Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243020
Die Bliithezeit der ita1ienIfchen Malerei. 
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innen heraus schafft. Erst das I7. Jahrhundert wurde sich dieser besreienden 
That Tizian5 in vollem Masse bewufst. Im Jahre I530 endlich malte Tizian 
die grosse Darstellung der Ermordung des Märtyrers Petrus für die Kirche S. Die Ekm0k. 
Giovanni e Pao1o, ein Altarblatt welches 1867 verbrannte, an feiner ursprüngs  
liche Stelle aber durch eine alte Kopie ersetzt wurde und durch zahlreiche PeUW 
Nachbildungen bekannt ist. Tizian erscheint hier abermals als Vertreter einer 
neuen Richtung, der er jedoch nur vorübergehend huldigte. Wahrscheinlich 
hatte Michelangelo7s oder Sebastiano del Piombo7s Anwesenheit in Venedig ihm 
die Wucht der florentinischsrömischen Zeichnung zum Bewusstsein gebracht; 
mit ihr suchte er es jetzt daher aufzunehmen. Jeder Rest arcl1itektonischs 
symmetrischer Anordnung ist hier der freien, dramatischswuchtigen Erzählung 
geopfert. Die scene spielt an einem baumreichen Bergabhange, ja die Riesens 
bäume, zwischen deren VVipseln in himmlischen Glorienstrahlen die Engel mit 
der Märtyrerpalme erscheinen, beherrschen den Gesammteindruck. Die Mords 
scene ist mit verhältnissmässig kleinen, aber ungemein muskulösen und lebhaft 
bewegten Figuren im Vordergrunde erzählt. Ein bewusst michelangelesker Zug 
ist hier unverkennbar; und mit diesem Zuge ein Anflug von Manierirtheit, dem 
Tizian glücklicherweise nicht weiter nachgab. 
Unter den religiösen Bildern dieser Epoche Tizians, welche nicht für Kirs Andere  
cl1en, sondern für Paläste gemalt waren, ragen zunächst zwei Bilder der Londoner  
Nationalgaleric, die nRast bei Bethlehemu und das yN01i me tangerecc, durch  
andachtSvolle VVeihe, poes1cvolle Auffassung und magische landschaftliche Stims fs,YJnJJ3;jH; 
mung hervor; und ihnen schliessen einige der herrlichsten Bilder des  
Zu Paris sich an: die ungewöhnlich patl1etisch aufgefasste yGrablegungci CFig. 4l6J, CEllEgZ1Tl71ED 
die idyllisch heitere, oft wiederholte vRuhe auf der Flucht nach Aegyptencs sHJkRk131lHl:HHs 
und die erst I530 vollendete genrehaft anmuthige yMad0nna mit dem  
chenci. Auch das sarbenschöne Bild der Dresdener Galerie Cjetzt No.249J, welches i.dsDkEsdeT 
Maria mit dem Kinde und Heiligen darstellt, ist neuerdings wieder in sei11ei11ssadis,rici:llie 
Rechte eingesetzt worden. II  
Zu mythologischen Kompositionen wurde Tizian in dieser Epoche haupts My:h010g. 
sachlich am Hofe Alfonso7s von Este zu Ferrara angeregt. Für ihn schuf erKonilZ2imo. 
nach einander jene drei in ihrer ganzen Schönheit noch kaum genügend ges 
würdigten vBacchanaliencc, welche als sigurenreiche Darstellungen in weitem 
landschaftlichen Rahmen von höchster Ueppiglceit und Farbenpoese dieV0rbilder 
aller späteren ähnlichen VVerke geworden sind. Zwei von ihnen schmücken 
gegenwärtig das Madrider Museum: die mit unzähligen kleinen Liebesgöttern,2J 
welche sich unter hohen Bäumen voll toller Lust zu Füssen einerVenusstatue tums n2s vessuss 
meln, ausgestattete Darstellung des 1sVenusfestescc, welche genau den isErotencc 1viTiikiiiIk 
der von Philoftratos beschriebenen altgriecl1ischen Gemälde Coben Bd. I, S. 6yJ DETiFFLTh2. 
nachgebildet ist, und das ganz von stnnlichem Uebermuth überquellende Bild 1Jx1I;,jl.fZ, 
einer Mänadenorgie, dessen zum Theil bedenkliche Motive durch die Naivetät CAN. 
der Auffassung und den Adel der Farbengluth in ein ideales Reich entrückt 
werden. Das dritte, welches in engem Anschluss an ein Gedicht Catulls den Dz:rAlrZ1cäne 
Ueberfall der auf Nax0s verlassenen Ariadne durch Bacchus und sein Gefolge Na:.sGatesiE. 
IJ Le77yzk7ZizJ.s a. a. O. s. 2o1s2o2, Anm. 
2J Vgl. JJ, GJ772w1 in den preufs. JahrbiicheZrn Bd. 
XXX V
        

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