Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1242734
722 
Buch. 
Viertes 
Abthei1ung. 
wir demnächft kennen lernen werden. Etwa um I505 kehrte Giorgione, jetzt im 
Vollbesitze feiner künftlerifchen Kraft, nach Venedig zurück; und hier warf er 
Fasrg.ä:n. sich zunächst auf die dekorative Faffadenmalerei, welche damals in der Lagunens 
.m212keik;22 stadt Mode wurde. Die Ueberlieferung berichtet von einem halben Dutzend 
M vMd1givenezianifcher Privathäufer, deren Aufsenfeiten er auf diefe Weife mit Ges 
mälden gefchmückt habe; doch hat die feuchte Seeluft sie alle längst zerftört; 
Gens;1iäi: am felbit von feinem Hauptwerke diefer cJattung, der I5081J vollendeten Faffadens 
 am Neubau des F0ndaco des Tedefchi, haben sich kaum Spuren ers 
 halten. Doch kennen wir einige der Figuren aus Zanetti7s Stichen. 2J Am unteren 
Stockwerke hatte der Meifter Reitergeftalten in einer Säulenhalle, am oberen 
Einze1siguren in Nifchen dargestellt; die Friefe waren mit nackten Geftalten, 
Köpfen und Trophäen gefchmückt. Schon Vafari fagte, er habe noch niemand 
getroffen, der ihm den Sinn diefer Gemä1de entziffert habe. Giorgione gehörte 
eben zu den frühesten Vertretern jener dekorativen Richtung, der die nJalerifche 
Wirkung über alles geht. Urkundlich erwiefen ist es ferner, dafs Giorgione, 
nachdem er diefe Fresken an der Kanalfeite des Fondaco beendet, im Aufs 
trage der signoria ein grofses staffeleigemälde für das AudienzZimmer des 
GeZ;j;s;de grofsen Rathes im Dogenpalaite fchuf. Doch hat sich auch diefes Gemälde 
 nicht erhalten. Auf der Höhe feines Ruhmes angelangt, wurde der feurige 
junge Meister mit Aufträgen überhäuft; aber mitten aus feiner Thätigkeit rifs 
SO3I1T0ds ihn in feinem 34. Lebensjahre 1511 ein früher Tod dahin. Dafs die Zahl der 
 staffeleibilder, die er neben feinen grof5en Faffadenmalereien in feinem kurzen 
biIdsss Leben gefchaffen, nicht fonderlich gr0fs gewefen, ist um fo wahrfcheinlicher, 
als er f1ch überdies, wie es heifst, einem weichen GrenufSleben ergeben hatte. 
Sein Ruhm verleitete die Kenner und Händler jedoch fchon früh, sich und 
andere mit falfchen Taufen auf feinen Namen zu täufchen. Vafari fchrieb 
IlITEhZsJIsIss ihm nur erst fel1r wenige Bilder zu; und von diefen wenigen ist kaum eins ers 
 halten; dafs der kreuztragende Christus in san Rocco zu Venedig ein Jugends 
Werk TiZians fei, nicht Giorgione7s, wie Vafari früher angenommen, hatte 
diefer bereits in Erfahrung gebracht, als er das Leben Tizians fchrieb. 
 Von den Gemälden aber, die Carlo Ridolsi in feinen 1646 vollendeten Maras 
GTOtgI0sslss viglie dell7 arte Giorgione zufchrieb, sind fchon manche auszufcheiden, 
und von den anderthalbhundert Bildern, welche in den verfchiedensten Gas 
lerien Europa7s Giorgione7s Namen tragen, kann die auf verg1eichendem 
Bilderftudium beruhende Kritik der Gegenwart nur eine äufserst kleine Ans 
Zahl als echte VVerke des grofsen Venezianers anerkennen. Bei der hohen 
Bedeutung Giorgione7s ist es in der That nothwendig, unfere Vorftellung 
von feinem Stil durch die f,trengfte Kritik zu reinigen. So lange Z. B. die 
Möglichkeit, dafs bis vor kurzem allgemein als Werke Giorgione7s anerkannte 
Gemälde, wie der :sSeefturm:i der Akademie von Venedig und der todte 
chriftus des Monte di Pietä in Trevifo, wirklich von ihm gemalt seien, nicht 
ganz von der Hand gewiefen wurde, konnten kaum andere, als schiefe Urtheile 
über ihn in Umlauf gefetzt werden. Um sich der äufsersten Vorsicht zu bes 
Heifsigen, theilt der Verfaffer die Bilder, die er unter Gi0rgione7s Namen ans 
1J Fazit: Carteggio deg1i artisti, Il, P. 137ss 
2J VI. M. Zzme2Zi:I Varie Pitture a FreSc0 
2. 3. 
sI38. 
de7 principa1i maöstri veneziani. 
Venezia 
176o. 
tav.
        

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