Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235971
Gcrard David. 
Schlufs. 
Aus der Schar der unbekannten Nachfolger Mem1inc,s tritt uns durch c;2k.szäd 
das Verdienst der neuern Forschung eine greifbare Kunstlergestalt entgegeU2i3iaz2:gi;1ä.. 
CTz77zm7 Dzzr2izZ1J, Sohn eines Jan David aus 0udewater in Holland, seit Mc es. 
I484 Mitglied der Ma1ergi1de in Brügge, in der er später Aemter bekleidete, 
gestorben daselbst am I3. August I523. 
Zu verschiedenen Malen erhielt er zwischen I487 und 1499 Zahlungen sür1Jcei::;Zäiäs 
Malereien in der Schöfsenkammer des Rathhauses. Zu diesen gehörte zunächst 13kiiggOs  
ein nicht mehr erhaltenes Jungstes Gericht, und gehörten ferner zwei laut 
Insel1rift I498 vollendete Tafeln, die sich jetzt in der Akademie befinden und 
wieder ein Beispiel strenger Gerechtigkeit darstellen: die grausame Bestrafung 
des ungerechten Richters Sisamnes durch Kambyses. Auf dem ersten Bilde 
wird sisamneS auf Befehl des Königs vom Richterstuhl herabgerifsen, während 
die Bestechung im Hintergrunde zu sehen ist; auf dem zweiten lässt Kambyses 
die Strafe der Schindung an ihm vollstreclcen; im Hintergrunde sieht man 
feinen Sohn als neuen Richter auf dem Stuhle, der mit der Haut des Vaters 
iiberspannt ist. Bei halb lebensgrossen Figuren spielen die Vorgänge sich ZU 
einer Gemessenheit ab, die an Memlinc erinnert, dennoch ist auf dem ersten 
Bilde, auf dem eine Fülle lebendiger Charakterköpfe anzieht, auch der Schrecken 
des Ricl1ters, das rohe Zufahren der Schergen veranschaulicht. Auf dem 
zweiten ist der scheussliehe Vorgang mit äusserstem Naturalismus dargestellt. 
selbst von den Zufchauern sind nur wenige tiefer ergriffen, die meisten schauen 
mit Ruhe drein. Der ausgestreclcte nackte Leib des 0pfers, fein Bein, von 
dem schon die Haut abgezogen ist, verrathen ein ernstes Studium des Körpers. 
Gegenstände ruhigen und repräsentirenden Charakters von der Hand des 
Meisters wirken allerdings viel befriedigender, wie das grosse, symmetkifCI1 
EIl1geordnete Mad0nnenbild im Museum zu Rouen CFig. 153J, das nach SIl1EM R0ucs1s 
alten Inventar des Carmeliterinnenlclosters in Brügge mit einem Altar idSUkifCh 
R: den Meister Gerard im Jahre I5o9 selbst dorthin geschenkt hatte. Die 
heilige Jungfrau, auf deren Schoss das bekleidete Kind mit einer Traube sitzt, 
ist von muf1cirenden Engeln und weiblichen Heiligen umgeben, hinter denen 
links ein Stisterantlitz, in diefem Falle also der Maler selbst, zu sehen ist 2Js 
Zu würdevoller Haltung der grossen Figuren und guter Durchbildung aller 
Theile, namentlich der Hände, kommen warmes Colorit, leuchtend in den 
Gewändern, blasser im Fleische, und breiter, meisterhafter Vortrag. In den 
Köpfen geht Gerard David von Memlinc7s Typen mit hoher Stirn, länglichem 
0val und niedergeschlagenen Augenlidern aus und weiss den Ausdruck des 
sinnigen oder Feierlichen aus ihnen sprechen zu lassen. Hier füllen die Figuren 
den ganzen Rahmen; in anderen Bildern sind oft auch die landschaftlichen 
Hintergrunde von besonderem Reiz. 
Ein Triptychon in saintsBasi1e in Brügge, das auf Mittelbi1d und Flügeln  
II 7e772ze;s 1XlXmZe im Cata1ogue du mus6e de 17acac16mie des Bruges, im Beffroi 
288; 1II S. 334 und in der Gazette des beauxsarts, XX S. 542, XXl S. 489. 
2J E. FäiHjZeJs, Denkn1a1e, XII. 
l 
223, 1I
        

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