Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241952
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Viertes Buch. 
Abtheilung. 
fchauung. So, als gleichberechtigt, hat auch Raphael f1e auf diefem Bilde 
dargestellt. Neben einander stehen sie in der Mitte des Mittelgrundes und im 
höchsten Theile einer nach vorn abgestuften prachtigen HochrenaiffancesHalle; 
Plato weilt mit erhobener Rechten gen Himmel, Aristoteles deutet mit auss 
gestreckter Hand auf den festen Boden, in dem wir wurzeln. Eine senkrechte 
Linie zwischen beiden wiirde das ganze Bild in zwei fcharf unterschiedene 
Hälften theilen; und auf jeder Seite sind denn auch die Vorgänger und Ans 
hänger jedes der beiden gr0fsen Denker in deutlicher Sonderung gruppirt, 
f1ebenundzwanzig huben und f1ebenundzwanzig drüben, in den verfchiedensten 
Stellungen und Thätigkeiten. Die Einzelgruppen, welche der grossartigen 
Architektur in anmuthigfter Linienfchönheit eingefügt find, find noch freier, 
noch lebendiger, noch geistvoller als diejenigen der Disputä; ihre Zusan1mens 
 fügung zur Gesammtkompof1tion ist nicht minder streng und harmonifch; die 
einzelnen Charaktere sind ebenfo individuell durchgebildet und ebenf0 schön; 
auf der Seite des Aristoteles hat Raphael sich selbst in Begleitung feines Vors 
gängers S0doma Cnicht feines Lehrers PeruginoJ1J dargestellt. Einzelstudien 
zu dem Bilde haben sich in verfchiedenen Sammlungen, der herrliche Karton 
zum Ganzen hat f1ch in der Ambrosiana zu Mailand erhalten. 
 3. Die Jurisprudenz. Die vJustitiaa mit Waage und Schwert im Deckens 
D:EriZi7Jcj;ccfäsrundbild zeichnet sich weniger durch ihre Haltung, als durch die keufche 
zwic1Zc.:fbH;z Strenge ihres Blickes aus. Das historische Zwickelbild bringt das Urtheil 
 Salomo7s in ebenfo schlichter und schöner wie sprechend lebendiger Komp0s 
Diewak1d. siti0n zur Anfchauung. Für die Hauptdarstellung stand an diefer Wand, die 
bildet. durch das Fenster in zwei ungleiche Hälften getheilt wird, kein fo gefchlossenes 
Halbrund zur Verfügung, wie an den beiden bereits besprochenen VVänden. 
Raphael wusste sich zu helfen. Mit kühnem Entfchlufse stellte er drei Bilder 
statt eines dar. Auf dem schmaleren Höhenbilde links vom Fenster sehen wir, 
wie Kaifer Justinian im Purpurmantel und mit dem Lorbeerkranze dem Tres 
bonianos feine Pandekten übergiebt, auf dem breiteren gegenübergelegenen, 
wie Gregor IX., der die Züge Julius7 II. trägt, umgeben von feinen Kardinälen, 
in deren kernigen Köpfen Raphael eine Reihe von Zeitgenossen porträtirt hat, 
die Dekretalien ausgiebt. Es sind zwei Ceremonienbilder, welche als Muster 
ihrer Gattung gelten können. Im Halbrund über dem Fenster aber hat 
Raphael die drei Kardinaltugenden, welche der Rechtfprechung vor allem noth 
thun, die Weisheit, die Mäfsigung und die Festigkeit in drei anmuthig gruppirs 
ten weiblichen Gestalten verkörpert. 
Dis Poefie. 4. Die Poefie. Die Gestalt an der Decke ist die schönste von allen, eine 
DE k;ekk;,1k von göttlicl1er Begeisterung verklärte gesiügelte Idealgestalt, die Raphaels eigens 
JFZf11f,.J,Js stem Innern entsprungen ist. Das Zwischenbild stellt den Sieg Apollon,s, des 
z,,jZZ1Jen.Sangesgottes, über Marsyas, den Flötenbläfer, mit drastifcher Lebhaftigkeit 
Ums dar. ln7s grosse Halbrund der Wand ragt auch hier ein Fenster hinein; und 
Da; Raphael half sich hier in noch genialerer VVeise als drüben; er blieb bei einer 
DYxaFTEÄ1Zr;. einzigen Darstellung und machte den unregelmäfsigen Raum feinem Zwecke 
dienstbar, indem er oben über dem Fenster die Hohe des Parnaffes darste1lte, 
auf defsen Gipfel unter Lorbeerbäumen Apollon, von den neun Musen ums 
l.cs27m7ZfeK. 
Die Werke
        

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