Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1242024
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Himmelsglorie ist von einem visionären Goldton durchleuchtet, der im voraus 
an Murillo erinnert; und die. Glaubensinbrunst, die den Grundton des Bildes 
angiebt, kommt in allen Köpfen mit überzeugender Tiefe zum Ausdruck. 
Wenn Raphael nichts als die Madonna von Fuligno gemalt hätte, so würde er 
doch als einer der gewaltigsten Techniker und tiefsten Künstler auf dem Ges 
biete der Malerei dastehen. 
Die oMadonna mit dem Fische: erstrebt keine so grossartige VertiefungDT:JHssFl1Y1s 
des Raumes und der Atmosphäre. Die Jungfrau thront hier vor einem halb Hishi 
zurückgeschlagenen Vorhang. Das Christkind wendet sich lebhaft dem jungen 
Tobias zu, der, vom Erzengel Raphael geführt und vorgestellt, links an den 
Thronstufen kniet und feinen Fisch an der Angelschnur trägt, zugleich aber 
greift es wie zufällig mit feiner Linken in das mächtige Buch des rechts stehens 
den hl. Hieronymus. Die Komposition ist freier als diejenige irgend eines 
anderen Altarblattes Raphaels. Die Charaktere sind gross und liebenswürdig. 
Der malerische Vortrag ist von Wunderbarer Frische und Freiheit. Die warme, 
leuchtende Färbung ist von innerer Harmonie beseelt CFig. 374J. 
Somit stehen wir an der Schwelle der letzten schafsenssEpoche RYtFt1;FeO17s 
Rapl1aels. Durch eine Ueberfülle von Aufträgen gedrängt, arbeitet er mehr Epoche. 
in die Breite. Seine Kompositionen find herrlicher als je; aber nur wenig mehr 
führt er ganz eigenhändig aus; dieses wenige zeigt jedoch, dass er sich immer 
noch weiter zu entwickeln strebte, dass er besonders an slüssiger, malerifcher 
Breite des Vortrags immer noch zu gewinnen suchte. Wollen wir auch hier 
wieder zunächst seiner XxVandgemälde gedenken, so müssen wir mit den Bei 
trachtungen der ferneren Kompositionen, die er für die vatikanischen Zimmer 
schuf, beginnen.  
Die dritte der Stanz en  wird nach einem der Bilder sunten Die ducke 
S. 654J das Zimmer der Feuersbrunst, die vstanza dell7 Incendiock genannt. SWza. 
Die Deckenbilder, welche Perugino hier gemalt hatte, liess Raphael stehen. ii2ksPeckei:. 
Es handelte sich also nur noch um die Ausschmiickung der vier Wände, deren 1i2kT1FFIi;e1. 
unterer Theil mit mächtigen thronenden Fürstengestalten hoher Beschützer Figuren. 
der Kirche geschmückt ist. In den Hauptbildern liess Leo X., der nur syms Di2.wai1si. 
bolisch zu rechtfertigenden Anachronismen der Stanza d7Eliodoro müde, Grosss bildet. 
thaten aus der Geschichte wirklicher Papste darstellen; doch wählte er seinem 
Namen zu Liebe die Geschichte seiner Namensvorgänger, 1.eo7s 1II.  
und Leo7s lV.  Aus dem Leben des ersteren wurde zunächst die 
Krönung Karls des Grossen1I dargestellt. Ueber dem Fenster, welches hier DieKki3m2x2g 
nur ganz unten links in das Bild 1iineinragt, ordnete Raphael, geschickt wie Karls dick. 
immer, die sängertribüne seines Festraumes an. Uebrigens ist es ein grosss 
artiges Ceremonienbild. Die geschlossenen Reihen der zuschauenden Bischöfe 
sind mit hohem stilgefühl gruppirt, und die halbnackten Hünengestalten 
der Träger, welche mit Geschenken die Saalstufen hinansteigen, bilden einen 
lebendigen Gegensatz zu ihnen. 
Auf dem zweiten Bilde ist der Reinigungseid Leo7s IIl. dargestellt, der zu Dei Keins. 
den Triumphen der Papste gerechnet wird, weil er ihn freiwillig leistete, gerade ETJsgFTs, 
1J Der Zeit ihrer Aiisfiihr11ng nach folgen die beiden hier zuerst genannten Bilder, welche frühere 
Ereignisse darstellen, auf die ancleren beiden. Interessante Daten zu ihrer Erklärung giebt ff. fJieimeJE, 
a. a. O. S. 225ss232.
        

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