Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235840
Drittes Buch. 
Abthei1ung. 
Erlker Abfch11itt. 
quittung ausstellteIJ. Nur die hohe Mitteltafel, das Abendmahl, bes1ndet sich 
noch an 0rt und Stelle: Im Gemache eines Bürgerhauses sitzen Christus, der 
eben das Sacrament einsetzt, ui1d die Apostel um einen gedeckten Tisch; vier 
Männer im Zeitcostüme, offenbar die Vorsteher der Bruderschaft D, die bescheis 
den im Hintergrunde stehen oder zu einein Fensterchen hereinschauen, wohnen 
dem Vorgange bei. Die Flügel, jeder in zwei Tafeln getheilt, enthalten alts 
testamentarisehe Typen des Abendmahls, von denen zwei, Abraham und Mels 
I8liiucben. chisedek CFig. I49I und die Mannalese in der txVüste, in die Münchener Pinalcos 
 thek, die zwei andern, das Passahmalil der Juden vor dem Au3zuge und der 
schlasende Elias in der Wüste, dem ein Engel Speise und Trank bringt, in das 
Ues1iI1s Berliner Museum gekommen sind. 
13jitHJF;r Man sieht hier einen Meister, der zunächst Von Rogier van der Weyden 
Charakter. beeinHusSt ist, was sich auch bei der Nachbarschaft von Brüssel und Löwen 
erklärt. Aber in der Farbe geht Dirk Bouts vielfach noch über diesen hinaus 
und bewährt sich durch Wärme, Tiefe und Sättigung der Töne wie durch 
Schmelz und Klarheit des Vortrags als einen der ersten Coloristen der Schule. 
In den Landschaften zeigt er nicht nur die zarteste Vollendung aller Einzels 
heiten im Vordergrunde, sondern auch eine grössere Beobachtung der Lufts 
perspective. Seine Charaktere, in denen meist ein Typus mit hoher Stirn, 
1äng1icher Gelichtsform und starken Backenknochen durchgelit, sind ausdruckss 
voll, mitunter, wie auf dem Abendmah1e, einformig, sonst oft voll grossartigen 
Lebens. Selbst der Anflug von Melancholie, in den ihr ruhiger Ernst oft ums 
schlägt, hat etwas Anziehendes. Auch sonst zeigt Dirk Bouts einen reineren 
Geschmack, edle Gewandm0tive ohne zu scharfe Brüche, gutgebildete und 
richtig bewegte Hände. Nur die Beine find schwach, und die Gestalten stehen 
steif und eckig da, ohne dass sie sich recht zu bewegen wissen. Die Demuth 
und die andachtsvolle Scheu fesseln die Freiheit der Action, selbst dramatische 
Vorgänge, wie Abraham und Melchisedek, verlaufen übertrieben still und ruhig, 
Melchisedek, in voller Rüstung, stellt sich beim Niederknien ganz ungeschickt 
an CFig. 149l. Die Compositionen sind oft zerstreut, ohne rechten FlusS. Mits 
unter aber kommt der Gegenstand selbst der Eigentl1ümlichkeit des Künstlers 
entgegen; beim Abendmahl, beim Passahmahl und beim schlafenden Elias, den 
der niederschwebende Engel an der Schulter berührt, wirkt gerade das Sinnige 
und Stille poetisch. So bildet Dirk Bouts, trotz eines unverkennbaren künsts 
lerischen Zusammenhanges, doch seinem Naturell nach einen entschiedenen 
Gegensatz zu Rogier7s Richtung auf das Dramatische und Leidenschastliche. 
Als die Vollendung dieses Altars bevorstand, wurde Dirk zum Stadtmaler 
svon Löwen ernannt und erhielt am 20. Mai 1468 zwei grosse Aufträge für 
Rathhaus. das Rathhaus, erstens zu einem Triptychon des Jüngsten Gerichtes, das für 
b1i.dkzT2s2u.k den Rathssaal bestimmt war, 1472 beendigt ward, jetzt aber verschollen ist, 
 zweitens zu vier grossen Bildern für die Kammer der Schildereien. Diese 
letzteren waren im Wetteifer mit Rogier7s Ratliliausbildern in Brüssel bestellt 
worden. Aber nur zwei, welche eine von Otto III. erzählte Sage zum 
Gegenstande haben, jetzt im Museum zu Brüssel, kamen zu Stande; zu ihrer
        

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