Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1242226
Malerei. 
Die Bls.ithezeit der italienifchen 
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gleichzeitig mit sebastiano del Piombo7s Auferweckung des Lazarus für die 
Hauptkirche zu Narbonne in siidfrankreich bestellte Bild der Verklärung Christi 
auf demiBerge Tabor,1J die Darstellung der siTransAgurationcc, welche jetzt die  
vatikanische Ga1erie schmückt. Raphael gedachte das Bild, in welchem er abermals is:iIFEZYiL. 
die Lösung eines neuen Prob1emes versuchte, ganz eigenhändig zu malen. Aber Jene. 
der Tod ijberraschte ihn, als er erst den oberen Theil vollendet hatte. Hier 
sehen wir auf dem flachen Gipfel des Berges die drei Jiinger Petrus, Jakobus 
und Johannes in grossartigster Bewegung geblendet zu Boden gesunken vor 
der Vis1on des plötzlich in überirdischem Lichtglanz emporgehobenen, von 
den zu feinen seiten fchwebenden Gestalten des Moses und des Elias vers 
ehrten Heilandes. Den unteren Theil des BildeS vollendeten Schi.ilerhände; 
besonders Giulio Romano7s Hand ist zu erkennen; und hier sehen wir die zus 
rtickgebliebenen Apostel vergebens bemüht, ohne Christi Beihiilfe einen bei  
sessenen Knaben zu heilen. Mit stürmischer Bewegung weisen einige von ihnen 
Zum Heiland empor, der allein zu helfen vermöge. Doch ist diese untere 
Gruppe so gedacht, als sahe sie die obere nicht; der Beschauer nur soll sie 
sehen, damit er auf geistigem Wege die Einheit herstelle; und der Künstler 
schlägt den kühnen Ausweg ein, der oberen scene ihren eigenen Augenpunkt 
zu geben und sie grosser darzustellen. als sich mit den perspektivischen Ges 
setzen vertragen wurde. Die vollendete Kunst kehrte so mit Absicht zu einem 
Hulfsmittel zurück, welches die primitivere Kunst oft genug in naiver Uns 
kenntniss angewandt hatte. Das ideale Bedurfniss hegte über das realistische 
Gesetz. 
Gerade was der immer noch junge Meifter, der des Adels feiner äufseren R2pi322x.s 
Erfcheinung, feiner Seele und feiner Kunst wegen ein Liebling Roms und ein 
Abg0tt feiner zahlreichen Schüler war, jetzt noch eigenhändig ausfijhrte, zeigte, schalem. 
dafs er immer noch bestrebt war, nach höherer Vollkommenheit zu ringen; 
und gerade nur nach den eigenhändigen Werken feiner reifsten Zeit dürfen 
wir feine künPclerifchen Fähigkeiten und technifchen Qualitäten beurtheilen. 
Von viel zu vielen Aufträgen gedrängt, war er gezwungen, zahlreiche Werke 
durch schülerhände ausführen zu 1affen, was feinem Rufe hie und da fchon 
bei feinen Zeitgenoffen und dann befonders bei unkritifchen modernen Techs 
nikern gefchadet hat. Die raft10fe, alles umfaffende Thätigkeit des MeiPcers  
untergrub aber auch feine Gefundheit. Er starb am Charfreitag C6. AprilJsein Tod. 
des Jahres I 52o, erPc 37 Jahre alt. Jeder fühlte, dafs fein VerluPc unerfetzlich 
fei; und gerade feinem unabläff1gen streben gegenüber fragen wir noch heute, 
welche Richtung feine weitere Entwicklung wohl eingefchlagen hätte, wenn 
ihm befchieden gewefen wäre, Hatt eines halben ein ganzes Menfchenalter 
zu leben. 
Raphae1s 
Schüler 
und 
Nachfolger 
CDie 
römifche 
SchuleJ. 
Raphae1 
fammelt. Er 
He bedurften 
hatte in Rom eine gr0fse Anzahl von Schülern um lich vers A11gsmeines. 
bedurfte ihrer, um feine gr0fsen Unternehmungen durchzuführen; 
feiner, um lich in den gr0fsen Stil der neuen Aera einzuleben; 
Christi, 
Die Verklärung 
Gemä1de Raphaels. 
Leipzig 
1870.
        

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