Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245210
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Buch. 
Sechstes 
Erfter 
Abfchnitt. 
hl. Martina, in einer Kapelle der Kathedrale der letzteren Stadt und die ge- 
Qelgemälde waltigen, jetzt in der Galerie von Parma befindlichen Darfiellungen der Apofiel, 
m Parma" wie fie den Leichnam der Maria zu Grabe tragen und wie fre im Grabe 
Rofen ftatt der gen Himmel Erhobenen finden, gehören zu feinen packendfien 
und mächtigften Schöpfungen. Nach 1609 lebte Ludovico noch immer ein 
Seine fpäte- Jahrzehnt und fchuf noch eine Reihe grofser Werke in feiner Vaterfiadt, von 
renifeäi-nde denen die impofante Darftellung der Verklärung Chrifti, das durch feinen 
 architektonifchen Hintergrund ausgezeichnete Gemälde der Berufung des 
 Apoftels Matthäus, das ftraff und lebendig componirte Bild der Bekehrung Pauli, 
in Kirchen alle drei in der Pinakothek zu Bologna, die liebevoll durchgearbeiteten Gegen- 
Boliignai ftücke der Anbetung der Könige und der Befchneidung Chrifti in S. Barto- 
lommeo di Reno (vLa Pioggiaa), die fchöne Darfiellung des Paradiefes in S. Paolo 
und iider Condolenzbefuch fämmtlicher Apofiel bei der trauernden Madonnar 
(Burckhardt) im Kapitelzimmer der Kathedrale zu Bologna hervorgehoben 
Sein letzresYVCfdCn müffen. In diefer Kathedrale malte er auch fein letztes Fresco, die 
Fresm coloffale Darftellung der Verkündigung in der Lünette über dem inneren Bogen 
der Chornifche. Als das Gerüfi nach der Vollendung diefes Werkes wieder 
heruntergenommen wurde, entdeckte Ludovico, zu fpät, einen Zeichenfehler; 
vergebens bat er die Baubehörde, das Gerüft auf feine eigenen Kofien wieder 
aufrichten zu dürfen; aus Schmerz über die Unmöglichkeit, feinen Fehler 
Sein Ende. zu verbeffern, verfiel er in ein hitziges Fieber und fiarb am I3. Nov. x619. 
WÄ-Egäfner Das Verzeichnifs feiner Bilder ifi mit den genannten noch lange nicht voll- 
Hand. zählig. Von feinen religiöfen Werken verdienten noch verfchiedene Bilder des 
Schmerzensmannes und der Schmerzensmutter, auch Darftellungen der letzteren 
mit dem Leichnam Chrifti (vPietar) und Grablegungen (in Bologna, Neapel, 
Petersburg, Madrid, Paris, München) befprochen zu werden, Gemälde, in denen 
er Accorde anfchlug, die in feiner ganzen Schule widerhallten; von feinen 
 weltlichen Werken möchten wir den decorativen Darftellungen über den Kaminen 
verfchiedener Paläfie in Bologna und dem Gemälde der Venus, des Amor und 
eines Satyr in der kaif. Galerie zu Wien unfere Aufmerkfamkeit fchenken; auch 
könnte an einige Stech- und Radirverfuche des Meiflers erinnert werden  doch 
mufs es genügen, an der Hand feiner Hauptbilder einen Ueberblick über feinen 
Entwickelungsgang und die Ueberzeugung gewonnen zu haben, dafs er keines- 
wegs nur der intellectuelle Urheber und Leiter der iakademifchen Refornir 
Bolognas, fondern auch bis zu feinem letzten Athemzuge einer ihrer energifchfien 
 und erfolgreichfien felbfifchöpferifchen Vertreter war. 
Agoftino. Gehen wir nunmehr zur Betrachtung der felbfiändigen Thätigkeit Agryfzüzu 
Carraccis über, fo müffen wir feine Bemühungen um den Kupferftich voran- 
Befifjng ftellen. Dafs er in der Goldfchmiedewerkftatt, in welcher er feinen erfien 
aljtelifxlgjfr" Unterricht empfing, mit dem Stichel umgehen lernte, ift bereits erwähnt worden. 
Später wurde er befonders durch den zum Italiener gewordenen niederlän- 
difchen Stecher Cornelis Cort (geft. 1578 zu Rom) beeinflufst, der in feinen 
zahlreichen Stichen nach italienifchen Meifiern zuerft den freien, breiten Stil 
der Stichelarbeit mit fetten, markigen Strichen in Italien durchgeführt hatte. 
Bartjkb, 
Peintre. 
Graveur, 
XVIII.
        

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