Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243176
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Viertes Buch. 
Abthei1ung. 
Vafari1J allein unter den Schülern Tizians eine eingehendere Befprechung 
p;.kis widmet: Preises J3e;;srZmzc, welcher im Jahre I 5o0 zu Trevifo geboren, jung nach 
Vordem Venedig kam und in Tizians Schule gebildet wurde, dann abwechfelnd in 
seh,  Trevifo und Venedig malte, bis er, nach Vafari im Jahre 1538 von 
Franz 1., nach Federici2J 1559 von Franz I1. nach Frankreich berufen, eine 
 Zeitlang in Paris für den königl. Hof, dann in Augsburg für die Fugger und, 
nach Italien heimgekehrt, noch in verfchiedenen oberitalifchen Städten, bei 
fonders in Mailand, arbeitete, um fchliefs1ich in Venedig ein ruhiges Leben 
zu führen und hier am I9. Jannuar I57I zu sterben. Manchmal fchlofs er sich 
seinskii.fo fehr an Tizians Malweife an, dafs feine Bilder nicht felten unter deffen 
Namen gehen; als Beifpiele feien die siTaufe Christicc in der kapitolinifchen 
Galerie zu Rom, und das Bildnifs eines Mannes in fchwarzer Kleidung in der 
Münchener Pinakothek genannt. Im allgemeinen aber geht Bordone doch bald 
seiBYldk;iig. feine eigenen Wege. Er befleifsigt f1ch eines fchlichteren Realismus als Tizian; 
feine Kompofitionen find in der Regel zerfahrener, feine Formen derber, feine 
Farben bunter und trockener. Auch fehlt feinen kirchlichen Bildern die religiöfe 
Wärme. Doch zeigen die farbenfrohen Gemälde der Anbetung der Hirten im 
ixn.Dnn1znD0me zu Trevifo, die grofsgedachte Darstellung des Apostelfürften Petrus in 
in .s.k7I,i1kiiI,i2e S. Giobbe zu Venedig, die lebendige heil. Familie in S. Celfo zu Mailand, fos 
if. lsTk12TE;isE,s wie die Bkek.2bi1dek dierek Stadt nnd die ,,hei1; Fnmi1iess mit dem scheinen Sehn. 
ixiukiTiY;1TLIsTI ftian im Pals. Colonna zu Rom ihn immerhin in einem günstigen Lichte, w0gegen 
 das Abendmahlsbild in S. Giovanni in Bragora zu Venedig und die Paradiefess 
 darftellung in der dortigen Akademie feine fchwachen Seiten verrathen. Auch 
 die Berliner Galerie besitzt zwei heil. Familien feiner Hand, und die mit feinem 
iUkL;a1FFs,1YSY Namen bezeichnete Auferstehung Christi in der Stuttgarter Galerie ist eins 
 feiner charakteristifchen Durchfchnittsbilder. Mehr in feinem Fahrwaffer war 
WZfii;1;m er in der Darstellung welt1icher Scenen; gerade von feiner Hand rührt das 
i3itdek fchönste historifche Ceremonienbild der venezianifchen Schule her, die Dars 
stellung der Rathsverfammlung, in welcher der Fifcher dem Dogen den 
Ring des hl. Markus überreicht CFig. 420J. Diefes Meisterwerk, welches zu 
ini1ekAk2zd. den Hauptbildern der Akademie von Venedig geh6rt, zeigt alle Eigenheiten 
Zu Venedig, der venezianifchen Schule in höchster Potenz; vor allen Dingen ist es eine 
Farbenfymphonie von raufchender heller Freudigkeit der Akk0rde, wie fie 
kaum jemals gemalt worden. Es ist weitaus das fch6nste Werk Bordone7s II 
und ein Triumph der Malerei. Das Bild vmit den fünf Säulenordnungencs, 
welches Paris in Augsburg gemalt hatte, if: vielleicht in dem vGladiatorens 
ii;rk1Ekalwxiii: k8Hmpfeci der kaif. Galerie zu Wien erhalt.en.4J Mythologifche Darstellungen 
D;:rk1:äz feiner Hand finden f1ch sehr häufig. Wir nennen das Halbfigurenbild mit 
im Lnnvke; Mars, Venus und Amor in der Galerie Doria zu Rom, vVertumnus und Pos 
iIZ,,sII7kE,IFs monacc im Louvre, die vruhende Venuscc in der Berliner, isApollon und Marfyas, 
L fowie vDiana als Jägerinc: in der Dresdener, vVenus und Adonisc: in der Wie. 
ln,,;1FrgTsJJ. ner, pDaphnis und Chloecc in der Londoner Galerie. Auch Allegorien und 
WITH XII.  
II Bd. llli7. Vl1 F. 461sss466.  zPixZoZjZ a. a. O. I p. 297ss3o4. 
2J Memorie Trevigiane 1I p. 4Isss42. 
3J Zu der neuerdings vielfach verbreiteten A11ficht, dafs der früher Giorgione zugefehriebene ssSecs 
fturmsc derfelben Sammlung von Bordoi1e fei, hat der Verfaffer ficl1 noch nicht bekehrt. 
4J Bd. v. Engeisth7S Kata1og L CI882J S. 68.
        

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