Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243054
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Vierter; Buch. 
Äbtheilung. 
 bekleideten jungen Frau in der Wiener Galerie CNo. 506J entstanden fein, in 
iE1c2Ti2TIEm welcher wir dieselbe Eleonora Gonzaga, Herzogin von Urbino, erkennen, welche 
Von Urbm0i,liizia11 in den verschiedensten Situationen noch öfter gemalt hat. II Ihre Züge 
zeigt nämlich die vBella di Tizianou, das berühmte Bild der kostbar mit ausgcs 
schnittenem Modekleide angethanen, köstlicher aber durch ihre eigene Schönheit 
Vornehmheit und Liebenswürdigkeit gefchmückten Frau im Pal. Pitti, welches 
zu den herrlichsten Frauenbildnissen der Welt gehört. Ihre Züge aber zeigt 
y0knc1sp12 auch die sogenannte vVenus von Urbino:c in den Uff1zien CFig. 4I7J. So unfafsbar 
i2ifrZeiiiiiYi. es unserer Zeit ist, dass die vornehme Dame f1ch nackt, wie die Schaumgeborene 
J11F,mvlIHsF, den WVellen entstiegen, auf rubinr0them, mit weissem Linnen überzogencn 
P0lsterlager darstellen lassen konnte, so einfach erklärt sich die Thatsache doch 
durch den naiven schönheitsglauben jenerTage. Dass derVo1ksmund eine folche 
Darstellung zur Venus machte, ist erklärlich genug. Aber schon die Stafsage 
des Bildes, das Hündchen zu den Füssen der Schönen, die gefchäftigten Dienes 
 rinnen im Hintergrunde der offenen Halle, über deren Balustrade man ins Freie 
blickt, fügen sich der mytho1ogifehen Vorstellung nicht. Uebrigens steht dieses 
Bild keineswegs allein in seiner Art da. Auf Tizian wird eine ähnliche, 
wie es scheint, nur in Nachbildungen und Umbildungen Ein Darmstadt, Cams 
bridge, Dudley Houfe, Aps1ey House u. s. w.I erhaltene Darstellung einer 
schönen nackten Frau auf purpurnem Tuche in blühender Landschaft zurücks 
geführt. 2J Erscheint die schöne Frau auf derartigen Gemälden in mythologis 
scher Gewandlof1gkeit, so wird ihr Neglige in anderen Fällen für eine genrcs 
 du hafte Toilettenscene benutzt, wie in dem als vMaitresse du Titiena bekannten 
M:1EEi:lY;cre jetzt vielleicht mit Recht vAlfons0 von Ferrara und Laura Diantecc genannten 
iüppigen 1.ouvrebilde, auf dem wir einen Mann mit zwei Spiegeln der Schönen 
Kammerjungferdienste leisten sehn, und wie in dem köstlichen Bilde der halbs 
entkleideten Schönen in den Ufsizien, welche wegen der Rose, die sie in der 
gis  Hand hält, yFlorak: getauft worden. Es sind zwei der blendendsten und bei 
istrickendsten Werke der Kunst, Werke, in denen der Pinfel des Meisters in 
seinem eigenen Können fchwelgt. 
pi21ck2k2 Im Jahre 1530 war Tizian bereits 53 Jahre alt. Gleichwohl waren ihm 
dTTiiF2iT. noch 46 weitere Arbeitsjahre beschieden. Sein Leben gewann während dieser 
s2zi,1iITFTh zweiten, längeren Hälfte feiner Thätigkeit ein neues Gepräge. Zunächst schnitt 
M153o. der Tod seiner Gattin tief in feine Verhältnisse ein. seine Schwester 0rfa 
 übernahm die Erziehung feiner drei Kinder CPomponi0, 0razio, LaviniaJ; und 
bald darauf zog Tizian in den vBiri grandees genannten nordöstlichen Stadts 
theil, wo er später Haus und Atelier in schönem Garten einrichtete und die 
fremden Fürsten, welche ihn besuchten, wie die Grossen, Gelehrten und Künstler 
Venedigs bewirthete. Tizian war der erste Maler, der, wie später Rubens, 
seine Häus1ichkeit mit fürstlichem Glanze ausstattete und zum geselligen Mittels 
punkte einer Rangess und Geistesaristokratie machte. Mit feinen Freunden, 
dem Baumeister Jacopo Sanfovino und dem Schriftsteller Pietro Aretino im 
Bunde, forderte er von hier aus das ganze Kunstleben Venedigs, ja, Italiens 
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L7Ii2:I7o7x Zeitschrift 
XII1 
II Ueber diefe Bilder und ihre Cl1ron0logie: M. 77z:z2N7:F in  Zeitschrift XIIl 
S. 257ss269 und 305ss3I5. 
2J Dafs C7ww is. cc:wzZxz2JxZZe das hölzerne Darn1Ikädter Exemplar für ein Original 
erklären, beweist, wie unbegreifliche Urtheile auch von den betten Kennern manchmal gefällt 
C1878J 
Tizia115 
werden.
        

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