Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235880
Drittes Buch. 
Abt11ei1ung. 
Erfker Abschnitt. 
Mclancholie hervor. Nur das Gewaltsame liegt ausserhalb feiner Sphäre, das 
Böse und Verw0rfene vermag er nicht zu schildern, wohl aber gelingt es ihm 
oft, den Ausdruck bis zu lauterer Erhabenheit zu steigern. 
Auf Rogier7s Grundsätze geht auch Memlinc7s Farbe zurück. Er erreicht 
den Meister nicht an Leuchtkrast der einzelnen Töne und in der schlagenden 
WViedergabe der Stoffe, aber er ist im Vortrage durchsichtiger, modellirt die 
Fleischthei1e feiner, setzt die einzelnen 0bjecte in weicheren Umrissen gegens 
einander ab. Von dem plastischen Herausarbeiten der Gestalten, der c0ncens 
tration des Lichtes, der fein beobachteten I.ichtwirkung, wie Jan van Eyck 
sie besitzt, ist bei Memlinc wenig zu finden; auch gegen Dirk B0uts steht er 
in dieser Beziehung zurück, aber er stellt feine klaren, fröhlichen Töne mit so 
feinem Gefühle zusammen, dass er die Mängel der Lustperspective fast vers 
gessen macht, dass Menschen und Umgebung doch in glück1ichem Verhältniss 
stehen, und dass seine Bilder auch in der anmuthigen Heiterkeit ihrer Farbe 
einen poetischen Zauber ausüben. Ueberal1 leuchtet uns die herzliche Freude 
an der Welt entgegen, die Memlinc schildert, und die niemand schöner sehen 
kann, als er. Kein Maler diesseits der Alpen weiss die Demuth und Kindlichs 
keit des mittelalterlichen Stils so rein festzuhalten und zugleich sich doch so 
sehr der Freiheit vollendeter Kunst zu nähern. 
 Memlinc7s Laufbahn historisch zu verfolgen, ist indessen schwer, weil 
gerade diejenigen Arbeiten, die man mit hoher Wahrscheinlichkeit in seine 
frühere Zeit setzen kann, doch von Zweifeln nicht unberührt sind. Da wäre 
Jjiogneszunäcl1st das grosse Triptych0n des Jüngsten Gerichtes in der Marienkirche 
deucht,        
D:2k.2ig. zu Danz1g zu nennen, das einst im Jahre 1473 wahrend eines Zerwurfn1sses 
zwischen der Hansa und den Engländern auf einem englischen Schiffe, we1s 
ches VVaaren der Portinari und anderer Häuser aus Brügge enthielt, von dem 
Danziger Capitän PzzzzZ lZzs;2x2cJkxs gekapert worden war. Das Fragment einer Jahr. 
zahl, das es aufweist, kann nur I46y bedeuten O. Das Ganze ist wesentlich im 
Stil von Rogier7s Jüngstem Gerichte in Beaune componirt. Die Mittelsigur der 
unteren Partie bildet wieder der seelenwägende Erzengel Michael, diesmal in 
voller Rüstung. Die Flügeltafeln enthalten die Verdammten in der Hölle und 
die Seligen, welche Petrus an der Paradiesespforte empfängt. Aus den Aussens 
seiten kniet ein Stifterpaar vor den gemalten Statuen des Erzengels Michael 
und der Madonna. Merkwürdig ist der Reichthum der Erfindung, dann das 
Geschick, mit dem die zahlreichen, allerdings mageren nackten Gestalten vers 
kürzt und modellirt sind. Nächst dem Genter Altar nennt Waagen dieses 
Jüngste Gericht das wichtigste VVerk der ganzen Schule. Aber die Annahme 
von Memlinc7s Urheberschast ist hier nur auf das künstlerische Urtheil neuerer 
Forscher gegründet, die in diesem Punkte nicht vollständig übereinstimmen. 
A1kiikci1221 Weniger Anlass zu einem Zweifel liegt bei dem ganz kleinen Diptychon 
TiTrkikTazFcn2e, im Besitz von Rev. Fu11er Russell zu Greenhithe in Kei1t vor2J. Das eine 
GMnh1meiTäselchen enthält Christus zwischen den Schäc11ern am Kreuze in sigurenreis
        

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