Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245910
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Sechstes 
Buch. 
Abfchnitt. 
braut, welche über die Berge dahinfegt, dafs die Bäume fich zur Erde neigen, 
in dem Aufruhr der Wogen, die -das Geftade peitfchen und Schiffe mit ficli 
in den Abgrund ziehn, fpricht fich der Ungeftüm feiner eigenen Seele aus. 
Erft fpäter wurde feine landfchaftliche Auffaffung klarer und ruhiger. Es 
fcheint, dafs Claude Lorraiirs Marinen doch Einflufs auf ihn gewannen. In 
feiner Horentinifchexi Zeit hat er einige heitere, klare, fonnige Küftenlandfchaften 
gemalt, die zu feinen vollendetften Werken gehören. Um die Einzelheiten 
iPt es ihm in feinen Landfchaften aber nie zu thun. Er geht ftets fofort auf 
die Gefamriitwirkung aus und handhabt den Pinfel allerdings manchmal mit 
virtuofer Breite und Kraft, ebenfo oft aber leicht, Hüffig und geiftreich. Manche 
fchwere, derbe Bilder, die ihm zugefchrieben werden, tragen feinen Namen 
' mit Unrecht. Von der vFarbenprachte des Südens ift in feinen Bildern keine 
Rede. Sie neigen fich vielmehr alle dahin, die Natur durch das Medium eines 
feinen, graugelben Tones anzufehen. 
begääiljrliätuen Sie im Einzelnen aufzuzählen, ift hier nicht möglich. Wenn man feine 
gillgrirrl beglaubigten Bilder in Florenz (z. B. die beiden fchönen, leuchtenden grofsen 
Seehafendarftellungen und die beiden Berg- und Waldlandfchaften mit der 
Staffage des vFriedens, der die Waffen verbrenntr und des vDiogenes, der 
feinen Becher wegwirftr (wLa Selva dei filosofw) im Pal. Pitti und die mit 
feinem Namen bezeichneten oder anderweitig beglaubigten Bilder in den grofsen 
eliqglgääen englifchen Galerien (z. B. das grofse Kültenbild in der Bridgewater-Gallery, 
Galerien. die grofse Flufsthallandfchaft im Manchelter Houfe, die Landfchaft mit Mercur 
und dem Holzhacker in der Nationalgalerie zu London, die beiden grofsen 
 Breitbilder in Blaize Cafile, andere in Panfhanger, bei Lord Overftone in Lon- 
don u. f. W.) feiner Anfcliauung über den Meifter zu Grunde legt, wird man 
bald einfehen, wie unrecht man daran thut, ihn für die wüßen Schmierereien 
mancher feiner Nachfolger verantwortlich zu machen. Von der Seite der Zartheit 
Raä:i1;egen_ des Tones und der geiftvollen Feinheit der Auffaffung tritt er uns denn auch 
  in feinen Radirungen (Fig. 471) entgegen, in denen er zum Theil, wie fchon 
angedeutet, feine eigenen Gemälde wiederholte l) zum Theil feine Staffage- 
 figurftudien vervielfaltigte i), zum Theil aber auch neuen Erfindungen, die er 
für diefe Technik am geeignetften halten mochte, ein frifches und reizvolles 
Leben verliehß) Sie rühren meift erft aus feiner fpäteren Lebenszeit her. 
Sgiqäitläf Salvator Rofa's Schüler entwickelten im ganzen dem Meifter gegenüber 
eine geringe Selbftändigkeit. Sie erreichen ihn niemals und fuchen feine Eigen- 
heiten nur hier und da zu übertreiben. In erfter Linie pflegt Barfalwnnzco 
Torreggiani. T0rrßggzkz11z' genannt zu werden, ein jung geftorbener Künftler, der den Meifter 
manchmal zum Verwechfeln nachgeahmt haben foll. Beglaubigte Bilder 
feiner Hand find mir jedoch nicht vorgekommen, es müfsten denn die beiden 
grofsen und keineswegs üblen Landfchaften, die im Pal. Doria zu Rom feinen 
lllaßurlio- Namen tragen, wirklich auf ihn zurückgeführt werden können. Mzzrzio Ma- 
Giov. sturzzb tritt uns im Neapeler Mufeum mit einigen Landfchaften entgegen, in 
Ghifolü- denen er als falfcher Salvator erfcheint; der Mailänder Gzbv. Glzzfalji (um 
Z. B. lfartfklz (XX) N0.  
Barzfclz (XX) 25-86. 
Z. B. Harzfclz (XX) 3, 4,
        

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