Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1242592
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Viertes Buch. 
Abthei1u 
ältester Sohn, Pomponio wurde hier am Z. Sept. 152I geboren. Schon ein 
Jahr früher aber hatte der Meister abermals grosse Arbeiten in Parma übers 
s2ineU2i22k.;nommen. Daher siedelte er bald ganz nach dieser Stadt über, in welcher feine 
kafEixd1esiquTiF2. Gattin ihm zwischen 1524 und 1527 noch drei Töchter gebar. Zwischen I52I 
und 153o aber schuf er hier jene gewaltigen kirchlichen Fresken, welche das 
Staunen der Welt erregten. 
sz:ik.cFke,ke2x Zunächst übernahm er, laut Vertrag vom 6. Juli l520, die Ausschn1ückung 
il: gJrcYiTZ der Halbkuppel über der Chornifche und der Hauptkiippel über der Vierung 
iF,iT7ilEiTasiY;g der Kirche S. Giovanni Evange1ista zu Parma. Die Krönung Maria, welclie 
MADE. er in jene Halbkuppel malte, versuchte man schon im I6. Jahrhundert 1oszus 
lösen. Es gelang nur theilweise; die Hauptgruppe selbst befindet sich jetzt 
jedoch in erträglicher Erhaltung in der Bibliothek zu Parma: besonders der 
ausdrucksvolle, hellste Himmelsfreude wiederspiegelnde Kopf der Maria i1t 
Die Kuppe1. von blendender, unausfprechlicher Schönheit. Die Gemälde der Hauptkuppel 
dMeUWgi befinden sich noch an ihrer ursprünglichen Stelle, sind aber schlecht erhalten 
und noch schlechter beleuchtet. Verkürzt von unten gesehen schwebt der 
Heiland mit ausgebreiteten Armen im Scheitel der Kuppel. Rings am untes 
ren Rande derselben aber thronen die halbnackten zwölf Apostel, je zu zweien 
gruppirt, in mächtig bewegten Stellungen auf den WVolken, starke, muskulöse, 
aber keineswegs schwerfällige Gestalten, deren geistige Erregung theils durch 
ihre ekstatifche Geberdensprache, theils durch ihr lebhaftes Mienenfpiel zum 
Ausdruck kommt sFig. 398J. Ausge1assene nackte Engel oder Genien ums 
spielen sie, tragen sie, stützen sie, während die Himmelsglorie um den Heiland 
mit den entzückendsten Erigelköpfchen gefüllt ist. Das ganze erscheint als 
Vision des Evangelisten Johannes, der ganz unten sitzt und begeistert empors 
schaut. Dass die Himme1fahrt Christi gemeint sei, wie fast überall zu lesen 
steht, ist nicht ersichtlich; es sieht vielmehr nach einem Stück selbstcrfonnener 
Apokalypse aus. In den vier Zwickeln der Kiippel thronen die vier Evanges 
listen mit den vier Kirchenvätern, auch sie auf WVolken gruppirt, auch sie gr0sss 
artige Gestalten, auch sie voll inneren Feuers. Das moderne Princip der Kups 
pelmalerei, welches die Kuppelwände hinwegeskamotirt und die Darstellung 
sich im Himmel bewegen lässt, wie man sie, von unten nach oben blickend, 
wirklich dort sehen müsste, kommt hier, wenn es auch gelegenlich schon früher 
angestrebt worden Cz. B. von Melozzo, oben S. 220s222 und von Mantegna, 
oben S. 27IJ, zum ersten Male mit allen seinen Konsequenzen und mit kühns 
stem Realismus zur Geltung. Schade nur, dass von der I.ichtmalerei, welche, 
alle Gestalten umzitternd und durchglühend, das ideale Gegengewicht bildete, 
Eb2;i3ii:i3 so wenig mehr sichtbar ist. Endlich malte Correggio über der sakristeis 
s2kkiiisi:i1iik.thür derselben Kirche den noch dort erhaltenen Evangelisten Johannes. Dieses 
Bild hat gutes Licht; aber Staub und Rauch haben es so geschwärzt, dass 
man sich auch ihm gegenüber nur noch an den liebenswürdigen Umrisfen ers 
freuen kann. 
r;esiäsx: Ziemlich gleichzeitige kleinere Frcskogemälde des Meisters in Parma sind 
Aukis1z:isk2. die Verkündigung in der Kirche S. Annunziata, von der kaum mehr erhalten 
ist als der irdischsbräut1ich lächelnde Kopf, der sich nach dem Engel ums 
Dä:iil1a2gg2;2 schauenden Jungfrau, und die sog. Madonna della Scala, die überlebensgrosse 
iDarstellung der göttlichen Mutter und des göttlichen Kindes in zärtlicher
        

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