Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245329
Die italienifche Malerei des I7. 
Jahrhunderts. 
B. Die Schule der Carracci und ihre Ausläufer. 
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tiefblau unter dem rothgoldenen Himmelslicht fichtbar find. Es ift leicht, auch 
diefem Gemälde einige Schwächen in der Zeichnung nachzurechnen, und es iPt 
augenfällig, dafs fein Farbenreichthum keineswegs in allen Stücken einheitlich 
verfchmolzen ift; aber es ift fchwer, im ganzen fiebzehnten Jahrhundert ein 
zweites Werk nachzuweifen, welches in gleicher Weife reinen Linienadel und 
feurige Farbenpoefie vereinigt. Auf diefe Arbeiten folgen Guidds Schöpfungen 
in der päpftlichen Hauscapelle des neuerbauten Quirinalpalafies: im Kuppel- Flgsfjrffnl 
gewölbe die Himmelfahrt der Jungfrau, in den Zwickeln und auf den Wand- Quirinal, 
ftreifen je vier altteftamentarifche Geflalten, am Triumphbogen der ewige 
Vater in der Engelglorie, in einigen der Lünetten häuslich-naiv, aber lebendig 
erzählte Scenen aus dem Marienleben; den Papft entzückten diefe noch 1610 
vollendeten Darftellungen fo, dafs er dem Meifter gleich darauf die Aus- 
fchmückung feiner Grabcapelle in S. Maria maggiore mit Darftelltlngen aus ijnäägfofa 
der Heiligengefchichte übertrug. Während Guido an diefen Fresken malte, zu Rom 
gerieth er in Streit mit dem päpftlichen Schatzmeifter, liefs die Arbeit im 
Stich und floh nach Bologna, wurde aber mit den gröfsten Ehren zurück- 
berufen und vollendete die angefangenen Gemälde bald darauf. Die Fresken 
im Quirinal und in S. Maria maggiore gehören zu den freieften und gehalt- 
vollften Werken feines Pinfels.  
Der römifchen Ränke überdrüfflg, kehrte der Meiller nun aber (um 1612)   
nach Bologna zurück, wo er theils fchon vor feiner Rückberufung nach Rom, Bologna- 
theils in den nächften Jahren einige feiner mächtigften Altarblatter fchufzßltßrbläßt" 
das Apofielpaar Petrus und Paulus, jetzt in der Brera zu Mailand, die in derßrm 
mafsvoll lebendige, in den Formen plaftifch durchgebildete und im fchönften zu Mailand, 
Goldton ftrahlende Darftellung des bethlehemitifchen Kindermordes, jetzt in 
der Pinakothek zu Bologna, das Ptreng architektonifch angeordnete zweitheilige Piillkiiaek 
Gemälde derfelben Sammlung (Fig. 45 5), welches in feinem oberen, halb-luBßlng-xa, 
rund gefchloffenen Theile eine xPietarr von fchlichter, ergreifender Grofs- 
artigkeit, in feinem unteren Theile die vortrefflich angeordnete, zu ihren 
Füfsen von Engelknablein urnfpielte Gruppe der Schutzheiligen Bolognas dar- 
ftellt, ferner, ebendafelblt, den ganz im pathetifchen Geifte des neuen jahr- 
hunderts gedachten Chriftus am Kreuze, von dem fich eine fpätere, veränderte 
NViederholung in der Galerie zu Modena befindet, die grofsartige Himmelfahrt Gäperäsrzu 
lVfarlae in S. Ambrogio zu Genua, der eine Darftellung desfelben Gegenftandes xogerxäh 
In der Pinakothek zu München fich anreiht, und die kräftig gefchloffene Gruppe böogiio w 
der hl. Dreieinigkeit auf dem Hochaltare der Kirche S. Trinita de' Pellegrini Iyiifllläiä k 
Zu Rom. Das grofsartigfte Freskobild diefer mit 1620 abfchliefsenclen Epoche zuullffüiirihzn, 
feines Lebens aber iPr die Darftellung der Aufnahme des hl. Dominicus in 
Clen Himmel, welches er in der Halbkuppel der Capelle diefes Heiligen in  äferllgo 
S. Domenico zu Bologna malte. In dem unteren Theile diefes überaus farbig  
wirkenden Gemäldes rnuficiren reizende, kaum erwachfene Engel; in feinem Bologmm 
Oberen Theile fährt der Heilige, mit deffen fchwarzem Mantel fich liebliche 
Engelknäblein zu fchaffen machen, zwifchen dem Heiland und feiner Mutter 
hindurch, der durch die Taube des heiligen Geiftes angedeuteten ewigen Herr- 
lichkeit entgegen.  Fernere 
Nach 1620 folgten wieder einige Wanderjahre für Guido. In Ravenna 
        

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