Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245178
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Buch. 
Sechstes 
Erfter Abfchnitt. 
dem Zufammenhange der Einzelbilder unter fich, fo müffen wir bedenken, dafs 
es einen heiteren Feüraum feftlich heiter zu fchmücken galt. Die Künfiler 
find daher auch gewifs keinen Augenblick im Zweifel darüber gewefen, dafs 
fie den Stoff für ihre Gemälde der ewigjungen Fabelwelt der griechifch-römifchen 
Mythologie entlehnen müfsten; fie wählten die Liebesgefchichten der alten 
Götter und Göttinnen. Wenn hier und da auch ein idyllifches Vorfpiel 
(Hermes bringt Paris den'Apfel) oder ein blutiges Nachfpiel (Perfeus ver- 
nichtet auf feiner Hochzeit mit Andromeda deren früheren Verlobten Phineus 
und deffen Gefährten durch das Medufenhaupt) mit dargeftellt iPt und wenn die 
Gelehrten, wie Giov. Batt. Agucchi, der den Meiftern mit feinem literarifchen 
Rath zur Seite ftand, fich auch bemühten, eine moralifche Allegorie in das 
Ganze hineinzudeutenl), fo waren die Liebesgefchichten doch der Kern, um 
den es den Künfilern zu thun war. Das Hauptbild in der Mitte der Decke 
Dpr Hßßh- ftellt den Hochzeitszug des Bacchos und der Ariadne dar. Auf zwei Wagen 
zeitszug des       
 fahren die herrlichen, jugendfchonen Gottheiten neben einander her; derjenige 
'der Ariadne wird von Ziegenböcken, derjenige des Bacchos von Panthern 
gezogen; jubelnd begleitet fie ihr lärmendes, bewegliches Gefolge von Satyren, 
Silenen, Bacchantinnen und Nymphen. Die fchönen Leiber athmen Kraft und 
Feuer. Die Compofition ifi klar, frifch und lebendig; das grofse breite Bild 
ift Annibale's Meifierwerk und wurde ein Vorbild der zahlreichen gröfseren 
und kleineren Bacchuszüge, an denen das fiebzehnte Jahrhundert im Norden 
wie im Süden der Alpen fo reich ift. Zu feinen Seiten befinden fich die 
 fchmaleren Darfiellungen, wie Hermes dem Paris den Apfel bringt und wie Pan 
der Artemis feine Wolle opfert. Das fchönfte Bild aber, welches Agojiino in diefem 
 Saale gemalt, (Fig. 451) zugleich in manchen Stücken das fchönfte des ganzen 
Cyklus, ift das Mittelbild der einen Langfeite (an der Uebergangsrundung der 
Decke zu den Wänden), Welches den Triumph der Galatea darfiellt, wie f1e in 
den Armen eines Meergottes, von Delphinen und Liebesgöttern, von Tritonen 
und Nereiden geleitet, über's blaue Meer dahinzieht; es ifi eine Compofition 
von einer Fornien- und Farbenfchönheit, die halb an Raphael, halb an Paolo 
Veronefe mahnt. Auch das Gegenftück diefes Gemäldes an der Mitte der gegen- 
überliegenden Langfeite, welches darfiellt, wie Aurora auf ihrem Wagen den 
ägggiflf: geraubten Cephalus umarmt, rührt von Agofiino her, ifi jedoch etwas plumper in 
den Formen und fchwerer in den Farben. 9) Zu Arzniönlelv ferneren Hauptbildern 
vä2niä11ti:r_ aber gehören die vier Hochbilder zu beiden Seiten diefer Breitbilder Agofiinds: 
liebesfcenen. Hera am Liebeslager des höchften Gottes (Fig. 452), Anchifes im Begriffe, 
Aphrodite zu entkleiden, Artemis, wie fie den fchönen Endymion umarmt, und 
Herakles in den Banden der Omphale. Diefen Bilderreihen entfprechen an den 
P2231132; Schmalfeiten der Deckenrundung die beiden Polyphembilder, über denen die beiden 
13321;? kleineren Darfiellungen, w der Adler C168 Zeus mit Ganymedesa und xApollon mit 
lungen. Hyakinthosr, den Uebergang zum Deckenfpiegel bilden. Die eigentlichen Wände 
befchränken fich an den Langfeiten, von kleineren malerifchen Zuthaten 
I) ffelmri, a. a. O. p. 65 und llfalwzßa, a. a. O. p. 4.40 fügten ihrem Bericht einen eigenen 
Abfchnitt unter der Ueberfchrift: uAllegoria delle Favoleu ein. 
2) Die Originalcartons zu diefen beiden Hauptbildern Agofiinds in der Galerie Farnefe befinden 
{ich in der Nationalgalerie zu London.
        

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