Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241993
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Viertes Buch. 
Abtheil1.111g. 
Raphael zeigte sich eben auch in Bezug auf diese Wirkungen als Vollendet 
dessen, was feine Vorgänger höchstens gewollt haben. 
A13geme;ip2s Alle diese Bilder, von der 1sDisputäu bis zur vBefreiung Petricc führen uns 
ekZTTrhTiTen ein gewaltiges Stück der Entwicklungsgeschichte Raphael7s vor Augen. Sie 
Stamm zeigen uns, wie unverdrossen der Meister immer neue Probleme stellte und 
löste. Die vDisputäcc bezeichnet den ersten Schritt von monumentaler Befans 
genheit zu strenger Schönheit; die vVertreibung Attila7scc und die vBefreiung 
Pet.rics bezeichnen den letzten Schritt, den die Wandmalerei thun kann, ohne 
sich durch allzu malerische Behandlung um ihr eigenes Selbst zu bringen. 
TeIchhk;ik Alle diese Gemälde pflegen als d1Freskenc1 bezeichnet zu werden. Dass 
 sie auf den nassen Kalk gemalt worden, ist auch unzweifelhaft; ebenso uns 
zweifelhaft aber erfcheint es, dass Raphael sie erst für vollendet erklärte, nachs 
 dem er sie an vielen Stellen, wo die VVirkung es erheischte, al secco übers 
gangen hatte; und ein ähnliches Verfahren dürfte s1ch bei näherer Unters 
suchung der italienischen Wandgemälde der goldenen Zeit in weit mehr Fällen 
herausPcel1en, als anerkannt zu werden pflegt.  
w;:kgYlk;er Aus der ersten römischen Periode Raphaels hat sich ausser den besproches 
aus R2ph2. nen Schöpfungen im Vatikan nur noch ein Bild in Freskotcchnik erhalten,1J 
i1ili22.iicriT2s die Darstellung des thronenden Propheten Jesajas an einem Pfeiler der Kirche 
DkFkJTFFi;s S. Agostino. Da sie übermalt ist, lässt lich nur ihre Formengebung noch bes 
s.A;IZ1kjk,0, urteilen; gerade diese beweist, in wie hohem Grade Michelangelols Propheten 
in der lixtinischen Kapelle es auch Raphael angethan hatten. Zum Glück war 
das jedoch nur eine vorübergehende Anwandlung. 
  Auch Raphae17s Tafelbilder aus seiner ersten römischen Periode zeigen seine 
HEFT;  Entwicklung von den letzten Resten altsumbrischer und altstoskanischer Ges 
kI;s,JjTIFs, bundenl1eit zur vollen malerischen Freiheit in überzeugender VVeise. Wir 
werden nacheinander seine Bildnisse, seine nicht kirchlichen, aber religiösen 
Tafelbilder und seine Altarb1ätter aus dieser Zeit kennen lernen. 
Die Bi1a21irs22 Unter den Bildnissen steht dasjenige Julius7 II. voran. Der alte graubärtige 
jnJI1,jFskiLi;,. Papst sitzt bequem in seinem Sessel. Der Ausdruck seines charaktervoll auSs 
pl;T,d1FzTxz, geprägten Kopfes ist sinnend, nicht sorglos. Die Behandlung ist ausserordents 
lich energisch und stofflich. Von den verschiedenen Exemplaren, welche eins 
ander die Echtheit streitig machen, kommen in erster Linie diejenigen der 
Uss1zien und des Pa1.Pitti in Betracht. Aus historischen und stilistischen Grüns 
dBi115::imrricwi;e den gebührt demjenigen der Ufsizien der Vorzug. 2J Der früheren römischen 
Es Ps:sk;. Zeit müssen, wenn Raphael sie gemalt hat, auch das männliche Porträt der 
WFiil3itTkim Petersburger Eremitage und das schöne Jünglingsbildniss beim Fürsten Czars 
CJFrzETJsIY torisky in Paris zugeschrieben werden. sicher gehört ihr das Bildniss des juns 
BsF,IZ,JIz1;I. gen Bindo Altoviti in der Münchener Pinakothek an, ein schön aufgefasstes 
 VVerk, das in seinem gegenwärtigen Zustande jedoch kaum viel von des Meis 
 
O Ueber untergegangene dekorative Arbeiten Rap11ae1s aus diefer Zeit E. JlIiimkz in der Gaz. d. 
BeauxsArtS vom I. Aug. 1879 und a. a. O. p. 387. 
2J Für das PittisExemplar:  a. a. O. II, p. 94, L72zZlee im Rafae1werk, Text, S. 57. 
 Unentfchieden: Fj77Oi22gey a. a. O. S. 191, lj7IM.e in d. Gefch. d. it. Mal. II, S. 289; JlfiZ;2Zz 
a; a. O. p. 402.  Entfchieden für das UfHzienexe1np1ar, wie der Verfaffer, auch die 4. Aufl. von 
BmTMcz7727f.1 Cicerone, S. 659.
        

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