Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1242989
italienischen Malerei. 
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aber doch wohl in einer fpäteren Zeit entftanden. Aelter ist wohl das nach 
dem Tode des Dargefte1lten, und deshalb nach fremder Vorlage gemalte, 
meifterhafte Bildnifs des Dogen Nie. Marcello in der vatikanifchen Ga1eric. im va:ik2q. 
Endlich zeichnete Tizian in diefer Periode feines Lebens C1508J im WVetts DckTkiumph 
eifer mit Mantegna7s Triumphzuge Caesars einen Cyklus des Triumphes des EiiiS:iiiiZiikJF 
Glaubens für den Holzfchnitt: Die Kirchenväter ziehen den Wagen Chriiti; die 
Gestalten des alten Teftaments eilen voraus, die Märtyrer und Bekenner folgen 
nach. Die Blätter Zeugen von ernPcem Streben nach hiftorifcher Gröfse. 
Wäre Tizian l51l geftorben, fo würden feine Bilder kaum häufiger fein, 
als diejenigen Giorgione7s, mit dem die KunPcgefchichte ihn dann wohl ganz 
parallel behandeln würde. In VVirklichkeit entwickelte Tizian lich jedoch Crit 
nach diefer Zeit zu bahnbrechender Selbfländigkeit. 
Dafs die Freskencyklen, die er I5IIg15I2 in Padua fchuf, fchon einen ents seine Fuss. 
fcheidenden Schritt auf diefem Wege bedeuteten, läfst lich freilich nicht bei iWjiPadMi 
haupten. Tizian bediente lich zu ihrer Ausführung gröfstentheils der Hand 
des Paduaners lJz2J;ic7ziw c2miFerg7mZxz; doch arbeiteten hier auch theils ältere D0ms:2ic0 
Paduaner, theils Gehülfen, die er aus Venedig mitgebracht, neben ihm. In den rEixinETEiiirl:i 
beiden yScuolea, die hier jetzt noch in Betracht kommen, zeigt f1ch, dafs Tizian 
als eigentlicher siHifiorienmaleru noch nichts vor den übrigen Venezianern 
voraus hatte, freilich aber die mehr f1ttcnbildlich herausgegriffenen Momente 
der behandelten 1egendarifchen Stoffe mit Pcark realifkifcher Ader, mit höchst 
dekorativer Farbenpracht, mit behaglicher Breite der Anordnung und mit maleris F:ei:ein173:srs 
fchen KoPcümwirkungen auszuflatten verstand. In der scuola del Carmine find sc.u0t2,de1 
es Scenen aus dem Leben Maria und ihrer Eltern fowie der Kindheit Christi. 2kiF32iiiiiT. 
Von Tizians Hand ist hier nur die Umarmung Joachims und Anna7s, unbes 
deutend als Kompofiti0n, fchon in der Landfchaft, dabei von einer Wohls 
thuenden Wärme der Empfindung. In der vScuola del Santocc find es I6 Zi;lIi1ieikkFes; 
Fresken aus dem Leben des hl. Antonius. Drei derfelben können als eigens scu012 ds1 
händige Werke Tizians gelten: das Zeugnifs des neugeborenen Kindes, die 2uSiHTiu2. 
Auferweckung der von ihrem eiferfüchtigen Ehemanne ermordeten Frau und 
die Heilung des Jünglings. der lich aus Reue felbft das Bein abgehackt hatte, 
ein Sittens und Kofrümbild von grofser Energie der ma1erifchen Wirkung. 
Als Tizian nach Venedig zurückgekehrt war, trat feine fchon in Padua hers  Ti2i2k2. 
vorgetretene Neigung, die KunPc nebenher von der gefchäftlichen Seite aufs iii2Y1inxJiF 
zufaffen, noch mehr in den Vordergrund. Im Jahre 15I3 machte er fogar den 
Verfuch, das Herkommen, nach welchem nur der ofticiel1e Rathsmaler, der Zug 
gleich das einträgliche Scheinamt eines Mak1ers am Kaufhaufe der Deutfchen 
befafs, zum Nachtheil des alten Bellini zu durchbrechen. Nur Bellini7s entfchies 
dener Einfpruch hatte zur Folge, dafs Tizian lich bis nach deffen Tode CI5I6J 
gedulden mufste. seit diefer Zeit aber war Tizian der anerkannte off1cielle 
Maler Venedigs; und nur Palma machte ihm noch ein Dutzend Jahre lang 
Konkurrenz in der Gunfi der Befteller. Es begann eine reiche Schaffensperiode L3;;2;23is 
Tizians, welche mit dem Jahre I530, in welchem er einerfeits nach kurzer kz30.S 
glücklicher Ehe Wittwer wurde, andererfeits die für fein fpäteres Leben fo folgen. 
reichen Beziehungen zu Kaifer Karl V. anknüpfte, abfchliefst. Unter Tizians 
Kunden treten in diefer Periode die Höfe von Ferrara und Mantua in den 
Vordergrund. Die Gefchichte feiner Beziehungen zu diefen Höfen ist noch nicht
        

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