Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245283
Malerei 
italienifche 
Die 
Jahrhunderts. 
Carracci. 
Die 
135 
zu ftudiren; die fchönfle der Madrider Galerie (N0. 93), welche von aller Sfigfftälaü- 
hiftorifchen Staffage abfieht, bin ich freilich ihrer ruhigeren, feineren, zu dem Madrid. 
erwähnten Bilde im Pal. Pitti zu Florenz ftimmenden Haltung avegen eher 
geneigt, Agoftino zuzufchreiben; und in der Petersburger Eremitage Ift die in Sgäärers- 
grofse Landfchaft mit dem Wafferfall, Welche nur mit Fifchervolk ftaffirt Ifi,  
fo nachgedunkelt und fo dunkel gehängt, dafs fich nicht fagen läfst, 0b fie 
echt ift, während einige der biblifchen Darftellungen diefer Sammlung  B. die 
ßRuhe auf der FiUChtK) in ihren Hintergründen den Landfchaftsfhl der 
Carracci in deutlicher Ausprägung zeigen. Aber die Berliner Galerie befitztin Berlin- 
in ihrer idyllifchen, mit einem muficirenden Liebespaare ausgeftatteten, übrigens 
reich und gefchmackvoll angeordneten Landfchaft ein gutes Beifpiel der 
Leiftungen Annibale's auf diefem Gebiete; die Londoner National-Galerie be- in London- 
wahrt zwei grofse Landfchaften feiner Hand, von denen wenigfiens die eine, 
welche ein Thal im Waldgebirge darftellt, urfprünglich von hellgoldfonniger 
Leuchtkraft gewefen fein mufs und für den Meifter ungewöhnlich liebevoll 
durchcomponirt ift; und die Parifer Louvrefammlung befitzt nicht nur eine in Paris. 
Reihe biblifcher und mythologifcher Darftellungen des Meifters mit ausgeführten 
landfchaftlichen Gründen, fondern auch einige reine Landfchaften feiner Hand, 
unter denen die grofsen Bilder mit der Jagd- und mit der Fifchereiftaffage 
durch ihre verftandene und empfundene Ausführung bei flüchtiger, fkizzen- 
hafter Breite der Pinfelführung, die kleinere Landfchaft mit dem Concert in 
dem Luftboote durch ihre lebendige Schönheit, fefte Durchführung und tiefe 
Färbung hervorragen. 
Endlich betheiligte auch Annibale fich an der Weiterentwickelung des alzsxriäribafleer 
Kupferftiches; und zwar vervielfältigte er faft nur eigene Erfindungen. In ftechgr.  
feiner Jugend ahmte er die Grabftichelarbeiten feines Bruders nach, wie der 
vrlChriftus am Kreuzer von I58I (Bartfch 5), die xMadonna mit der Schwalbei 
vom felben Jahre (B. 8) und der vhl. Michaeh nach einem Gemälde Sabba- 
tini's (B. I2) von 1582 beweifen. Später bediente er fIch der Radirnadel und als Radirer- 
des Aetzwaffers und benutzte den Grabfiichel nur nachträglich zur Vollendung, 
wie in der wSufannar (B. I), der hl. Familie von 1590 (B. II) und dem herr-  
lichen Blatte ßjupiter und AntlOpCK (B. N0. I7) von 1592, oder er arbeitete 
in einem feinfühligen Mifchverfahren, wie in feiner berühmten, unter dem 
Namen vder Chriftus von Caprarolaa bekannten wPietasa (B. 4) von 1597 und 
feiner erft von 1606 datirten xMadonna mit dem Napfer, die ebenfalls zu 
feinen fchönflen und gefuchteften Blättern gehört. Wir fehen alfo, dafs Anni- 
bale den Stich oder die Radirung fein Leben lang nicht aus den Augen 
verloren hat, und dafs er, wenn auch nicht fo zahlreiche, fo doch ebellfß {Chölle 
Blätter wie Agollino hinterlaffen hat.  
Nach der Vollendung der Galerie F arnefe verHel Annibale, mitbeeinflufst Angifälee 
durch die Kargheit des Lohnes (nur 500 Scudi), welche der Cardinal Ihm für 
die Riefenarbeit auszahlen liefs, in tiefe Schwermuth. Etwas rifS ihn der neue 
Auftrag eines fpanifchen Grofsen heraus, für den Preis VOH 2000 SCuCli eine 
Kapelle der Kirche 5_ Giacomo degli Spagnuoli mit Frescogemälden zu 
fchmücken; aber er fah fIch durch fein Leiden gezwungen, die AuSfühfullg 
diefes Werkes, welches jetzt nicht mehr zugänglich ift, hauptfächlich feinem
        

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