Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245397
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Sechstes 
Buch. 
Erfter Abfchnitt. 
beträchtlichen Raum auf feinen Bildern ein; fie pflegen reich und üppig im 
Stile der Carracci angelegt, aber nicht eben fonderlich individuell durchgebildet 
zu fein; und da berichtet wird, dafs Francesco fie wenigflens in feiner fpäteren 
Zeit faPc immer von Schülerhänden ausführen liefs, fo geltatten fie keineswegs 
ohne weiteres Schlüffe auf feine eigene landfchaftliche Begabung. Zu den 
berühmteflen Bildern diefer Art, die Albanfs eigentliche Specialität find, ge- 
äieinzliire hören die vier Rundbilder der wier Elementer, höchft anmuthige, auf's reichfte 
mit Liebesgöttern oder Genien ausgeftattete allegorifch-mythologifche Dar- 
ftelltmgen, die der Meifter zweimal gemalt hat. Die gröfseren Exemplare 
igmTgjlf-befitzt die Turiner Galerie, die kleineren befinden fich im Pal. Borghefe zu 
äfräläfäf Rom. Berühmt find aber auch die vier verhältnifsmäfsig grofsen Bilder des 
Iällzirälißm Louvre, welche rdie Toilette der Venusr, vdas Eheglück Vulcans und der 
LoigiisfuLlebesgöttinr, vdie Entwaffnung der Liebesgötter durch die Nymphen der 
Dianar und rlvenus undiAdomsr daritellen; und zu den beften Darftellungen 
in Dresden. diefer Art gehoren auch die D1ana- und Aktäonsbilder in der Dresdner Galerie und 
im Louvre. im Louvre, vSalmacis und der Hermaphroditr, fowie wApollon und Daphner im 
iliixlllgiiiläilg: Louvre, vdas Parisurtheilr in Madrid, wder Raub der Europar in Petersburg 
in luüäucrgän. und xVenus und Adonisr in München. Manchmal werden die Amorettenreigen 
Die Amo- auf folchen Darflellungen zur Hauptfache und der mythologifche Vorgang flnkt 
rettenmnze zur Staffage des Hintergrundes herab, wie das am deutlichflen in den beiden 
ähnlichen, aber nicht identifchen Bildern der Amorettentänze mit dem rRaub 
 glälägg-der Proferpinau in der Mailänder Brera (Fig. 457) und in der Dresdner 
Galerie hervortritt. Darftellungen diefer Art find ganz vom Geifie der alexan- 
drinifchen Kunft, wie fie uns hauptfachlich auf pompejanifchen Wandgemälden 
entgegentritt, zu Albanfs Zeiten aber in inzwifchen untergegangenen römifchen 
Wandbildern und in Reliefs erhalten war, durchdrungen. In dem kleineren 
Mafsflabe gelingt es ihm auch, die Schönheit der nackten Leiber und Leiber- 
chen rein und fein zum Ausdrucke zu bringen. Seine Phantafie und feine 
gelehrten Studien haben fich die Hand gereicht, um Schöpfungen hervorzu- 
bringen, die in ihrer Art neu waren und befonders zur decorativen Weiter- 
verwerthung eine Zukunft hatten. 
Aälägiß In feiner fpäteren Lebenszeit hatte auch Fr. Albani einen Rückfchlag des 
Glückes zu erleiden.  Er verlor einen grofsen Theil feines Vermögens und 
mufste nun auch des Gewinnes wegen arbeiten lernen; doch war ihm fchliefs- 
lich ein ruhiges und forgenfreies Alter vergönnt. Er verfchied fanft am 
4. October 1660. 
Francesco Albani war zwei und ein halbes Jahr jünger gewefen als Guido; 
 fechs Jahr jünger als diefer aber war Dummzzko Zzznzpierii), der am 21. Oct. 
1581 als Bolognefer Schuhmachersfohn geboren wurde, ebenfalls in der Werk- 
Pcatt Dion. Calvaerts feine Lehrjahre durchmachte, aber, von diefem wegen 
55233121? feines Liebäugelns mit den Carracciflen fortgejagt, vierzehnjährig in die 
Accademia degli Incamminati übertrat und hier den Beinamen xDomenichinoa, 
1641 
343 2 
1) Vgl. Gualnlzrli, Memorie, III, Bologna 1842, p. xox-Io8. 
2) Biogaphien aus dem 17. ]ahrh.: G. 6'. Paferi. Vite de' Pittori etc. in Roma morti dal 
fmo a1 1673, poßhum gedruckt Rom 1772, p. 1-48- C. C. Mßßmßa a. a. O. II, p. 309 bis 
G. Baglione a. a. O. p. 38I-385; G. P. ßellori a. a. O. p. 289_36Q_
        

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