Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1246101
Die 
des 17. 
italien, Malerei 
Jahrh. 
Die übrigen Schulen Oberitaliens 
Die Malerei in Rom. 
217 
demjenigen feines grofsen Vorbildes ftets weniger zart und weich vertrieben, 
oft fogar hart in den Gegenfatzen und manchmal obendrein unmotivirt. 
Ueberhaupt fehlt ihm in der Regel die ruhig in fich abgefchloffene Harmonie 
der Haltung der Meifter erften Ranges; aber intereffiren und anfprechen werden 
uns faft alle feine Darflellungen. Ueber fein Leben ift wenig bekannt. Die Sein Leben. 
erfle Hälfte feiner Thätigkeit kam Modena zu gute, die zweite widmete er 
Parma, wohin er berufen worden war. Hier fiarb er 1615 in jugendlichem 
Alter. Seine Fresken im Schloffe zu Modena find verloren gegangen, doch 
haben fich die Wandgemälde erhalten, welche er 1604 in Gemeinfchaft mit i; ilrhirizga; 
Ercole dell" Abzzie, dem 1613 verftorbenen Enkel des oben (Bd. II, S. 790) deIYAbate. 
genannten Niccolö dell" Abate, im Rathfaale des Palazzo Pubblico diefer Stadt 
ä-llSführte. Sein Hauptbild hierfelbft Pcellt Coriolan dar, dem feine Mutter und 
feine Gattin entgegengehen. Hauptfächlich ift er durch feine Staffeleibilder S?ajff2fei_ 
bekannt; die meiften befinden fich in den Galerien von Modena, von Parma Bild" 
und von Neapel; in Modena, aufser einigen Bruftbildern, zwei kleine heilige in Modena, 
Familien und die befonders gefchätzte kleine Darftellung des Gafimahles beim 
Pharifäer mit der Magdalena, welche dem Heiland die Füfse wäfcht, in Parma in Pnnnn. 
eine kleine hl. Familie, ein Abendmahl, ein Genrebild und die in ihrer Art 
berühmte grofse Grablegung Chrifti, in Neapel eine Anzahl von Bildniffen und in Neapel, 
eine Reihe von heiligen Gefchichten, von denen die Darftellung des hl. Se- 
baftian, iideffen Wunden von Zigeunern befchaut werdenr 1), ihres Naturalismus 
wegen bemerkenswerth ift. Doch ift er auch in den grofsen Horentinifchen 
und anderen italienifchen Sammlungen nicht felten. 3 Dieffeits der Alpen befitzt 
die Eremitage zu St. Petersburg die meiflen Bilder feiner Hand; auch im in S? Lagers- 
Louvre zu Paris kann man ihn gut kennen lernen. Von den deutfchen Samm- in Paris, 
lungen befitzt z. B. die Dresdner Galerie eine charakteriftifche kleine rvRuhein Dresden. 
auf der Fluchte, die Münchener Pinakothek zwei ireuige Magdalenene und in München, 
ßLoth mit feinen Töchternr von feiner Hand; von feinen Werken in der kaif. 
Galerie zu Wien ifl befonders das Bild, welches Chriftus mit den Jüngern zu in Wien. 
Emmaus in vier überlebensgrofsen Halbfiguren darflellt, hervorzuheben, weil 
es eben diefer Gröfse wegen unter den meilt kleinen Darftellungen des Meifters 
hervorragt. 
Alles in Allem noch bedeutender, als Schedoni, ift der Hauptmeifter Ferrara. 
F errara' s im erften Drittel des I7. Jahrhunderts, Carlo Bmzani (1569-1632)?) 32:23, 
ein sChülßf 38381110165 (oben S. I7), der fich jedoch nach dem Tode feines 
Meifters, unbefriedigt mit dem was er wufste und konnte, auf die Wanderfchaft 
begab, in Bologna die Carracci, in Rom Raphael und Michelangelo, in Parma Stud?:;2ang_ 
Correggio, in Venedig die Venezianer ftudirte und fchliefslich als eigentlicher 
Eklektiker im Sinne der Carracci nach Ferrara zurückkehrte. In der That 
erinnern {eine Werke manchmal, befonders in der Modellirung, an Correggio, Sein sni. 
Inälwhmal, bCfQIIClCFS in der Compofition, an Paolo Veronefe, manchmal, 
befonders in den kräftigen Einzelformen, an Ludovico Carracci; bei alle- 
dem aber weifs er alle diefe Reminiscenzen doch mit feinem eigenen Ge- 
I) ßurcklzardl im Cicerone, 5. Aufl. 1834, S. 
z) Harujaldz", Vite de pittori etc. Ferrarefr, 
Pittura Ferrarefe, Ferrara 1856, p. 141-153, 
La 
828. 
ed 1 S46 
V01. 
117" 
Laderclzi,
        

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