Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245854
192 
Buch. 
Sechstes 
Abfchnitt. 
Erfier 
 In Aniellds Schule erblühte neben der Schlachtenmalerei vor allen Dingen 
die neapolitanifche Landfchaftsmalerei des fiebzehnten Jahrhunderts zu 
eigener Geltaltung. 
SMaiäcv Auf diefem Gebiete ift Dom. Gargriula, 1111200 Spadaro genannt I) (1612 
p am bis 1679), als der ältefte zuerft zu nennen, obgleich er von Anfang an durch 
Srfzgilläiegrf- feinen Mitfchüler Salv. Rofa mitbeeinflufst wurde. Auch an Figurenbildern 
Micco Spadards fehlt es in Neapel nicht; ja, er Hand fo wenig in dem Rufe, 
keine Figuren malen zu können, dafs fich der bekannte römifche Architekturmaler 
Viviano Codagora, auf den wir in anderem Zufammenhange zurückkommen 
müffen, feiner fogar zur Staffirung feiner Bilder bediente; doch wurde er fchon 
Sßiigfaäigd- von feinen Zeitgenoffen in erfier Linie als Landfchaftsmaler gefchätzt. Heute 
irjlllibläägirio ift er am beften im Klofter S. Martino zu würdigen. Landfchaftliche Fresken 
 feiner Hand befinden fich hier in verfchiedenen der jetzt als Mufeumsfäle ein- 
gerichteten Räume: die gröfsten an der Decke des Saales, in dem jetzt die 
venezianifchen Kronleuchter hängen: im Spiegel diefer Decke die Taufe Clirifti 
in dem breiten, von bewaldeten Hügeln begrenzten Fluffe; in den vier ge- 
wölbten Uebergängen zu den Wänden vier mächtige Landfchaften von 
etwas fahriger, flüchtiger Behandlung, deren Compofitionen doch an diejenigen 
der Bolognefer Schule erinnern, während ihre Färbung in ihrer unnatürlichen, 
jetzt obendrein durch die Zeit verblafsten Buntheit lediglich auf die deco- 
rative Wirkung berechnet war. F ernere Landfchaften mit biblifcher Staffage 
ficht man im Coro de" Laici dafelbft, zum Theil als Gobelins ftilifirt und 
dadurch in ihrem mangelnden natürlichen Leben entfchuldigt. Alle diefe 
decorativen Landfchaften Spadaro's in S. Martino find für die Gefchichte 
diefes Kunftzweigs von einer gewiffen Bedeutung. Auf Leinwand malte er 
  Schlachtenbilder, wie dasjenige des Louvre zu Paris, das ihn als Aniellofchüler 
 zeigt, aber auch Darfiellungen, wie den Vefuvausbruch, wie den Aufftand des 
Neapel. Mafaniello, an dem er Theil genommen, und wie die Peft in Neapel, daneben 
Landfchaften mit Heiligenfiaffage. Bilder diefer Art von feiner Hand fleht 
 man im Mufeum zu Neapel. Auch fie find faft freskenartig matt und kühl 
im Ton, aber fie find gefchickt durchcomponirt und verbinden hie und da Erinne- 
rungen an Claude Lorrain mit Anklängen an Salvator Rofa. 
Sägäor Srzlvator Rofa felbft aber war nicht nur Aniellds bedeutendfter Schüler, 
fondern zugleich der bedeutendfte in Neapel geborene Meißjef übgrhaupt; 315 
 Dichter eine anerkannte Gröfse des italienifchen Parnafs; als F igurenmaler in 
grofsem Mafsftabe durch feine langgeflreckten Geftalten manchmal etwas 
manierirt, aber immer geifireich; als Schlachtenmaler der MeiHer, welcher uns 
Aniellds Bedeutung ahnen läfst; bahnbrechend und bis in unfer Jahrhundert 
directe Nachfolge zeugend aber eben auf dem Gebiete der Landfchaftsmalereiü); 
in allen Dingen eine kecke, flotte, geniale und zugleich eine romantifche und 
phantaftifche Künftlernatur. Er war IÖIS in dem Flecken Arenella, 31115111 
I) Daminici a. a. O. III, 40I-436- 
2) Ein neuerer italienifcher Schriftßeller, Fr. Pelujio in feiner Abhandlung nLa pittura di 
paesaggio in Italia, Como 1879, p. 5, fagt mit Recht nNon abbiamo di veramente nostro che Sal- 
vator ROfILc
        

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