchen und italienifchen Sammlungen zu finden. Dreimal findet. fich 
die hübfche Darftellung Chrifii als Gärtner: im Pal. COfllIll zu Rom, in den 
Uffizien zu Florenz und in der Münchener Pinakothek. Auch in der Dresdener  
Galerie befinden flch, neben Copien nach der Grablegung Chrifti und der Stig- 
matifirung des heiligen Franz, einige Originalgemälde feiner Hand.  
Baroccids Wirkfamkeit gehörte zum Theil Rom an. Hier herrfchte auch Die Römer. 
in der zweiten Hälfte des I6. Jahrhunderts keine von einheimifchen Kräften 
getrageneiKunft; aber zahlreicher, als je vorher, flrömten befonders gegen Ende 
Cliefes Zeitraums die Künfller ganz Italiens in der ewigen Stadt zufammen 3). 
I) Hauptquelle, nach Familienpapieren, G. P. Bellori: Le vite etc. Roma 1672, p. 169-196. 
2) Storia pittorica (Ed, Baffano 1809) II, p. 147. 
3) Zeitgenöfflfches Werk über die in Rom arbeitenden Maler (und hauptfächlich auch nur über 
ihre in Rom ausgeführten Werke): Giuzl. ßagliazze: Le vite etc. Erfte Ausgabe: Rom 1644.
        

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