Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241376
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iertes Buch. 
Abthei1ung. 
 Auffaffung, an fchöner Abrundung der ICompof1tionen im gegebenen Raume 
und an geiftvoller Variation des einfachen Thema7s zu dem fchönften gehören, 
was Michelangelo gefchaffen. 
Ganz allein hat der Meister die ganze Decke der f1xtinifchen Kapelle ges 
malt; die Gehilfen, die er sich anfangs aus Florenz verfchrieben Cunter ihnen 
Meister wie Bugiardini und GranacciJ, fchickte er wieder heim, weil ihre Arbeit 
TI,i;s,Fss ihm nicht genügte. In der Freskotechnik mufste er erst feine Erfahrungen 
JJ;FJsz7; machen. Anfangs nahm er den Kalk zu wäfferig, fo dafs die Arbeit ihm vers 
fchimmelte; Condivi berichtet, dafs Giuliano da Sanga1lo ihm in diefer Noth 
mit feinem Rathe beigestanden habe. Dann vollendete er aber auch das Ganze 
in reiner Freskotechnik; die Retouchirung auf trockenem Wege, die damals in 
der italienifchen VVandmalerei viel üblicher war, als man einzugeftehen pflegt, 
unterblieb zuerst nur, wie Condivi berichtet, wegen der Ungeduld des Papltes, 
das Werk enthüllt zu fehen. Als diefer fpäter wünfchte, mit Ultramarin und 
Blattgold nachgeholfen zu haben, weigerte Michelangelo sich, das Gerüft wieder 
aufzufchlagen und das Werk blieb, wie es war, rein al fresco gemalt. Bald 
find vier Jahrhunderte feit feiner Vollendung versloffen; der Rauch der Kerzen 
hat es gefchwärzt, die Zeit hat Riffe hineingefprengt. Seine urfprüngliche 
Farbenwirkung war ohne Zweifel frifcher, klarer und kräftiger, als die jetzige; 
aber im koloristifchen Sinne war f1e ebenfo unzweifelhaft von Anfang an nicht 
gedacht. Die Zeichnung fo1lte auch hier in erfter Linie wirken; und f1e wirkt 
noch heute mit einer Wucht und inneren VVahrheit, die uns bei ihrem Anfchauen 
eine VVeile vergeffen laffen, dafs es noch andere der Betrachtung werthe VVerke 
auf der Erde giebt. 
HYjZ:vzsu Einige Blätter mit Skizzen für Geftalten und Gruppen der Deckenbilder 
derliüH:Hlceos haben sich in der 0xforder Sammlung erhalten: befonders beachtenswerth 
 sind die acht Blätter eines Skizzenbuches, in welches Michelangelo jedoch keine 
Naturstudien, fondern freie Entwürfe mit fchwarzer Kreide und mit der Feder 
und Bister gezeichnet hat.1J 
8TI;ssZ8dIs Erft 22 Jahre nach der Vollendung der Decke begann Michelangelo fein 
HEXE K8pEHssgrofses Gemä1de des jüngiten Gerichtes an der Altarwand der f1xtinifchen 
Kapelle. Schon Clemens VI1. hatte es beftellt, fchon unter ihm hatte Micheli 
angelo den Karten gezeichnet. Aber erst Paul III. bestand auf der wirklichen 
 Ausführung des Gemäldes. VVieder ging der Meister mit höchstem VViders 
ftreben an die Arbeit Cfpäteftens zu Anfang des Jahres I535J, wieder arbeitete 
er mit Feuereifer ganz allein an dem Gemälde, welches vielleicht noch immer 
das gröfste Freslco der Welt ift. Nach sieben Jahren2J war es vollendet. 
Am VVeihnachtstage 1541 wurde es enthüllt und fetzte die ganze VVelt in 
Aufregung. 
BFJFn1;sfTs Michelangelo hat den jüngsten Tag als vDies iraecs, als Tag des Zornes 
aufgefafst. Christus thront in der Mitte des oberen Theiles des Bi1des, im 
Begriffe aufzufpringen, um mit erhobener Rechten und Zornigen Blicken die 
II  C. lFc2äiJ2Jw2.s The clrawings of Michelangelo and RaiTaello in the University Galleries. 
Oxford, 187o, p. 27ss45. 
2J Vafari fagt: Nach acht Jahren. Da es aber frühestens im Spätherbst I 534 begonnen fein 
kann, fo End nicht mehr als Geben Jahre l1erauszurechnen, wenn Vafari den Enthül1ungstag richtig 
angiebt. 
Raffae11 
the University 
Ga11eries.
        

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