Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1242616
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iertes 
Abtheil 
heiligen von Parma, Johannes der Täufer, Thomas, Hilarius und Bernhard dars 
gestellt. Der Tambour selbst ist dicht unter der Kuppel von acht kleinen 
Fenstern durchbrochen, in deren Höhe eine ringsumlaufende Balustrade gemalt 
ist, unter welcher man sich die Wände des SarkophagS vorzustellen hat, denen 
die Jungfrau entfchwebt. Daher stehen die zwölfApoitel, wie sie in der Regel als 
Zuschauer der Himmelfahrt der Jungfrau gedacht werden, hinter dieser Balus 
strade; auf und an derselben aber ergehen sich die menschlichften und gottlichs 
sten Engel, welche je gemalt worden sind. WVas ist ihnen HekubaP VVas geht sie 
die Himmelfahrt der Gottesmutter anP Was kümmern sie sich um die zwölf 
ApostelP Sie sind nur mit ihrer eigenen Lebensluft und ihrer eigenen, unbes 
fangen irdisch gedachten Himmelsfeligkeit beschäftigt. Am Rande der Kuppel 
selbst lagern helle, sonnige VVolkenfchichten, auf denen stattliche Engelsjtings 
linge sich in ausgelassenen Uebungen, spielen und scherzen ergehen. Es ist 
eine Verschlingung und Ueberschneidung der Gliedniassen, welche beim ersten 
Anblick um so verwirrender wirkt, als bei der strengen Untersicht eigentlich 
nur ihre Beine zur Geltung kommen. Auf diesen Theil des XVerlces bezieht 
sich daher auch das oft wiederholte VVitzw0rt, welches es einem Froschschenkels 
ragout verglich. Getragen, gehoben und geschoben von diesem Engelreigen 
fährt die Jungfrau in halb sitzender Stellung gen Himmel. Ueber ihr lacht 
goldenes Himmelslicht, welches bereits den vorausfchwebenden Engel Gas 
briel umHiefst. Hier sind die Seligen unter denen sich, ,naiv genug, auch 
Eva, die Verfijhrerin, befindet, zum Empfange der Gebenedeiten versammelt. 
Der Erlöfer selbst aber stürzt sieh begeistert feiner Mutter entgegen. 
Das Werk hat leider sehr gelitten. Vor dem Originale ist feine Beurs 
theilung kaum noch möglich; und den Kopien und Stichen fehlt eben jener 
unendlich beseelende Lichtglanz, welcher auch hier, mehr als die Einzelmotive 
und als der Ausdruck, dem Ganzen jenen geistig wirkenden Idealismus vers 
liehen haben muss, ohne welchen die Darstellung eines solchen Gegenstandes 
schlechterdings unmöglich ist. Licht, Bewegung und l1oldfeliges Lächeln, vor 
allem das Licht sind ja eben die einzigen idealen Mittel, deren Correggio 
sich zur Weihe feiner religiösen Vorstellungen bedient. Ueber die geistige Bei 
deutung dieses Werkes lässt sich streiten, auch über die Berechtigung dieser 
ganzen Art von Kuppelmalerei; aber malerifch und technisch angesehen bleibt 
 es das WVunder der Kunst, als welches es auf seine Zeitgenossen wirkte. 
c0kkeggi0ss Neben und nach diesen grossen Fresken schuf Corregjo noch zahlreiche 
gI,JLfI,;, Tafelgemälde, welche nach ihrem einentheilS religiösen, anderentheils mytho1os 
gischen Inhalte in zwei grosse Hauptgruppen zerfallen. Bei Raphael kommen 
als dritte Hauptgruppe die Bildnisfe hinzu. Aber keins der Bildnisse, welche 
Correggio hier und da zugefchrieben worden, wird von der neueren Kritik 
als echt anerkannt. Wohl mag er, wie Michelangelo, gelegentlich einmal auss 
nahmsweife ein Bildnifs gemalt haben; im allgemeinen aber theilte er eben 
 mit Michelangelo jene subjektivität, die überall nur sich selbst, nicht andere 
darstellen will. 
Re1igjöse Unter den religiösen Tafelbildern, welche Correggio seit seinem ersten 
Tafelb1lder.       
Dievemäh. Auftreten in Parma gemalt hat, ist zunachst die Jugendfrische Darstellung der 
 der hl. Katharina im Louvre hervorzuheben. Die drei Haupts 
im i.ouvke. Hguren im Vordergrund sind ganz von siissester, reinster, wenn auch weltlich
        

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