Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245370
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Sechstes 
Buch. 
Erßer Abfchnitt. 
 Ein Jugendfreund Guidds war Francesco Aläazzil), Welcher 1578 als Sohn 
eines vermögenden Seidenhändlers in Bologna geboren war. Die Knaben 
 trafen {ich in der Werldlatt Calvaerts, die Jünglinge gingen zufarnmen zu den 
Carracci über, die angehenden Männer wetteiferten zunächfi in Bologna mit 
einander, wo Francesco z. B. einen Fries in einem Zimmer des Pal. Fava, 
neben dem oben (S. 119) erwähnten, mit einer Fortfetzung der Aeneasbilder 
fchmückte, und reiften dann zufammen nach Rom, um fich dort an Annibale 
in anzufchliefsen. Diefer übertrug Francesco hier die Ausführung der Fresken in 
S-Fzliäglijmo der Kirche S. Giaconio degh Spagnuoh (oben S. 135), welche fich, da das Ge- 
Spaigänuoli bäude abgebrochen ifi, unferer Beurtheilung entziehen. Mit Guido arbeitete er 
ininQuiti-iiilhl dann in der päpftlichen Hauskapelle des Quirinals; doch rühren hier nur 
zu Rom, einige der hübfchen Engel in der Glorie des Triumphbogens von feiner Hand 
her; Guido fcheint eiferfüchtig auf ihn geworden zu fein und feine Entfernung 
durchgefetzt zu haben; an die Stelle der Jugendfreundfchaft trat eine Gegner- 
fchaft für's Leben. Neben Domenichino, der fein Freund blieb, aber malte 
igeilßifäfjllf Francesco darauf einige mythologifche Fresken 2) im Schloffe zu Baffano 
(zwifchen Rom und Viterbo), über die keine neueren auf Autopfie beruhenden 
Berichte vorhanden lind, die aber in cliefer Zeit entftanden fein müffen. In Rom 
vermählte Albani fich 1613 mit einer reichen jungen Römerin, die jedoch 
Sigfr  fchon im folgenden Jahre ftarb; und zwei Jahre fpäter (1616) fiedelte der Meifler, 
Bologna dem Drängen feines Bruders nachgebend, wieder nach feiner Vaterftadt über, 
wo er alsbald eine zweite Ehe einging und in glänzenden Verhältniffen Jahr- 
zehnte lang der Malerei, der Dichtkunft, feinen wiffenfchaftlichen Studien, einer 
vielfeitigen Gefelligkeit und feiner zahlreichen Familie lebte. 
 Doch finden wir ihn noch einige Male wieder in Rom: fo in den Jahren 
1622 und 1623, in denen er zuerft den wunderlieblichen, farbenfrifchen Engel- 
 reigen an der Decke über dem Hochaltar der Kirche S. Maria delle Pace, dann 
delil; güti- aber, als Deckenbild im erften Zimmer des Palazzo Patrizio (jetzt Coftagilti), 
Coflaguri- die Gefchichte von Herakles, Deianira und dem Kentauren Neffos malte; fo 
jrgxiPjä-äzrxg- im Jahre 1625, dem fein decoratives Hauptwerk, die Deckenfresken im Pal. 
Verofpiii) (jetzt Torlonia), zugefchrieben werden mufs. Das Mittelbild Prellt 
ffrfghäzir- Apollon zwifchen den Zeichen des Thierkreifes dar, zu feinen Füfsen Vulcan, 
letzterem Flora, Ceres und Bacchus als Perfonificationen des Winters, des Frühlings, des 
Sommers und des Herbftes; in zwei ovalen Feldern neben diefem grofsen 
Mittelrechteck fincl die Perfonificationen des Abendflernes und des Morgenfternes, 
in den Zwickeln der Schmalfeite die Allegorien der Nacht und des Morgens, 
 in denjenigen der Langfeite die Gottheiten angebracht, welche den Mond und 
die Planeten vorllellen, in den kleineren Stichkappenfeldern aber zwölf mytho- 
logifche Genrebilcler, deren anmuthige Compofltionen als folche für den Ge- 
fammteindruck freilich kaum mitfprechen. Albani hatte hier Gelegenheit, mit 
I) Malwzjia a. a. O. II, p. 223-494. Dort ünd auch Albanfs eigenhändige Aufzeichnungen 
in einem Exemplar VQn Spanelßs vMicrocoslnou verwerthet und angeführt.   Meyer in feinen": 
Allg. Künülerlexikon, Bd. I. S. 170-131. 
2) Malmzßa a. a. O. II, p. 224.  ßalognini Amorini a. a. O. V, p. 134. 
3) Stichwerk: Picturae Francisci Albani in Aede Verospia; von Giov. Gir. Fresza nach Zeich- 
nungen Pielro di Pelrfs, Rom 1704.
        

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