Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245953
Sechstes 
Abfchnitt, 
ErPcer 
flurz (von 1666), der Kindermord, fechs grofse Bilder aus dem Leben der 
Jungfrau, drei Darftellungen aus dem Leben des hl. jofeph und das Martyrium 
i" Alünche", des hl. Bartholomäus; aus der Münchener Pinakothek der bethlehemitifche 
Kindermord und fechs an Ribera erinnernde Halbfiguren alter Philofophen. 
Unferer Abbildung wegen (Fig. 472) fei endlich an das hübfche kleinere Bild 
i" Flomm der Ufüzien zu Florenz erinnert, welches den Raub der Deianira durch den 
Raäii,"negen_ Kentauren Neffos darfiellt. In feinen wenigen, aber geiftreichen eigenhändigen 
Radirungen  erfcheint er ganz als Nachfolger Ribera's. 
 Unter Luca's Schülern fmd Paolo de Matlezk (1662_I728) und Giov, Batf. 
Paolo de Lama zu nennen. Der eigentliche Fortfetzer feines Ruhms in Neapel aber 
Mattels und       
Giov.Batr. war fein Freund Prancesco Solzmezza (oder Solzmeneß), [Äßlbate Czcczo ge- 
Lama.   
Säärä-äh nannt, geboren 1657 in Nocera, gefiorben 1747 zu Neapel. Durch mann1ch- 
faltige Einflüffe und Reifen gebildet, wie Luca Giordano, war er der eigent- 
liche Eklektiker der neapolitanifchen Schule und bildete {ich eine Manier, 
Msaeää'ei_ welche von feinen Zeitgenoffen aufs höchfte bewundert wurde. Fefter und 
plaftifcher in den Formen als Luca, durchdachter, aber auch gequälter in den 
Compofitionen als diefer, hat er vor allen Dingen eine eigenartige, freilich 
arg manierirte Ausbildung des Helldunkels für fich. Auch er liebte, hierin 
ein echter Neapolitaner, nämlich den Gegenfatz dunkler Schatten und heller 
Lichter; doch wandte er ihn fpielend in kleineren Partien an, fo dafs feine 
Bilder als Ganzes ein etwas buntfcheckiges Anfehen erhalten. Dabei ift der 
geiftige Ausdruck feiner Darfiellungen, abgefehen von einigen fentimentalen 
religiöfen Gegenftänden, vollftändig leer und gleichgültig. Er ift einer jener 
technifch gewandten Manieriften auf der Grundlage der befferen italienifchen 
Kunit des I7.]ahrhunderts, gegen welche eine erlöfende Reaction unbedingt noth- 
6,11313: wendig wurde. Seine Werke f1nd in Unteritalien aufserordentlich zahlreich. Man 
betrachte z. B. feine Fresken in den Sacrifieien von S. Paolo maggiore und 
von S. Domenico maggiore und feine Riefendarftellung der Gefchichte Heliodors 
in Neapel, inwendig über dem Portal des Gefu nuovo in Neapel, von welcher das 
im Louvre, Louvremufeum eine Wiederholung auf Leinwand befltzt; aber man betrachte 
in Dresden, auch feine religiöfen und mythologifchen Bilder in der Dresdner Galerie und 
in Wien. in der kaif. Galerie zu Wien. Eine gewiffe Popularität hat flch eigentlich nur 
die fchillernde Darftellung der auf der herabfchwebenden Glorienwolke thro- 
nenden Maria mit dem Kinde, dem hl. Francesco de Paula, einem Engel und 
einem Knaben in der Dresdner Galerie bewahrt. 
 Werfen wir zum Schluffe diefes Kapitels noch einen Blick auf Sicilienß), 
Die Schule fo finden wir, dafs fich auch hier im I7. Jahrhundert die bolognefifchen Ein- 
voriPalermß- fiüffe mit denen Caravaggids und der neapolitanifchen Schule kreuzen. Der 
 bedeutendfte ficilianifche Meiiier diefer Zeit war Pietro Novelli von Monreale 
1) Bargfzh XXI, 173-177. 
2) Donzinici a. a. O, IV, p. 405-493- 
3) In Bezug auf's 16. Jahrhundert wäre zu Bd. II, S. 680 noch Gir. Alibrandi (um 1470 bis 
1520) wegen feiner grofsen, zugleich an Raphael und Lionardo erinnernden nDarflellung im Tßmpelu 
von 1519, jetzt in S. Nicolo de' Cistercehsi zu Meffina, zu erwähnen. Das befte über ihn bei 
Gioaczbino di Mama, Delle Belle Arti in Sicilia, V01. III, Palermo 1862, p. 202-220. Diefes vier- 
bändige Werk fchliefst leider mit dem fechzehnten Jahrhundert.
        

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