Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241216
B1üthezeit der 
 Malerei 
Raphael, Correggi0 und Tizian zu den Meiftern allererflen Range5 ftellt. Das 
verdient er nun freilich nicht. Dazu ift er, wenn feine Geftalten hier und da 
auch einmal eine reine, ftil1e, fast raphae1ifche Schönheit athmen, in der Regel 
zu derb und hart in den Formen, zu fchwer und bunt in den Farben, zu 
unruhig und überfällt in den K0mpof1tionen; aber zu den tiichtigPcen MeiPcern 
zweiten Ranges gehört er unzweifelhaft. Er ift produktiv, erfindungsreich, 
feurig, voll dramatifchen Lebens; ihm fehlt eben nur das innere Gleichgewicht; 
gerade wo er ideal und fchlicht fein will, Hören nur allzuoft iibelangebrachte 
realiPcifche oder baroclce Einzelziige. 
Gaudenzio Ferrari1J iit etwa I48I Zu Valduggia in den piemontef1fchen uF1JI1seIHsb;H. 
Alpen geboren. Ueber feinen Bildungsgang waren lange die unbegriindetften s1Wgsgsssg. 
Gerüchte verbreitet. Er fo1lte zuerst durch Girolamo Giovenone Toben S. 342J 
gebildet worden fein, dann nach einander in den VVerl;Pcätten von Leonardo, 
Perugino und Raphael gearbeitet haben. Davon iPc nur richtig, dafS er feinen 
erften Unterricht allerdings in der Schule von Vercelli, der aufser Gir. Gios 
venone und Macrino d7Alba damals auch fch0n fein NamenSvetter Defendente 
Ferrari angehörte, genoffen hat, dann in der That, wahrfcheinlich durch Luini, 
in die KunPcfphäre Leonardo7s eingeführt worden ift, endlich auch raphaelifche 
Eindrücke in f1ch aufgenommen hat. Diefe letzteren waren jedoch recht all. 
gemeiner Art und wohl nur durch die Stiche vermittelt. Seine angebliche 
perfönliche Freundfchaft mit Raphael hat f1ch als Fabel herausgeftellt. Er 
hat 0beritalien wahrfchein1ich nie verlaffen.2J Nachdem er feine Lehrzeit in 
Mailand beendet, fchmückte er verfcl1iedene piemontefifche und lombardifche 
Städte mit Freslcen, hatte feinen VVohnf1tz lange Jahre in Varall0,3J f1edelte 
fpäteftens 1528 nach Vercelli über und war erft feit 1536 Coder fpäterJ wieder 
in Mailand anfaff1g, wo er zwifchen I545 und I547 fIarb.4J 
Gaudenzio7s fchönfte F.resken in Varallo befinden lich in der Kirche S. ssI1IY:nF;1sss 
Maria de11e grazie. Die früheften derfelben, die reinen, liebenswürdigen, uns Viirs1lo. 
fc11uldfeligen DarPce1lungen der Befchneidung und des Jefusknaben im Tempel 
fleht man in einer Kapelle diefer Kirche; die reifften aber fchmüclcen ihren 
Chor und fiellen Paff1onsfcenen dar, von denen die grosse Kreuzigung C15I3J 
zu den herrlichsten Schöpfungen des Cinquecento gehört. Eh 
Unter feinen zahlreichen Fresken in Vercelli zeigen diejenigen der Kirche Ssi1::e F,ress 
S. Crist0foro  einen befonders grofsartigen Wurf; die Himmels VeektÄelY5. 
fahrt Maria z. B. gehört zu feinen Hauptwerlcen. Von Vercelli aus unternahm 
er den Abftecl1.er nach Sar0nno, um dort in der Kuppel über den Meifters 
Werken Luini7s fein Jubel athmendes, von Kraft und Leben ftrotzendes Engels 
lconzert zu malen. Endlich fchmückte er auch verfchiedene mailändifche1J3D;1I;k1;j; 
Kirchen mit Wandgemä1den. Eine Anzahl derfelben befindet f1ch jetzt in der 1s11ds 
O Da feine Mutter der Familie Vinci oder Vinc:i0 angehörte, so zeichnet er auf früheren Bildern 
auch wohl 22Gaudentius Vinciussc. 
2J Man vgl. Ce7ZMzäo a. a. O. F. 90gIl3 mit Lermolieff a. a. O. S. 480s484. Der letztere 
erkennt aufser Luini75 auch eine Einwirkung Bramantin07s auf Fer,rari. 
3J Daher wird er 1508 und 1509 auch 22Ga11dentius de Varalicc genannt. coJMzäi2, a. a. O. p. 4I. 
4J Ueber fein Geb11rtsjahr CoZw;z5x; p. 4 u. 252, i.ib. fein Todesjahr ebenda.p. 250ss25I. 
5J Die Handzeicl1nnng zu ihr, nach  unter dem Namen Giorgione in den Uffczien zu 
Florenz.
        

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