Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241984
Die Bliithezeit der ita1ienifchen Malerei. 
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einen kühn herausgegrisfenen Moment. Während sie die rechte Seite des Bils 
des einnimmt, sehen wir links die lebhaft bewegte Gruppe der durch die Ers 
scheinung geängsteten oder getrösteten Zuschauer, durch welche hindurch Papst 
Julius II. gerade von ftattlichen Trägern in den Tempel getragen wird, ein 
Anachronismus, welcher sich der Idee des Triumphes der Kirche immerhin 
vortrefflich anpasste. Das zweite Bild Raphaels in der Stanza dlEliodoro, die 
xsMeffe von B01fek1acs, d. h. die Darstellung der Bekehrung eines zweifels vgieZ311r:J: 
süchtigen deutschen Priesters, welcher durch das Bluten einer Hostie bei der  
Messe zu Bolsena vom VVunder der Transsubstantiation überzeugt wurde, wirkt 
heutzutage wie eine im Voraus gegebene Antwort des Vatikans auf die Lehren 
Calvin7s. Dieses Bild beHndet sich wieder an einer der Fensterwände und 
Raphael hat die räumliche Schwierigkeit hier ähnlich gelöst, wie auf dem Bilde 
des Parnasses. Den erhöhten Chor mit dem Hochaltar, vor dem das Ereigs 
nifs sich abspielt, hat er über das Fenster, die emporführenden Stufen, auf 
denen das staunendbewegte Volk sich drängt, an beide Seiten desselben vers 
legt. Papst Julius 1I. kniet betend dem Altar gegenüber, so dass es scheint, 
als habe sein Gebet das Wunder vollbracht. An genialer Schönheit der Ans 
ordnung, an sprechender Wahrheit der Charaktere und warmer Tiefe der ges 
diegenen Farbenpracht ist dieses Gemälde vielleicht das bedeutendste der 
ganzen Reihe. Dem Heliodorusbilde gegenüber hat Raphael sodann die Ges 
schichte erzählt, wie Attila, der Hunnenkönig, der mit seiner berittenen Di;eZjF;F;ks 
Horde die rechte Seite des Bildes einnimmt, durch die Ueberredungskunst Atr11ass. 
Papst I.eo7s I., der mit seinen Kardinälen von links heranreitet, noch mehr aber  
durch die gleichzeitige Erscheinung der Apostelgestalten Paulus und Petrus 
über dem Haupte des Papstes vom Angriff gegen Rom zurückgehalten wird. 
Der Papst trägt die Züge Leo7s X., unter dem dieses Bild erst vollendet wurde. 
Die plötzliche Verwirrung auf der Seite der Hunnen und die glaubensstarke 
Ruhe aus der Seite des Kirchenfürsten sind in einen überzeugenden Gegensatz 
gebracht. Das vierte Bild dieses Zimmers endlich hatte sich wieder mit der 
unregelmässigen BildHäche einer der Fensterwände abzufinden, und nirgends 
hat der Meister in höherem Grade als hier die Noth zur Tugend gemacht. II 
Die Befreiung Petri aus dem Kerker ist dargestellt CFig. 373J.  
Kerker, dessen gewaltiges Eisengitter uns einen Blick inls erleuchtete Innere  
gestattet, ist über dem Fenster angebracht; und erleuchtet ist das Innere vom 
Himmelslicht, welches der Engel ausstrahlt, der im Begriffe ist die Ketten des 
im VVinkel kauernden Gefangenen zu lösen. Die Treppen, welche vom Kers 
ker herabfijhren, sind rechts und links neben dem Fenster angebracht; auf ihnen 
die schlafenden WVächter; ein Kriegsknecht mit brennender Fackel weckt die 
Schläfer der linken Seite, an der rechten führt der Engel den Apostel an der 
Hand in7s Freie. Mehr als alle bewundernswerthen Einzelheiten dieses Bildes 
packte die Zeitgenossen die virtuose Behandlung des nächtlichen Dunkels, 
welches an mehreren Stellen von dem verschiedenen Lichte des Mondes, der 
Fackeln und des Himmelsglanzes, der den Engel umsliesst, magisch erhellt wird. 
II Eine Komposition aus der Apoka1ypfe, welche, nach der Form zu urtheilen, urfpriing1ich für 
diefe VVa11c1 bestimmt gewesen, bewahrt die Lo11vressammlung, jedoch nur eine Kopie, abgebildet bei 
JlXJ7JZ72i2 a. a. O. p. 374.
        

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