Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241469
Malerei. 
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herrlichen; auch diese Bilder verrathen noch deutlich die Schule Giorgione7s, 
wenn sie auch nicht sonderlich glücklich durchgeführt sind und so wenig 
Beifall ernteten, dass Sebastiano, nachdem er einige Jahre später snicht glücks 
licherJ noch den PolyphemIJ neben Raphael7s Galathea in derselben Halle 
gemalt hatte, in der Villa nicht weiter beschäftigt wurde. Aber Sebastiano 
blieb in Rom, suchte sich im Ansch1uss an Michelangelo gegen Raphael durchs 
zusetzen und verfiel auf den Gedanken, die Formensprac11e des gewaltigen  
Florentiners mit der venezianischen Farbenmus1k zu einem neuen, einheitlichen 
Ganzen zu verschmelzen. Unwillkürlich liess er aber auch Raphael auf sich 
einwirken, und so entwickelte er sich rasch zu einem der grössten Porträtmaler 
der Welt und zu einem ek1ektischen Historienmaler, den wenigstens einige 
Zeitgenossen auch als solchen für einen neuen Messias hielten.  
Seine venezianische Strömung überfluthet in der heiligen Familie beim sein; ke1igi. 
Lord Northbrook zu London svormals BaringJ noch einmal die tlorentinischen sr2i2i1Fii1dek 
Elemente; in der wundervollen, mit des Mei1ters Namen bezeichneten, f1gurens m London, 
reichen vPietäcc der Petersburger Eremitage aber halten die an Michelangelo ii11;cterss 
mahnende Wucht der Formen und die venezianische Stimmung sich wirklich arg. 
in harmonifcl1er Weise das Gleichgewicht. Dann folgt eine Reihe von Bildern, 
an deren Entwurf Michelangelo selbst mehr oder weniger betheiligt war. Von 
Michelangelo rührte nach Vasari, dem wir gerade in Bezug auf diese Angaben 
glauben dürfen, der Karton zu der eigenthümlich aufgesassten, lebensgrossen 
Darstellung der Schmerzensmutter vor dem ausgestreckten Leichnam Christi her, 
welche Sebastiano für die Kirche S. Francesco zuViterbo malte, die das Gemälde ioceSsicc1sk;ks 
noch besitzt. Für Sebastiano7s Hauptbild, die grosse Auferweckung des Lazarus Viterbo. 
in der Londoner Nationa1galerie hatte Michelangelo dagegen, wie Vasari2J bei ävonZJsNI;FJ; 
richtet und sich auch aus der Korrespondenz 3J der beiden Meister ergiebt, os1gs1erie. 
nur einzelne Theile gezeichnet. Christus steht links auf einer Steinplatte. 
sFig. 349J und wendet sich mit grossartig befehlender Geberde dem rechts 
stehenden Sarkophag zu, welchem Lazarus, ein Recke von ganz micl1elangeless 
kern Gliederbau, gerade entsteigt. Verschiedene Männer unterstützen ihn; er 
arbeitet mit Händen und Füssen, um sich das Leichentuch abzustreifen. Links 
im Mittelgrunde stehen die Apostel, rechts die Juden, welche sich immer noch 
die Nasen zuhalten, als räche es nach Verwesung; die Neubekehrten aber  
knieen vorn zu des Heilands Füssen. Dieses I519 gemalte Bild hat von jeher 
für eine der grossartigsten Kompositionen jener Tage gegolten. Der bedeutungss 
volle Augenblick ist einheitlich und bedeutungsvoll veranschau1icht. Ein leidens 
schaft1iches Leben erfüllt das Ganze, und gemalt ist es mit aller Sorgfalt, wels 
cher Sebastiano fähig war; nur ist an die Stelle der behaglichen venezianischen 
Breite eine fast metallische Glätte des Vortrags, und an die Stelle der tiefen 
Schönfarbigkeit ein einformigerer, kälterer, wenn auch durch das schlagende. 
II Der 22Polyphemce gehört nach Lemzi2Zfef CKunP:chronik XlII, S. ss5J einem fpäteren Jahrlu1ns 
dert an. Das kann Ach aber nur auf feine jetzige Gestalt, die er durch v0llüändige Uebermalung 
erhalten hat, beziehen; denn fcl1on Vafari CEd. Mil. V, P. 567J kennt ihn und nennt ihn als VVerlc 
sebalkiano7S.  Den bald. Michelangelo, bald sebaPciano zugefchriebenen m0nochromen Ko1offallc0pf 
in der neunten Liinette derfelben Halle hält Lerm01ietT für ein VVerk PeruZzi7s. 
2J ;2s0tt0 online e disegn0 in alcune partic di Michelangelo. Vafari Milanesi V, P. 570. 
3J xIrZ. lkoJe22zeJ;;scy Ausgabe von E. CzeJ;Z1s Kijnfklerbriefen CBerlin, 1879J I, Si 225s 
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