Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235960
Drittes Buch. 
Abt11eilung. 
Erl1er Abfcht 
Nischen, ni111mt die Aufsenfeiten der vordersten Flügel ein; öffnen sich diese, 
so stehen vier lebensgr0sse Kirchenpatrone, Blalius, Johannes der Täufer, 
Hieronymus und Aegidius, voll milder Würde in einer Halle mit Kirchen. 
fenltern, durch welche das Licht wirkungsvoll einfällt. Das Innerste stellt in 
der Mitte Christus zwischen den schachern am Kreuze, links die Kreuztragung, 
an deren Rande als NebenHgur der Stifter kniet, rechts die Grablegung 
und Auferstehung dar, während noch andere Momente aus der Pasf1onss und 
Auferstehungsgeschichte in der Landschaft Platz gefunden haben. Auf dem 
Mittelbi1de finden wir treffliche EinzelZüge. Die nackten Körper am Kreuze, 
die aufblickenden Köpfe in ihren Verkürzungen verrathen selbständiges Studium. 
Die Soldaten, welche um die Kleider l0osen, sind eine höchst lebendige Epifode. 
Aber die emporweisende Geberde des Hauptmannes ist lahm, auch in der 
Gruppe des Johannes und der Frauen ist manches hart und unzusammens 
hängend. Edler und empkindungsvoller sind die beiden Frauen bei der Grabs 
legung, und hoch p0etisch wirkt auf derselben Tafel die untergehende Sonne 
am See, an dem ganz klein die Erscheinung des Herrn vor feinen Jüngern zu 
sehen ist 1J. 
kleinem Unter manchen kleineren Bildern, die unverkennbar von Memlinc7s Hand 
Mi:iiZ11YiY.M. lind, kehren mehrere einander ziemlich ähnliche Darstellungen der thronenden 
Madonna wieder, meist mit einem muf1cirenden Engel, einem farbenprächtigen 
Teppich, einer reichen architektonischen Umrahmung und einem anmuthigen 
Fernb1ick aus der Halle, die den Schauplatz bildet, in die Landschaft. Ein 
solches Bildcl1en, zu dem noch Flügel, die beiden Johannes, auf den Aussens 
seiten Adam und Eva, gehören, befindet sich in der kaiferlichen Galerie in 
wies. Wien, ein anderes in den Ufsizien zu Florenz, ein drittes im Gothischen Haufe 
TiJYkiilT. zu Wörlitz 2J, ein viertes, auf welche1n der Stifter vom heiligen Georg empfohlen 
London. wird, in der Nationalgalerie zu London. 
Haben wir im Vorhergehenden nicht alle von Memlinc erhaltenen Arbeiten 
auszahlen können, so ist es vollends nicht möglich, bei der grossen Zahl von 
Bildern unbekannten Ursprungs, die einer ihm verwandten Stilrichtung ans 
gehören, zu verweilen. Aber da Wandmalereien dieser Epoche überaus selten 
sind, seien wenigstens die vor einigen Jahren bei einer Restauration in Notres 
xvsB;u2i1dck, Dame zu Dijon zum Vorschein gekommenen Wandbilder erwähnt. Das nörds 
Wo. licl1e Seitenschiffs enthält unter den Fenstern Gestalten einzelner Heiliger nebst 
einem knieenden Stisterpaar, die alle sehr gelitten haben. Etwas besser erhalten 
ist aber die grosse Compof1tion der Kreuzigung an der 0stwand des nördlichen 
Querhausarmes. Christus am Kreuze, der plastifch eingefügt war, fehlt. lxVir 
sehen die gekreuzigten Schächer mit Engel und Teufel, links die klagenden 
Frauen mit Johannes, rechts die Krieger, von denen fast nur die Fahnen, eine 
mit dem Doppeladler, noch übrig sind, in der Landfchaft mit schöner Stadts 
ansieht auferstehende Todte. Bei guter Formenkenntniss, schlichten, edlen 
  Charakteren und massvo1lem Ausdruck tiefen Gefühls kommt dies Werk 
 Memlinc nahe, an dessen Typen besonders die Frauengruppe erinnert. 
1J Farbc11c1rucke der Arunde1 Society. 
2J DiesJvie das Bild in FVie11 Hugo v 
getauft. 
Goes
        

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