Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241656
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Viertes Buch. 
Abthei1u11g. 
Des Meifters zehn Fresken aus dem Leben Johannes des Täufers im Hof 
imsca1:o.der Laienbruderfchaft dello Scalzo find mit langen Unterbrechungen 
in verfchiedenen Jahren gemalt worden. Da sie einfarbig, braun in braun ges 
malt find, fo find sie für die Entwicklungsgefchichte feiner Formengebung von 
befonderem Intereffe. I; Die Taufe Christi, nach Vafari ein Jugendwerlc Andrea7s 
Cca. I5I1J, fchlicht, aber noch unfelbständig, in der Anordnung augenfcl1einlicl1 
durch Verrocchio7s Bild Toben S. 19oJ beeinflufst, dürftig in der Landfcl1aft.1J 
2J Die Predigt des Täufers Cvor l5I5 vollendetJ. Intereffant ist die fchon Von 
Vafari bemerkte Thatfache, dafs Andrea eine Gestalt diefes Bildes einem Kupfers 
stiche, eine andere einem Holzfchnitte Dürer7s entlehnt hat. Z; Johannes 
tauft das Volk CMärz I5I7 vollendetJ: eine Hgurenreiche Scene von feiner 
Abrundung. 4J Die Gefangennahme des Täufers CJuli 1517J: ein Meisterstück 
 historifcher Komposition, mit acht Figuren aufserordentlich einfach und fpres 
chend erzählt CFig. 356J. 5J Das Gastmahl des Herodes CJanuar 1522J. 6J Die 
Enthauptung des Täufers CMai I523J. 7J Salome bringt ihren Eltern das Haupt 
CMai I523J. 8J Der Engel verkündet Zacharias die Geburt des Täufers CAuguft 
I523J: eine Kompof1tion von grofsartig fchlichtem Wurfe und gedankenvoller 
Schönheit. 9J Der Befuch der Frauen CNovember I524J; ungemein edel und 
liebenswürdig. IOJ Die Geburt Johannes des Täufers CJuni I526J, eine Wochens 
stubenfcene der bekannten Art, aber von ungewöhnlich einfacher und würdes 
voller Konception.  ln vier anderen Feldern desfelben Hofes malte Ans 
drea die fchönen Gestalten der vier Kardinaltugenden: 1515 die Gerechtigkeit, 
um I52o den Glauben und die Barmherzigkeit, I523 die Hoffnung. Mit feiner 
Renaiffances0rnamentik umral1mt, macht das Ganze, welches in Umrifsstrichen 
verschiedener Hände publicirt ist, trotz feiner Farblof1gkeit und feiner stellen. 
weife argen Zeritörung doch immer noch einen bedeutenden monumentalsdes 
korativen Eindruck. 
i22s.am1km. Auch Andrea7s Fresken im Vorhof und im Kreuzgang der Sers 
Ema, vitenkirche S. Annunziata find zu verfchiedenen Zeiten entstanden, und 
von den zwölf Bildern des Vorhofes rühren zwei von Vorgängern, drei von 
Nachfolgern des Meifters her. Diefer malte hier zuerst I5o9gI5Io fünf Bilder 
aus dem Leben des hl. Filippo Benizzi, des Stifters des Servitens0rdens, 
nämlich II wie der Heilige einen Ausfatzigen bekleidet  noch unbeholfen 
komponirt, die Erzählung noch von der Landfchaft erdrückt; 2J wie ein Blitzs 
fchlag die Spieler auseinandertreibt, welche den Heiligen verhöhnt haben  
grofsartig in der überzeugenden Wucht des die Handlung vergegenwärtigenden 
Augenblickes; 3J wie der Heilige einem Mädchen den böfen Geift austreibt  
die fchöne Architektur und die fchönen Figurengruppen harmonifch aus einem 
Guffe; 4J wie die Berührung mit der Bahre des todten Heiligen einen Knaben 
zum Leben zurückruft  von altflorentinifcher Kraft und Klarheit; 5I wie die 
 Kinder durch das Gewand Benizzi7s geheilt werden  mit packender koloristis 
fcher Wirkung ausgestattet. 1m Jahre I 5II fügte Andrea 6J die Anbetung der 
Könige, dann, bis I 5I4, das gröfste Meisterwerk der Reihe CFig. 357J, die Dars 
1J Nach J1JiZsmeJ as A. 0s, V, pi 9, 67 erst 1st4 gemalt. Dagegen jedoch Crowe u. cavaleas 
fel1e a. a. O. Cengl.J III, P. 545. Milaneli unterstützt feine Datirung hier einmal nicht durch ein 
Dolcument, wie bei allen folgenden Bildern; unfere folgenden Daten beruhen durchaus auf den von 
JIJ27cmtJZ ja. a. O. S. 66s72J publicirten Dolcumenten.
        

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