Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1245093
Buch. 
Sechstes 
Erßer 
Abfchnitt. 
im öfilichen Mittelmeer, die es gleich zu Anfang des folgenden Jahrhunderts 
einbüfsen follte, noch fiegreich zu behaupten wufste, und Mailand {ich unwillig 
wie Neapel, unter das Joch der fpanifchen Fremdherrfchaft beugte. nItalia, 
 Italiala rief Filicaja, Italiens niannhaftefier Dichter des fiebzehnten Jahrhunderts 
aus: ßO wärft du ftärker oder minder fchön, dafs gröfsre Furcht du oder 
mind're Liebe einrlöfsteft allen, die dein Reiz beftrickt und dennoch dich auf 
Tod und Leben fordernla Aber ein Dichter, wie Filicaja, war eine Ausnahme 
unter den damaligen Poeten Italiens; tonangebend war Giambattifta Marini 
aus Neapel (l569-I625), deffen blumenreiches, üppiges, geziertes, mytho- 
logifch-idyllifches Heldengedicht wAdonisa die poetifche Richtung Italiens für's 
ganze Jahrhundert beftimmte und hier und da fogar auf die Malerei zurück- 
wirkte; doch verlinkt die italienifche Malerei erft in der zweiten Hälfte des 
Jahrhunderts in Flauheit und Süfsigkeit; in feiner erften Hälfte, und in vielen 
Ausläufern noch in feinem dritten Viertel beherrfcht fie der Auffchwung, 
mit dem einige hervorragende Meifter {ich fchon im letzten Viertel des fech- 
zehnten Jahrhunderts den Banden des Manierismus entwanden, die einen, 
indem fie, wie fchon erwähnt, die Rückkehr zu den grofsen Cinquecentiiien, 
 die andern, indem fie die einfache Rückkehr zur Natur auf ihr Banner fchrieben. 
Da jedoch weder jene, die Eklektiker, noch diefe, die Naturalifien, ihr Princip 
einfeitig verfolgten, indem jene dem Naturftudium mindefiens fo viel verdanken, 
wie der Nachahmung der alten Meifier, diefe aber ebenfalls oft genug von 
ihren Vorgängern abhängig erfcheinen, und da die Feindfchaft zwifchen den 
verfchiedenen Schulen vielmehr eine Folge provinciell-patriotifcher Eiferfüchte- 
leien, als bewufster Meinungsverfchiedenheit in Kunftfragen war, fo werden 
wir den Unterfchied zwifchen den italienifchen Eklektikern und Naturaliften, 
wenngleich wir oft genug auf ihn hinzuweifen haben werden, doch nicht unferer 
Schuleintheilung zu Grunde legen, fondern die Hauptmeifter felbft und die 
 Hauptftädte, in denen die Kunft blühte, zu den Ausgangspunkten unferer 
flcllfälgtelgg Gliederung nehmen. Die mafsgebendfie Schule Italiens im fiebzehnten Jalir- 
 hundert ift die bologneiifche; von Bologna verbreitete die neue Richtung fich 
über ganz Italien; und gerade weil die Kunfi in Bologna früher als irgendwo 
anders zu neuem Leben erwacht ift, müffen wir die bolognefifche und mit 
ihr die ganze italienifche Malerei des fiebzehnten Jahrhunderts an die Spitze 
unferer Betrachtung ftellen. 
Rügkeäang Uebrigens dürfen wir uns von vornherein keiner Täufchung darüber hin- 
 geben, dafs die italienifche Malerei die Führerrolle, welche ihr im feclizehnten 
Jahrhundert zugefallen war, im fiebzehnten einbüfste. Nur einzelne italienifche 
Meifter, wie Caravaggio und Guido Reni, übten jetzt noch einen Einflufs aus, 
der über die Grenzen ihres weiteren Vaterlandes hinausging. Im allgemeinen 
blieben für diejenigen Ausländer, welche in Italien Anknüpfungspunkte fuchten, 
nach wie vor die Cinquecentiften und unter ihnen, wie fchon angedeutet, haupt- 
fachlich die Venezianer mafsgebend; mafsgebender jedenfalls als die neu 
erftehenden Secentifien. 
äerdietljilfi Aber gerade die gröfsere Selbftändigkeit der grofsen aufseritalifchen Künftler" 
 der neuen Aera läfst diefe im grofsen und ganzen auch ihren italienifchen Zeit- 
 genoffen, die ihrer Mehrzahl nach doch nur ziEklektikerr waren, überlegen er-
        

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